«Am einfachsten und wirtschaftlichsten wäre es wohl gewesen, das Restaurant Bauernhof aufzugeben und an dieser optimalen Lage neuen Wohnraum zu realisieren», sagt Christoph Hagenbuch, Enkel der letzten «Bauernhof»-Wirtin.

Seine Familie hat sich für die aufwendigere und teurere Variante entschieden. Die Traditionsbeiz bleibt bestehen, und sie ist mit zusätzlichen Lokalitäten und Gästezimmern sogar ausgebaut worden.

Das Dorf wird es danken. Nicht nur, weil es nach der Rotisserie Kellerämterhof, die für immer geschlossen hat, ein neues schmuckes Lokal in Oberlunkhofen gibt und acht Hotelzimmer dazu. Sondern vor allem, weil mit dem «Bauernhof» eine markante Liegenschaft in ihrer ursprünglichen Form bestehen bleibt und das Ortsbild prägt.

Stammsitz der Hagenbuchs

Der «Bauernhof» ist seit je im Besitz der Familie Hagenbuch, die während der Reformationszeit von Zürich ins Kelleramt gezogen ist. Gebaut wurde das Haus ursprünglich für den damaligen Gemeindeschreiber Johann Hagenbuch. Deshalb auch der Familien-Zuname «s’Schribers», der sich bis heute erhalten hat.

1854 wurde eine Eigengewächswirtschaft angemeldet, und seither wird hier auch gewirtet. Es war stets ein Nebenerwerb zur Landwirtschaft und ein beliebter Treffpunkt. Die Metzgete war regional bekannt und die ältere Generation schwärmt bis heute von der legendären Uslumpete am Fasnachtsdienstag.

Das Ehepaar Johann und Theresia Hagenbuch-Strebel wirtete mit Schwester und Schwägerin Anni Hagenbuch bis ins hohe Alter, weil von den Nachkommen (vorerst) niemand Interesse an diesem Geschäftszweig zeigte. Theresia Hagenbuch hat ihre Stammgäste zum letzten Mal am 21. Oktober 2011 bewirtet, am Abend vor ihrem Tod.

Wert auf Wiedererkennungswert

Regie geführt hat beim Um- und Ausbau Roger Rüegsegger von der Schaufelbühl Architekten GmbH in Bremgarten: «Mein Ziel war es, mit den alten Strukturen möglichst sorgfältig umzugehen und die Liegenschaft so umzubauen, dass man sie danach auch im Innern wiedererkennt», erklärt er.

Weil das Gebäude unter Substanz- und Ortsbildschutz steht, waren verschiedene Auflagen zu berücksichtigen, was das Unternehmen nicht vereinfachte. Ein grosses Kompliment macht Rüegsegger der Familie Hagenbuch: «Ihnen war es ein grosses Anliegen, das Haus mit seiner Geschichte der Nachwelt zu erhalten. Dafür waren sie auch bereit, etwas mehr Geld zu investieren und die Wirtschaftlichkeit nicht über alles zu stellen.»

So wurden im 170 Jahre alten Haus nicht nur die ursprüngliche Raumaufteilung mit dem breiten Gang, welcher das Haus im Erdgeschoss sowie im ersten und zweiten Obergeschoss prägt, beibehalten, sondern auch grosse Teile der Inneneinrichtung saniert.

Man findet die alten Kassettenwände und -decken, die alten Türen und das historische Dachgebälk. Kunstvoll restaurierte Truhen, Schränke und Stühle sind ebenso Teil der modernen Inneneinrichtung wie Milchbränten und andere alte Utensilien aus dem Landwirtschaftsbetrieb, da und dort steht gar eine Kirschflasche vom Hof, auf dem bis heute klare Wässerchen gebrannt werden.

Einst waren im Untergeschoss ein Gewölbekeller, wo die Mostfässer und das Gemüse gelagert wurden, im Erdgeschoss die unterteilbare Gaststube und die Küche sowie im ersten Obergeschoss der Wohnraum für den bäuerlichen Mehrgenerationenhaushalt und die Angestellten. Der Estrich diente als Grümpelkammer.

Neu findet sich im ehemals dunklen und feuchten Keller eine lange Tafel mit 38 Plätzen, daneben, im deutlich erweiterten Untergeschoss, eine Bar mit Lounge für Gesellschaften von 10 bis 50 Personen. Im Erdgeschoss präsentiert sich die Gaststube fast so wie früher, jedoch zeitgemäss eingerichtet.

Bar und Lounge im Keller.

Bar und Lounge im Keller.

Aus den früheren drei kleinen Räumen ist einer geworden, ein Säli lässt sich mit der Gaststube verbinden, sodass in dieser bis zu 60 Personen Platz finden. In der ehemaligen Wohnstube ist unter Einbezug des originalen Kachelofens ein schmuckes Stübli für 20 bis 25 Personen entstanden. Beheizt wird der Kachelofen aus der sanierten und vergrösserten Küche mit dem gleichen Tiba-Herd wie vor dem Umbau.

Hotelzimmer mit Charakter

Im ersten Obergeschoss sind links und rechts des langen Ganges sechs Hotelzimmer eingerichtet worden, denen alte Balken, Türen, Schränke und Einrichtungsgegenstände einen besonderen Charakter verleihen. Im zweiten Obergeschoss sind zwei weitere Hotelzimmer mit Kochnische entstanden sowie eine Maisonette-Wohnung für die Hausherren Marlies und Hans Hagenbuch.

Blick in eines der Hotelzimmer.

Blick in eines der Hotelzimmer.

Der Betrieb ist ab September geöffnet, die Restauration vorerst nur in beschränktem Umfang. Von Montag bis Freitag gibt es ab September von 8 bis 10 Uhr täglich ein Handwerker-Znüni und am Freitagnachmittag Kaffee und Kuchen. Am Freitagabend wird ein Mehrgangmenü serviert, aus dem man sich auch nur einzelne Gänge aussuchen kann. Für Gruppen und Gesellschaften ab zehn Personen öffnet der Betrieb nach Vereinbarung.

Familienbetrieb durch und durch

Der «Bauernhof» ist und bleibt ein Familienbetrieb: Mutter Marlies und Sohn Andreas Hagenbuch führen zusammen den Betrieb. Beide haben die Wirteprüfung absolviert und der gelernte Bäcker/Konditor Andreas sich zum Koch weitergebildet.

Sie werden unterstützt von Vater Hans Hagenbuch sowie den weiteren Söhnen und Töchtern Christoph, Gabriela und Barbara und ihren Partnern und Partnerinnen. So ist auch Andis Freundin Martina mit im Boot, eine gelernte Konditorin.

Andi und Martina betreuen zudem den Hofladen, der in der alten Scheune eingerichtet worden ist. Hier wird auch für das Restaurant «eingekauft». «Unser Ziel ist es, im ‹Restaurant zum Bauernhof› die Erzeugnisse vom eigenen Landwirtschaftsbetrieb verarbeiten zu können. Vorab werden das Eier, Früchte, Most und Spirituosen sein, später auch Fleisch und weitere Hofgewächse. Dass wir für unseren Gastrobetrieb wenn immer möglich regionale Produkte einkaufen, ist sowieso selbstverständlich», sagt Christoph Hagenbuch.