Villmergen

Eine Dorfpublikation macht dicht: Was folgt auf die «Villmerger Zeitung»?

Mit der «Villmerger Zeitung» ist es ab morgen aus und vorbei.

Mit der «Villmerger Zeitung» ist es ab morgen aus und vorbei.

Die gesprochenen 50000 Franken können nicht für mögliche Folgepublikationen eingesetzt werden, bestätigt die Gemeinde. Was passiert nun mit dem Geld?

Morgen erscheint die letzte «Villmerger Zeitung». Danach ist das Blatt, das drei Jahre lang an alle Haushalte verteilt wurde, Geschichte. Die Einnahmen wollten nicht fliessen, und die Gemeindeversammlung lehnte eine Erhöhung der jährlichen Unterstützungsgelder von 25 000 auf 155 000 Franken ab (die az berichtete). Einer Verdoppelung auf 50 000 Franken hätten die Einwohner noch zugestimmt, doch hilft das der Zeitung nicht, ihre Existenz zu sichern.

Aber was passiert nun mit dem Geld? Das Villmerger Stimmvolk, die meisten Parteien und vor allem der Gemeinderat hielten 50 000 Franken angemessen als Unterstützung einer dorfeigenen Wochenzeitung. Entgegen der Meinung der bisherigen Zeitungsmacher hielten sie es für möglich, damit ein Dorfblatt zu bestreiten. Könnte das denn nun ein anderer machen? Weniger professionell, schwarz-weiss statt vierfarbig und weg vom Hochglanz-Papier?

Nein, sagt Markus Meier, Geschäftsführer der Gemeinde Villmergen: «Die 50 000 Franken sind zweckgebunden. Die Einwohnergemeinde hat sie für die Villmerger Medien AG gesprochen. Wenn nun jemand anderes zu diesem Preis eine Dorfzeitung machen möchte, muss er einen neuen Antrag an die Gemeindeversammlung stellen.» Gerüchte sind laut im Dorf, dass sich das allenfalls einige Leute überlegen. Doch offen nimmt dazu noch niemand Stellung. Auch Gemeindeammann Ueli Lütolf sagt gegenüber der az: «Dem Gemeinderat ist offiziell keine solche Meldung bekannt.»

Amtliches Publikationsorgan

Mit der Einstellung der «Villmerger Zeitung» verliert die Gemeinde aber auch ihr amtliches Publikationsorgan. In der Gemeindeordnung ist festgehalten, dass «Veröffentlichungen der Gemeinde in einem vom Gemeinderat bezeichneten Publikationsorgan zu erfolgen» haben. «Weil dafür verschiedene Überlegungen notwendig sind, hat sich der Gemeinderat nach erfolgten rechtlichen Abklärungen und als Übergangslösung dazu entschlossen, auf der Gemeindewebsite eine Rubrik ‹Amtliche Publikationen der Gemeinde› aufzuschalten. Zusätzlich sind die amtlichen Bekanntmachungen wie bisher im Anschlagkasten veröffentlicht», erklärt Markus Meier. Voraussichtlich bis Ende Jahr soll dann eine neue Lösung gefunden sein. «Wir müssen aber erst alles rechtlich abklären.»

Redaktorinnen suchen Stellen

Und was macht die Redaktion der «Villmerger Zeitung» jetzt, wo die letzte Ausgabe produziert ist? «Es waren schwierige Wochen und wir sind natürlich traurig», sagt Redaktionsleiterin Therry Landis. «Ich glaube, wir haben vier Jahre lang einen sauberen Job gemacht, und so wollen wir auch aufhören.» Traurig findet sie, «dass wir etwa vier Seiten voller Ideen hätten, aus denen Artikel hätten entstehen können».

Die «Villmerger Zeitung» habe das Dorf näher zusammengebracht, glaubt sie. «Durch uns haben alle erfahren, was wann wo läuft. Beispielsweise haben Anlässe der Bibliothek viel mehr Publikum gefunden, seit man darüber vorab in der VZ lesen konnte. Das fällt nun weg.» Als Villmergerin würde sie sich freuen, wenn jemand anderes diese Arbeit wieder aufnehmen würde.

Die Redaktorinnen und Redaktoren suchen nun neue Stellen. Landis und Redaktor Philipp Indermühle arbeiteten je in einem 40-Prozent-, Redaktorin Ursula Huber in einem 20-Prozent-Pensum. Daneben waren Gisela Koch (20 Prozent) für die Administration und Nicole Sprüngli (25 Prozent) als Polygrafin fürs Layout zuständig. Landis sucht aber keinen Job mehr im Journalismus: «Es hat mir sehr gut gefallen, aber das habe ich nur für unser Dorf gemacht.»

Zum Schluss dankt der Gemeinderat dem Verwaltungsrat und den Redaktorinnen und Redaktoren in den Gemeindenachrichten «für die Produzierung der während drei Jahren ansprechend gestalteten, vielseitigen und informativen Wochenzeitung».

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