Konfirmanden, Eltern und weitere Mitglieder der Kirchgemeinde füllten den Wohler Chappelehof-Saal schon kurz nach 19 Uhr. Markus Leutenegger, Pfarreileiter von Niederwil, eröffnete am Freitag die achte «Nacht der Begegnung – Nacht der Lichter», die in Zusammenarbeit mit den katholischen Pfarreien von Wohlen, Waltenschwil und Fischbach-Göslikon durchgeführt wird.

Nach der Vorstellungsrunde aller neun Begegnungsateliers wählen die rund 80 Gäste zwei aus, die sie besuchen möchten. Jenes der Projektgruppe «foodwaste» fällt leider wegen Grippe aus. Als Erste betritt Schwester Veronika die Bühne. «Ich bin eine Freelance-Schwester und arbeite als Gefängnisseelsorgerin  in zwei Männergefängnissen in Graubünden», stellt sie sich vor. Es folgen Agnes Avagyan, eine armenische Karikaturistin und ihr Mann Dave Büttler, der seine für den Religionsunterricht entworfenen Spiele «Bibelthriller» und «Schatz in den Katakomben» vorstellen wird.

Marlis Schmid erzählt von ihrem Leben mit Krebs. Sie will den Menschen zeigen, wie man trotz einer schweren Krankheit ein erfülltes Leben haben kann. Aus dem Alltag als Leiter des Zentralgefängnisses in Lenzburg berichtet Bruno Graber. Christina Hegi gibt einen Einblick in die Arbeit bei der «Dargebotenen Hand».

Vom Drogenkonsum, dem Absturz in die Kriminalität und wie er sein Leben wieder auf die richtige Bahn lenkte, erzählt Marcel Quirici. Als Jugendseelsorger unterwegs in Bolivien, schildert Pater Georges Töppel seine Erfahrungen. Die Wahl eines Ateliers war bei dieser grossen Auswahl nicht einfach.

Eindrücke von der Nacht der Begegnungen in Wohlen.

Eindrücke von der Nacht der Begegnungen in Wohlen

Cartoons mit Hand und Herz

15 Personen wählen im ersten Durchgang das Atelier von Karikaturistin Agnes Avagyan. Die aus Armenien stammende Zeichnerin eröffnet ihre Präsentation mit ihrer 2-Hand-Show: Sie zeichnet mit beiden Händen gleichzeitig ein Bild. Die Erzählungen über die Geschichte Armeniens: beginnend mit der Herrschaft der Sowjetunion bis hin zu deren Zusammenbruch und den darauf folgenden Kriegen, werden von den Zuhörern gespannt verfolgt. Agnes Avagyans Bericht über ihr Heimatland ist vor allem eines – farbig. So wie ihre Bilder. Neben Illustrationen für Kinderbücher gehören auch politische Karikaturen dazu.

Auf die Frage, ob sie wegen ihrer Karikaturen schon Schwierigkeiten hatte, antwortet sie: «Meine Karikaturen zeigen politische Themen und keine Menschen.» Zudem wurden ihre Zeichnungen im politischen Regierungsblatt «Hayastani Hanrapetutyun» lediglich zensiert abgedruckt. Berühmt wurde sie durch ihre Karikatur über den armenischen Genozid von 1915.

Auf der Strasse

Ungerechtigkeit ist auch Pater Georges Töppels Thema an diesem Abend. Er erzählt von seiner 40-jährigen Erfahrung als Jugendseelsorger in Bolivien. Immer wieder aufs Neue versuchte er, mit den Strassenkindern in La Paz für Gerechtigkeit zu kämpfen. Er beschreibt er die erschütternde Realität von Korruption und der gewalttätigen Polizei in Bolivien.

Die Kinder, die er betreute, waren dieser fast täglich ausgesetzt. «Die Arbeit war schwierig. Es waren leidvolle Jahre mit den Strassenkindern, aber meine sinnvollsten», sagt er. Sein wohl grösstes Projekt war der Kauf von 20 Hektaren Land und die darauf folgende Gründung der Strassenkinder-Republik «Républica Callecruz», rund 40 Kilometer ausserhalb von La Paz. Diese Gemeinde besitzt auch eine staatliche Schule, die damals von der Bruder Klaus-Stiftung in Zürich gespendet wurde.

Die Arbeit des Jugendseelsorgers trug viele Früchte. Es ist keine Selbstverständlichkeit für Strassenkinder, staatlich registriert zu sein. Aber: «Die Kinder wurden vom Staat anerkannt und haben so eine Identität bekommen», sagt Töppel zum Schluss.