Wohlen

Eine ehemalige Schülerin sucht in der Halde nach Spuren von einst

Zwei Drittschulklassen werden seit diesem Jahr in der Lernlandschaft am Oberdorfweg in Wohlen unterrichtet.

Zwei Drittschulklassen werden seit diesem Jahr in der Lernlandschaft am Oberdorfweg in Wohlen unterrichtet.

Unter den Eltern an der Besuchswoche an der Bezirksschule Halde tummelt sich auch eine ehemalige Schülerin. Nicht nur der Klang der Pausenglocke ist neu.

Die Pausenglocke ist richtig wohltuend. Ein schöner Dreiklang. Wie oft hat mich doch das schrille Gebimmel vor 15 Jahren brutal aus meinen Tagträumen gerissen. Langsam schlendern Schüler und Lehrer aus den Klassenzimmern zum Ausgang. Das ist noch wie einst im März.

Heute sind auch Eltern darunter. Die Bezirksschule Wohlen hat zu Tagen der offenen Türen geladen und bietet Einblick in den heutigen Schulalltag. Im Eingangsbereich hat der Elternrat – der ist für mich so neu wie die Pausenglocke – einen Treffpunkt eingerichtet. Hier verwöhnt er die Besucherinnen und Besucher mit Kaffee und Kuchen; sie können sich dabei über die laufenden Projekte näher informieren und austauschen.

Eines dieser Projekte ist das «Halden Znüni». Es soll die Schüler für gesunde Ernährung sensibilisieren. Den Pausenbäcker mit seiner Brötlikiste, den wir auf dem Pausenplatz jeweils sehnsüchtig erwarteten, gibt es nicht mehr. Weissbrötli und Gipfeli sind Äpfeln und Vollkornbrötli gewichen.

Neu gibt es auch einen Veloflickkurs und Infos zum Thema Velohelm. Auch wir kamen schon mit dem Fahrrad in die Schule, bei uns durften aber die langen Haare noch frei im Wind wehen. Das Thema «Sicherheit auf der Strasse» ist dem Elternrat überhaupt ein grosses Anliegen. Noch nicht trendy waren zu meiner Zeit Kickboards. Heute gibt es in der Schule dafür sogar einen eigenen Parkplatz.

Drei Jahrgänge und mehr Schüler

In der Pause treffe ich auf meine ehemaligen Musik- und Deutschlehrer. Wie ich erfahre, sind alle meine anderen Lehrer bereits pensioniert. Dafür stosse ich auf einen früheren Mitschüler, der in die Lehrergilde nachgerückt ist. Er unterrichtet Deutsch und Englisch.

Meine ehemaligen Lehrer sind pensioniert, meine damaligen Mitschüler erwachsen geworden und die Schule noch grösser: «Heute besuchen 382 Schüler die Bezirksschule, auf 17 Schulklassen und drei Jahrgänge verteilt», sagt Schulleiter, Paul Bitschnau. Das sind deutlich mehr als im Jahr 2000.

Damals waren es mit 403 Schülern zahlenmässig zwar mehr. Doch die Oberstufe umfasste noch vier Jahrgänge und nicht drei wie heute. Zudem waren die Klassen der vier Jahrgänge deutlich kleiner.

Farbig und vielseitig

Die Aargauer Schulreform mit der Umstellung auf das System 6/3 (6 Jahre Primarschule und 3 Jahre Oberstufe) ist die grösste Veränderung seit meiner Schulzeit vor 15 Jahren, aber bei weitem nicht die einzige Umwälzung, die die Bezirksschule Wohlen mitgemacht hat. Die einst braunen Holzbänke in den Schulgängen strahlen heute in unterschiedlichen Farben und ebenso farbig ist der Stundenplan geworden.

Mir fallen auf: «Aktuelle Geschichte», «Ethik und Religion», «Conversation française» und «Schülerzeitung». Die unbekannten Bezeichnungen machen mich neugierig. «Es sind mehrheitlich neu geschaffene Wahlfächer. Ausser ‹Ethik und Religion›, das ist ein Pflichtfach», erklärt der Schulleiter. Zudem verfügt die Bezirksschule Wohlen als eine der wenigen in der Region über eine Schülerzeitung, die «Bez Times». Rund 20 Schüler sind im Redaktionsteam, das Lehrer Peter Feurer unterstützt.

Die alte Schulaula ist zum Kindergarten umfunktioniert und am Oberdorfweg sind neue Schulräume dazu gemietet worden. Es gibt jedoch nicht nur neue Räume, sondern auch neue Lernformen. Zum Beispiel die «Lernlandschaft». Für mich ein unbekanntes Territorium. Zwei Drittschulklassen werden einige Stunden pro Woche im selbstständigen und reflektierten Lernen gefördert.

«Lernen ist individuell», sagt Mischa Plaukovits, der den Pilotversuch betreut. Die Schüler gestalten ihre Arbeitsplätze im Grossraum individuell. In den Inputlektionen erhalten sie den Lernstoff vom Lehrer vermittelt und vertiefen diesen anschliessend selbstständig oder in Gruppen.

Den Ort dafür können sie nach ihren persönlichen Bedürfnissen frei wählen. Schüler sitzen im Schulgang, in der Leseecke oder in den Gesprächs- und Partnerarbeitsräumen. Auch das Lerntempo ist individuell. Ihren Lernprozess reflektieren sie im Logbuch. Dabei werden sie von Lehrpersonen und Eltern betreut.

Traditionen rosten nicht

Fazit nach dem zweistündigen Rundgang: Die Bezirksschule hat sich entwickelt und ist vielseitiger geworden. Nicht nur die Neuerungen fallen auf. Es gibt auch noch einige alte Traditionen. Der unverwüstliche Adrian Heimgartner leitet bis heute die Konzertprojekte, die in der ganzen Region bekannt sind. Im April startet die nächste Konzertreihe: «Music is my Life».

Mein Blick schweift über die Konzertplakate an der Wand des Schulzimmerleiters. Eines sticht besonders hervor: das Musical «Piraten» von 1997. «Während der ganzen Frühlingsferien haben Schüler und Lehrer damals in den Räumen der Firma Fisher Scientific geprobt. Es war eine tolle Zeit», erinnert sich Paul Bitschnau. Tatsächlich!

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