Bremgarten
Eine Ra(n)dsportart hat in ihrer einstigen Hochburg wieder Aufwind

Einst galt das Reussstädtchen als Radball-Hochburg. Auch wenn Bremgarter Teams an Schweizer Meisterschaften regelmässig in den Final kommen, fehlt ein absolutes Top-Team. Jetzt will der Nachwuchs an alte Zeiten anknüpfen.

Dominic Kobelt
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Die jungen Nachwuchstalente des Velo-Clubs Bremgarten trainieren zweimal pro Woche im Reussbrückesaal. Dominic Kobelt

Die jungen Nachwuchstalente des Velo-Clubs Bremgarten trainieren zweimal pro Woche im Reussbrückesaal. Dominic Kobelt

Es sind keine gewöhnlichen Fahrräder, mit denen die Kinder durch den Reussbrückesaal fahren. Eine waagrechte Sattelstütze, keine Bremsen, ein nach oben geformter Lenker. Der Ball, den sie aufs Tor schiessen, ist kleiner als ein Fussball und springt praktisch nicht vom Boden ab.

Die noch etwas weniger geübten Radballer kurven manchmal etwas hilflos um den Ball herum, stehen Zentimeter vor ihm und haben doch Mühe, ihn mit dem Rad in die gewünschte Richtung zu bugsieren. Wer es selbst einmal probiert hat, wird sich aber hüten, schelmisch zu schmunzeln, denn tatsächlich erfordert es viel Übung, Kraft und Koordination, bis man den Radballsport beherrscht.

«Wenn jemand frisch ins Training kommt, kann man etwa nach zwei bis drei Monaten sagen, ob er bleiben wird – so lange dauert es, bis man die Grundtechnik einigermassen beherrscht», weiss Sven Lips, Präsident vom Velo-Club Bremgarten (VCB). «Ich spiele Radball, weil es eine seltene Sportart ist. Fussball kann man jeden Tag spielen, Radball ist etwas Spezielles», sagt Lukas, der seit etwa drei Jahren trainiert.

Manche der Kinder sind durch Kollegen zum Sport gekommen, andere durch den Ferienpass. Bei Michael Wiedmer, der mit seinem Teampartner in der 2. Liga spielt, war es eine glückliche Fügung: «Ich und mein Kollege hatten mit einem gewöhnlichen Rad und einem Ball gespielt, da ist zufällig ein Radballer vorbei gekommen, seither trainieren wir.»

Andere Regeln für Anfänger

Bremgarten war einst eine Radball-Hochburg. Heute fehlt ein absolutes Top-Team, trotzdem qualifizieren sich Bremgarter Teams bei den Schweizer Meisterschaften regelmässig für den Final. Auch die Nachwuchsarbeit trägt Früchte: 14 junge Fahrerinnen und Fahrer trainieren ein- bis zweimal pro Woche. Der VCB stellt die Infrastruktur zur Verfügung, inklusive der Fahrräder und das für einen Jahresbeitrag von 50 Franken.

Weil es nicht ganz einfach ist, diesen Sport zu beherrschen, gelten für Anfänger andere Regeln als für Fortgeschrittene oder Profis. So dürfen die Anfänger einen Penalty beispielsweise auf das leere Tor schiessen – nur schon das ist nicht ganz einfach.

Werbung macht der VCB auch mit seinem Radball-Grümpelturnier, das diesen Samstag zum elften Mal stattfindet. 18 Teams in drei Kategorien werden um den Tagessieg kämpfen. Angemeldet haben sich auch Anfängerteams, die vorher noch nie auf einem Spezialvelo gefahren sind und jetzt fleissig trainieren.

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