Bremgarten
"Eine Frau ist kein Selbstbedienungsladen": Vergewaltiger schuldig gesprochen

Er sagte, es sei einvernehmlicher Sex gewesen, das Bezirksgericht Bremgarten sah das anders: Ein kosovarischer Vergewaltiger erhielt eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 3 Jahren.

Walter Christen
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Vor dem Bezirksgericht Bremgarten musste sich ein 20-jähriger Kosovare wegen Vergewaltigung verantworten.

Vor dem Bezirksgericht Bremgarten musste sich ein 20-jähriger Kosovare wegen Vergewaltigung verantworten.

Screenshot SRF

Die einmalige Begegnung zwischen Hazir und Eva (Namen geändert) nahm ihren Anfang an einem Oktoberabend 2015 in seinem Auto und fand auf einem abgelegenen Parkplatz ein jähes Ende. Die 16-Jährige zeigte den 20-jährigen Kosovaren wegen Vergewaltigung an. Das Bezirksgericht Bremgarten verhängte gegen den Beschuldigten eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 3 Jahren, davon 1 Jahr unbedingt und 2 Jahre bedingt, bei einer Probezeit von 3 Jahren. Der Verurteilte kann Halbgefangenschaft beantragen.

Hazirs Kollege wollte Eva nach einem Konzert treffen. Also holten sie die junge Dame mit dem Auto ab. Nachdem sie ein Stück gefahren waren, legten sie eine Pause ein und Hazir rauchte einen Marihuana-Joint. Daraufhin verabschiedete sich der Kollege und Hazir steuerte seinen Wagen lange nach Mitternacht auf den erwähnten Parkplatz, wo er abermals einen Joint rauchte. Er unterhielt sich mit Eva im Auto und sie konsumierten dabei mehrere alkoholische Getränke.

Mehr als Küsse

Dabei sank Hazirs Hemmschwelle. Er begann, Eva zu küssen. Sie blieb aber distanziert und sagte, dass sie müde sei und nach Hause möchte. Doch Hazir meinte, er könne noch nicht fahren. So zog sich die müde Eva auf die Rückbank des Kleinwagens zurück. Hazir legte sich kurzerhand zu ihr. Dabei begann er wieder, sie zu küssen und unter den Kleidern zu berühren. Sie gab ihm unmissverständlich zu verstehen, dass sie das nicht möchte und er seine Hände von ihr lassen solle.

Erfolglos: Hazir begann, Eva zu entkleiden. Schliesslich entblösste auch er sich, drehte Eva auf den Bauch und legte sich auf sie. Sie bat Hazir, aufzuhören und versuchte, sich bei den engen Platzverhältnissen, so gut es eben ging, zu wehren und ihn wegzustossen. Sie war ihrem Begleiter jedoch körperlich und aufgrund ihres alkoholisierten Zustandes unterlegen. Nachdem es zwischen den beiden zum sexuellen Kontakt gekommen war, gelang es Eva schliesslich, das Auto zu verlassen. Hazir folgte ihr und versprach, sie nach Hause zu fahren. Da Eva nicht wusste, wo sie sich befand, willigte sie ein.

«Einvernehmlicher Sex»

Selbst vor Gericht war der Angeklagte bei der Befragung durch Präsident Raimond Corboz noch immer davon überzeugt: «Wir hatten einvernehmlichen Sex. Ich habe zu keinem Zeitpunkt Gewalt angewendet. Sie hat freiwillig mitgemacht.»

Das jedoch sah die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten anders. Die Aussage des Angeklagten sei eine reine Schutzbehauptung. Seine Handlungen seien geprägt gewesen von Egoismus, Respektlosigkeit und Machtausübung.

Vor Gericht wurde Eva unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt. Die Verteidigerin von Hazir hielt fest, die Angaben der Klägerin seien unglaubwürdig. Nur weil sie müde war, hätte sie sich nicht auf die Rückbank gelegt. Ausserdem sei es ihr jederzeit möglich gewesen, aus dem Auto zu steigen.

In seinem Urteil blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine unbedingte Freiheitsstrafe von 4 Jahren gefordert hatte. Dem Angeklagten schärfte Gerichtspräsident Corboz mit Nachdruck ein: «Eine Frau ist kein Selbstbedienungsladen.»