Bremgarten
Eine Mission auf tänzerischer und sozialer Ebene

Sarah Heldner möchte mit ihrem neuen Tanzstudio im ZentrumJugendliche vom «Hängen» abhalten und zum Sport motivieren

Nora Güdemann
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Ballett, Kindertanzen und Hausfrauenpowerdance stehen auf dem Programm.

Ballett, Kindertanzen und Hausfrauenpowerdance stehen auf dem Programm.

Nora Güdemann

Vor einer grossen Spiegelwand stehen viele kleine Mädchen in rosa Tutus und halten sich mit der linken Hand an der Stange fest: «Grundposition! Genau, gut macht ihr das! Und jetzt ins Plié! Super!» Die Tanzlehrerin steht zwischen den Kindern, korrigiert die Haltung und übt spielerisch die Sprungkraft. Im Oktober eröffnete Sarah Heldner die Tanz-Fabrik an der Zürcherstrasse zwischen Bahnhof und Obertor. Dort bietet sie unteranderem Ballettstunden an, Hip-Hop, Breakdance, Showdance und ausserdem Hausfrauenpowerdance, bei dem Muskeln, Spass und Gruppendynamik gefördert werden.

Sinnvolle Freizeitgestaltung

Vor fünf Jahren zog Heldner mit ihrer Familie in das Reussstädtchen, doch irgendetwas fehlte ihr hier: «Ich habe bemerkt, dass hier ein Bedürfnis der Jugendlichen nach mehr Freizeitbeschäftigung besteht.» Heldner ist auf einer Mission, auf tänzerischer und sozialer Ebene. «Wenn junge Leute die Lehre anfangen oder sich mit der Lehrstellensuche beschäftigen, lassen sie alte Hobbys fallen, fangen an zu ’hängen’. Ich möchte sie dazu motivieren, Hobbys beizubehalten, ihnen Raum geben, sich auszupowern
und auszutauschen.» Heldner beschäftigt 24 Lehrer, die meisten waren selbst einmal in der Tanz-Fabrik im Unterricht und wurden von der Geschäftsführerin entdeckt: «Die Aus- und Weiterbildungen der Tanzlehrer finanziere ich selbst. Dafür geben sie aber immer Vollgas.»

Auch an den Ort, in den die Tanz-Fabrik Bremgarten einziehen sollte, stellte sie hohe Ansprüche. Mehr als zwei Jahre war sie auf der Suche nach einer geeigneten Lokalität: «Das Studio sollte möglichst zentral gelegen sein, keine Eltern möchten, dass ihr Kind am Abend durchs Industrieviertel heimläuft.» Ein weiterer Punkt sei die Beschäftigung der Eltern in der Zeit, in der die Kinder oder Jugendlichen tanzen. «Wir haben zwar bald eine Lounge und Bänke zum Sitzen, diese sind aber für die Tänzer vorgesehen. Für wartende Eltern bietet das im Erdgeschoss gelegene Café eine super Location.»

Mit Passion und Liebe

Vor dem Einzug der Tanz-Fabrik war der Raum in Bremgarten ein Rohbau, Heldners gesamte Familie wurde rekrutiert, um ihr beim Umbau zu helfen. Mit viel Kraft und Einsatz wurde aus dem Bau ein modernes, helles Studio, und an die Wände wurden die Silhouetten aller Tanzlehrer gemalt. «Die Tanzfabrik zu leiten braucht viel Geduld, Passion und Liebe. Aber genau das ist meine Motivation.»

Die Jugendlichen waren wichtiger

Die dreifache Mutter leitet zudem seit zehn Jahren die Tanz-Fabrik in Urdorf. Die Eventmanagerin absolvierte Ausbildungen im Show- und Jazzdance, sowie im Hip-Hop. «Eine ehemalige Kollegin unterrichtete Tanz in Schlieren. Sie hörte jedoch auf zu unterrichten, doch ich wollte die Kinder und Jugendlichen nicht im Stich lassen, die Nachfrage war zu gross. Also habe ich die Tanz-Fabrik gegründet», erzählt sie. «Die Jugendlichen sind mir ans Herz gewachsen.» Heldners Tanz-Fabrik schlug einen erfolgreichen Weg ein: In Urdorf tanzen inzwischen 350 Schüler, in Bremgarten sind in der ersten Woche bereits 50 Anmeldungen eingegangen. Heldner könnte es sich durchaus vorstellen, noch ein drittes Studio zu eröffnen, vorerst stehen aber andere Dinge auf der Prioritätenliste, zum Beispiel ihre Agentur «YourDance», welche Tänzer und Shows für Anlässe organisiert, oder Tanzaufführungen der eigenen Schulen: «Bisher kennt uns Bremgarten noch zu wenig – spätestens bei unserem Auftritt an der Fasnacht wird sich das aber ändern.»