Bremgarten
Eine Jugendbande machte das Freiamt unsicher - Täter bekommt keine zweite Chance

In nur zwei Monaten stellte die Jugendbande zwar grossen Schaden im Freiamt an, aber die Beute fiel dafür sehr bescheiden aus. Das Bezirksgericht urteilte dann auch milde und gibt dem Haupttäter eine zweite Chance.

Jörg Baumann
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Das Bezirksgericht Bremgarten urteilte milde und gab dem Haupttäter eine zweite Chance.

Das Bezirksgericht Bremgarten urteilte milde und gab dem Haupttäter eine zweite Chance.

Aargauer Zeitung

Innerhal von nur zwei Monaten stellte eine Jugendbande im Freiamt einen Rekord auf: Ein damals 18-jähriger Portugiese und sein drei Jahre jüngerer Kumpan räumten 23 Autos aus, die alle nicht abgeschlossen waren. Den beiden fielen Wertgegenstände und Bargeld in die Hände. Zudem klauten sie mehrere Autos und Kleinmotorräder für Spritztouren. Dabei machten es ihnen die Besitzer immer wieder leicht: Zündungsschlüssel steckten teilweise im Zündschloss, lagen im Wagen oder wurden an einem Ort aufbewahrt, wo sie die Täter leicht finden konnten.

Kleine Beute, grosser Schaden

Einen gültigen Führerausweis hatte der Portugiese nie. Die Täter waren aber dafür fleissig. Phasenweise hätten sie in einer Nacht aus mehreren unverschlossenen Autos Waren und Geld gestohlen, warf ihnen die Oberstaatsanwältin vor. Der Portugiese sei auch einmal bekifft Auto gefahren und habe zweimal einen Unfall gebaut. Wie durch ein Wunder sei dabei niemand verletzt worden.

Die Täter machten auf ihren Diebestouren keine grosse Beute – «ein paar Fünfliber», meinte Gerichtspräsident Peter Thurnherr sarkastisch. Aber der angerichtete Sachschaden ist enorm: 110 000 Franken. Praktisch wahllos beschädigten die beiden entwendete Autos und dazu eines auf einem Parkplatz, weil der Portugiese mit einem Nebenbuhler eine offene Rechnung begleichen wollte. Einmal verrichtete einer in einem Auto seine Notdurft. «Das verstehe ich gar nicht», sagte Thurnherr und schüttelte den Kopf.

Die Oberstaatsanwältin beantragte für den Portugiesen, der seine Lehre abgebrochen und in seinem Leben noch nie lange gearbeitet hat, eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren und eine Busse von 3000 Franken. Er sei vorbestraft und habe eine grosse kriminelle Energie bewiesen.

Sein Verteidiger fand, mit einer bedingten Geldstrafe von 5460 Franken und einer Busse von 500 Franken sei der Portugiese ausreichend bestraft, zumal er den angerichteten Schaden und die Verfahrenskosten übernehmen müsse. Über die umfangreiche Deliktserie dürfe man sich zu Recht wundern, meinte der Verteidiger. Das seien keine Lausbubenstreiche mehr gewesen. Straffällig wurde sein Mandant schon früh. Er warf Molotowcocktails. Die Jugendanwaltschaft gab ihm mit einer bedingten Haftstrafe eine Chance und stellte ihm einen Begleiter zur Seite. Diesen schüttelte er ab, indem er zu seinem Onkel nach Portugal flüchtete.

Gericht folgt Staatsanwaltschaft

Das Gericht vertrat die Linie der Staatsanwaltschaft und verurteilte den jungen Mann zu zwei Jahren unbedingt und einer Busse von 1000 Franken. Dazu muss er für etliche Zivilforderungen geradestehen und die Verfahrenskosten übernehmen.

«Wären Sie etwas älter, dann hätten Sie glatt drei Jahre Gefängnis kassieren können», erklärte Gerichtspräsident Peter Thurnherr. «Sie sind damals nach Portugal abgehauen, damit Sie nicht in ein Heim eingewiesen werden konnten.» Er habe sich selber um die Chancen in einem Beruf gebracht, weil er sich in der Berufsschule nicht genügend angestrengt habe. Viele seiner Landsleute hätten aber in der Schweiz eine Stelle gefunden – auch ohne Lehrabschluss. Für ihn aber stehe nun auch die Ausweisung im Raum. Der Verurteilte kündigte an: «Ich gehe sowieso zurück nach Portugal.»

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