Hermetschwil

Eine Jubiläums-Serenade mit zweijähriger Verspätung

Die Serenade im Klosterhof markierte den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 850-jährigen Jubiläum. Gemeindeammann Roger Heiss freute sich, den Anlass eröffnen zu können und erklärte auch, weshalb Hermetschwil eigentlich zu spät feiert.

Die Wolken hingen bedrohlich tief über dem festlich geschmückten Klosterhof im Kloster St. Martin. Es schien, als wolle Petrus den Hermetschwilern einen Strich durch ihre Jubiläums-Feier ziehen. Beeindrucken liess sich die versammelte Dorfgemeinde aber nicht.

Schliesslich feiert man nicht jedes Jahr ein Jubiläum wie das 850-jährige Bestehen seiner Wohngemeinde, und von ein paar Gewitterwolken wollte man sich die Stimmung nicht verderben lassen. Das OK verteilte Pellerinen an die geladenen Gäste, der Apéro wurde mehrheitlich unter Regenschirmen eingenommen. Pünktlich zum Auftakt der Serenade brach die Sonne durch. Der Höhepunkt des Hermetschwiler Festjahres startete doch noch «unter heiterem Himmel».

Fusionsentscheid am 15. Dezember

Gemeindeammann Roger Heiss freute sich sichtlich, den Anlass unter diesem guten Vorzeichen eröffnen zu können und setzte in seiner Ansprache gleich zu einer Erklärung an: «Hermetschwil tauchte 1159 zum ersten Mal als Dorfgemeinde in einem schriftlichen Dokument auf. Wer jetzt nachrechnet merkt, dass wir mit unserem 850-Jahre Jubiläum der Geschichte zwei Jahre hinterher hinken.» Als es 1959 darum ging, eine 800-Jahr Feier auf die Beine zu stellen, hätte den Hermetschwilern schlicht ein geeignetes Lokal gefehlt, erklärte Heiss.

Zudem habe die Musikgesellschaft im benachbarten Bremgarten Auftritte zu bestreiten. Man habe sich daher kurzerhand entschlossen, die 800-Jahr-Feier auf 1961 zu verschieben. «Und so kommt es, dass wir erst am 852. Geburtstag unserer Gemeinde auf das 850-jährige Jubiläum anstossen können.» Roger Heiss sprach die rasanten Entwicklungen an, die das Dorf in der Zwischenzeit durchlaufen habe. Am 15. Dezember dieses Jahres entscheidet die Gemeinde über die Fusion mit Bremgarten. Auch damit wären einige Veränderungen für die Dorfbevölkerung verbunden. «Wie immer wir uns entscheiden; Hermetschwil-Staffeln soll ein lebendiger Ort bleiben, ein Ort, in dem wir uns sicher und wohl fühlen können», so Heiss.

«Dorfidentität auch bei Fusion»

Landammann Urs Hofmann, der der Einladung der Hermetschwiler folgte und an der Serenade im Klosterhof teilnahm, ermutigte die Hermetschwiler in seiner Grussbotschaft zur Diskussion darüber, welcher Entscheid der Gemeinde die beste Zukunft biete. «Ein Zusammenschluss von Hermetschwil-Staffeln mit der Nachbargemeinde Bremgarten ist nicht gleichbedeutend mit der Aufgabe der eigenen Dorfidentität und des Zusammengehörigkeitsgefühls», betonte Hoffmann und verwies als Beispiel auf die gelungene Fusion von fünf Aargauer Gemeinden im Mettauertal.

Hermetschwil sei eine historisch gewachsene, moderne Gemeinde, die sich sowohl als eigenständiges Dorf als auch als «selbstbewusster Stadtteil von Bremgarten» erfolgreich entwickeln könne. «Sorgen sie sich in jedem Fall weiter um eine starke Dorfgemeinschaft. Diese Gemeinschaft ist es, die das Leben in unseren Aargauer Gemeinden so lebenswert macht», schloss Hofmann.

Serenade mit Starbesetzung

Für die musikalischen Höhepunkte der Jubiläums-Serenade sorgte die Musikgesellschaft Hermetschwil-Staffeln, die von der Pratteler Dalhousie Pipe Band unterstützt wurde. Dudelsäcke und Dorfmusikanten; eine gewagte Kombination, die mit Klanggewalt und vielseitigen Arrangements aber auf ganzer Linie überzeugte. Als Stargast holte das OK Noëmie Nadelmann in den Klosterhof. Die Schweizer Sängerin begeisterte mit ihrem Charme und dem mitgereisten Gesangsensemble. Der Orchesterverein Dottikon rundete die Serenade am späten Abend würdig ab.

Die Jubiläums-Serenade in Hermetschwil-Staffeln ist geglückt. Dass sie - wenn mans genau nimmt - mit zwei Jahren Verspätung über die Bühne ging, schien dabei niemanden wirklich zu stören.

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