Es gehöre zur Matura, mehrere Monate intensiv an einem Thema zu arbeiten, berichtet der Kantischüler. Eine Gruppe Roma hatte von Mitte April bis etwa Mitte Mai in Besenbüren, wo er mit seiner Familie wohnt, Halt gemacht. «Da lag die Idee nahe, mehr über deren Lebensweise zu erfahren und daraus mein Maturaprojekt zu gestalten», führt er aus.

Also habe er beschlossen, den Fahrenden einen Besuch abzustatten, um zu fragen, ob sie bereit wären, ihm für sein Vorhaben Einblick in ihr Leben zu gewähren. Er gibt zu: «Als ich den Platz betrat, war ich schon nervös. Ich wusste nicht, wie ich aufgenommen würde.» Zunächst habe die Gruppe distanziert reagiert. Der Chef zeigte sich aber bereit, Fragen für das Projekt zu beantworten. «Ich wurde eingeladen, zwei Tage später wieder zu kommen. Dann wurde ich sehr gastfreundlich aufgenommen.»

«Sie sind sehr religiös»

Bereitwillig zeigte der Gruppenchef seinen Wohnwagen, während er sich Zeit für ein ausführliches Gespräch nahm. Dabei erfuhr Till Booz viel über den Alltag der Fahrenden. «Sie sind sehr religiös, der Glaube ist ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens.» Er sei sogar eingeladen worden, an einem Gottesdienst teilzunehmen. «Die Gruppe gehört einer evangelischen Freikirche an und hat eigene Prediger. Der Gottesdienst wurde in ihrer Sprache abgehalten, aber für mich übersetzt. Es war ein interessantes und musikalisches Erlebnis.» Aus der einen Begegnungen wurden mehrere, eine gute Bekanntschaft entstand. Als die Gruppe weiterzog, erhielt Till die Natel-Nummer des Chefs und blieb mit ihm in Kontakt.

Lösungsvorschläge

Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, gehen die Mitglieder des Verbandes unterschiedlichen Tätigkeiten nach. «Viele sind als Hausierer unterwegs, beispielsweise als Messerschleifer oder Tagelöhner. Der Gebrauchtwagenhandel ist auch ein beliebtes Metier. Jeder der Gruppe hat seine Aufgaben. Und sie stehen füreinander ein, wenn es jemandem weniger gut geht.» Diese Formen von Arbeit sind oft mit Vorurteilen belegt, womit die Fahrenden ohnehin häufig konfrontiert werden. Demzufolge sei deren distanziertes Verhalten zu offiziellen Behördenvertretern mitunter nachvollziehbar (Box am Ende).

Die Dorfbewohner beschweren sich häufig wegen der Verschmutzung, die die Fahrenden hinterlassen. Till Booz würde sich als Kulturvermittler eignen: «Für die Verschmutzungen gibt es einen Grund. Männer und Frauen nutzen bei den Roma das WC strikt getrennt, sie dürfen sich gegenseitig nicht sehen, wenn sie eines betreten. Deswegen sind viele in den Wald ausgewichen. Zwei WCs ausserhalb der jeweiligen Sichtweite könnten Abhilfe schaffen.»

Akzeptanz fördern – aber wie?

Wie ein konfliktfreierer Umgang zwischen sesshafter und fahrender Bevölkerung möglich sein könnte, beschäftigt Booz sehr. «Ein Punkt wäre, die Kinder zusammenzubringen. Die sind meist offener als Erwachsene. Positive Erlebnisse lassen Vorurteile gar nicht entstehen.» Sein ehemaliger Primarlehrer schlug ihm vor, Kinder zu den Wohnwagen mitzunehmen, damit sie die andere Kultur kennen lernen. Zum Beispiel beim Fussball: «Sport verbindet.» Der religiöse Aspekt soll auch nicht ausser Acht gelassen werden. «Ich habe eine reformierte Pfarrerin gefragt, ob ein gemeinsamer Gottesdienst möglich wäre. Sie fand den Vorschlag gut. Vielleicht klappt es das nächstes Mal.» Hilfreich könne zudem ein Vortrag sein. «Leider wird das nichts mehr bis zum Abschluss meines Projektes im Januar», bedauert er. «Die Gruppe ist jetzt im Winterlager bei Strassburg.»

Er selbst habe während des Projekts festgestellt, dass auch er nicht frei von Vorurteilen sei. «Ich vermute, jeder hat sie. Es ist aber hilfreich, wenn man sich mit ihnen auseinandersetzt und sie kritisch hinterfragt.»