Seit Ende Mai war es ein gut gehütetes Geheimnis: Der Bremgarter Historiker Fridolin Kurmann soll den ersten Einzelpreis der Kulturstiftung Dora und Dr. Hans Weissenbach erhalten.

Eine längst verdiente Anerkennung. Denn Kurmann prägt das kulturelle Leben in der Stadt seit Jahren wie kein Zweiter: im Kellertheater Bremgarten, gelegentlich als Schauspieler, in der Schodolergesellschaft, die die Neujahrsblätter veröffentlichen und im Stadtmuseum – «und immer alles ehrenamtlich», bemerkte der Laudator und Theaterautor Paul Steinmann an der Preisübergabe treffend. Der Preis ist mit 5000 Franken dotiert.

Nie nur am Rand tätig

Kurmann sei es «weniger schwergefallen», ins Kulturleben der Stadt hineinzukommen, als in der regionalen Historikergilde Fuss zu fassen, betonte Steinmann. Als Mitglied der SP sass Kurmann in der Kulturkommission. «Und als er als Historiker gebeten wurde, sich auch noch um das Stadtmuseum zu kümmern, habe er auch noch diese Aufgabe übernommen – «ehrenamtlich, aber immer zusammen mit anderen. Zuerst mit dem Gedanken: Ich kann ja am Rande mitmachen.»

Das erwies sich als Illusion, denn wo sich Kurmann engagiert, macht er keine halben Sachen. Er, der seit 1999 als freiberuflicher Historiker tätig ist, sparte immer Zeit für Aufgaben, die in der Stadt erfüllt werden mussten. Die Geschichte bestehe nicht nur aus dem Lesen, was früher geschrieben worden sei, sagte Steinmann.

Geschichte heisst Vermitteln und für ein Fachpublikum und auch für Laien schreiben. In der Stadt sei Kurmann eine Auskunftsperson erster Güte. Steinmann erinnerte auch daran, dass Kurmann alte Bücher transkribiere, Familienstammbäume zusammensuche und die Aktion «Texte aus der Schublade» erfolgreich angestossen habe.

Bremgarten habe ein aktives Kulturleben – «trotz der städtischen Kulturpolitik», hob der Laudator hervor. Dort herrsche leider noch die Idee, «dass Kultur Luxus sei». Aber Kurmann habe sich nie entmutigen lassen. Er fahre immer weiter, bis zur nächsten Ausstellung, zum nächsten Buch und zur nächsten Schreibwoche.

Kurmann sage aber in seiner bescheidenen Art, dass er viel von dem habe verwirklichen können, was er machen wollte. Er habe seinen Neigungen folgen können – und dafür sei er dankbar. Als Vertreter der Stifterfamilie erklärte Ferdinand Weissenbach, dass die Familienstiftung seit der Gründung 1993 150'000 Franken für kulturelle Beiträge ausbezahlt habe. Aus dem ersten vergebenen Einzelpreis solle eine Tradition entstehen.

Dankbar für die Unterstützung

Der Preisträger bekannte, dass er die ganze Arbeit nie ohne die Unterstützung seiner Ehefrau Heidi Ehrensperger und seiner vielen Mitstreiter habe leisten können. «Ich mache das alles, weil es mir Freude macht», sagte Kurmann. «Ich bin nicht der grosse Altruist, der leidend und opferbereit für das Wohl der anderen arbeitet.»

Kultur, die indogermanisch «emsiges Drehen und Wenden» heisse, sei ein menschliches Grundbedürfnis – «und damit auch mehr als nur ein Faktor vom Stadtmarketing». Freudig begrüsste auch Markus Locher, Präsident der Familienstiftung, den Preisträger.