Berikon
Eine Theater-Welt, in der unsere heutige Individualität keinen Platz hat

Die Theatergruppe des Kulturvereins katapultiert ihr Publikum mit der Eigenproduktion «Di guet alt Zyt» in eine trostlose Zukunft. Die Figuren blicken aus der Zukunft sehnsüchtig zurück in unsere Gegenwart – und wünsche sich Teil davon zu sein.

Barbara Hagmann
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Im Jahr 2013 ist die Welt noch in Ordnung, individuell und schrill.

Im Jahr 2013 ist die Welt noch in Ordnung, individuell und schrill.

Barbara Hagmann

Die Zukunft sieht leider nicht rosig aus. Die Menschheit ist zu einer Spezies ohne Emotionen herangezüchtet worden. Tägliche Medikamentenrationen sorgen dafür, dass der freie Wille unterdrückt wird. Tagesabläufe sind programmiert und die Menschen werden von Computern fremdgesteuert. Die neue Weltordnung verbietet jegliche Form von Individualismus.

Die auf ein Minimum reduzierte Weltbevölkerung trägt Schutzmäntel, damit die von Viren kontaminierte Umwelt die menschliche Rasse nicht ganz ausrottet. Sickern dennoch Gefühlsregungen durch, schreitet das System ein und züchtigt die Abtrünnigen.

Den Blick in die Kristallkugel gewährt die Theatergruppe des Kulturvereins Berikon mit ihrer Eigenproduktion «Di guet alt Zyt». Die provokative Erzählung regt zum Nachdenken an und rüttelt wach. Die Frage scheint berechtigt, ob die Thematik des Bühnenstücks weit hergeholt ist, oder ob die Menschheit in eine Welt der totalen Bevormundung und Überwachung hineinschlittert. Noch liegt das Jahr 2513 in weiter Ferne. Oder?

Stoff zum Nachdenken

Das Theaterstück kommt mit einem einem schlichten Bühnenbild aus. Es brilliert vielmehr durch seine Dialoge. Poetisch ausgeschmückt und mit Humor und Ironie angereichert, pendelt das Publikum zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Gelacht wird, wenn sich der Mensch der Zukunft über die Sitten seiner Vorfahren wundert. Damals teilten Mann und Frau – trotz signifikanter Unterschiede – Tisch und Bett.

Emotionale Momente beschert die Aufführung dann, wenn sich der Neumensch nach dem Individualismus sehnt, der im Jahr 2013 noch vorherrschte. Auf historische Fundstücke stossend, erleben die Gefühlsmutanten die kulturelle Vielfalt vergangener Epochen und wünschen sich, Teil dieser Ära zu sein.

Mit etwas Stoff zum Nachdenken wurde das Publikum auf den Nachhauseweg geschickt. Denn das Stück endet mit folgendem Zitat von Nostradamus: «Hoffentlich bekommen wir nicht die Zukunft, die wir verdienen.»

Gewagte Eigenproduktion

Mit ihrer futuristischen Eigenproduktion «Di guet alt Zyt» steht die Theatergruppe Berikon bereits das fünfte Mal auf der Bühne. Die Regisseurin Marlis Friedrich Baumgartner sieht die Inszenierung als kleines Wagnis: «Wir wollten etwas Verrücktes machen und sind gespannt, wie es beim Publikum ankommt.» Inspirationen für die Handlungen und die Dialoge fand die Drehbuchautorin in den eigenen Reihen.

«Die Ideen für das Stück haben wir gemeinsam entwickelt. Es war uns wichtig, dass jeder Schauspieler in verschiedene Rollen schlüpfen kann.»

«Die guet alt Zyyt», Theatergruppe Berikon. Weitere Vorstellungen: 16.10. (20 Uhr), 19.10. (20 Uhr) , 20.10. (18 Uhr), 25.10. (20 Uhr), 26.10. (20 Uhr), 27.10. (18 Uhr), 30.10. (20 Uhr) und 2.11. (20 Uhr)