Eine über die Kantonsgrenzen hinaus bekannte und beliebte Metzgerei geht für immer zu: Nach 36 Jahren erfolgreicher Geschäftstätigkeit schliessen Pius und Ruth Balmer ihren Traditionsbetrieb auf Ende September. Grund: Es konnte trotz grossen Anstrengungen keine geeignete Nachfolge gefunden werden. «Der Schritt in die Selbstständigkeit ist nicht mehr so attraktiv», stellt der Metzger, der als einer der Wenigen noch selber schlachtet, fest. Das Restaurant Balmer gleich nebenan bleibt wie gewohnt geöffnet.

Pius Balmer hat die Metzgerei in Abtwil 1982 von seinem Vater übernommen und zusammen mit seiner Frau Ruth mit grossem Erfolg weiter ausgebaut. Sie beschäftigen heute 25 Leute, was gegen 20 Vollzeitstellen entspricht. Viele davon sind langjährige Mitarbeitende. Die beiden Cousins Hugo und Gerhard Balmer widmeten sich der Wursterei. «Wir sind eigentlich wie eine grosse Familie, alle haben zum Erfolg beigetragen.» Die Qualität der Abtwiler Metzgerei hat sich schnell herumgesprochen: «Pro Jahr zählen wir rund 32 000 Kundinnen und Kunden im Laden», freuen sich die beiden. In der Vorweihnachtszeit können es schon einmal gegen 600 an einem Tag sein. «Wir haben Kundschaft aus einer grossen Region – vom Mutschellen genauso wie aus dem luzernischen Seetal oder dem angrenzenden Kanton Zug.» Balmers haben ihre Arbeit mit Freude gemacht. «Wir haben viel Schönes und Lustiges erlebt.»

Fast rund um die Uhr

Vielleicht ist es die Arbeitsbelastung, die junge Metzger davon abhält, die Metzgerei Balmer zu übernehmen. Pius und Ruth Balmer haben sich fast rund um die Uhr für ihren Betrieb engagiert, unter anderem einen Party-Service aufgezogen und jeweils für 15 bis 1000 Personen gekocht. Sie haben sozusagen dafür gelebt, das Vertrauen der Kundschaft jederzeit zu rechtfertigen. «Die beruflichen Anforderungen sind heute sehr hoch, und die Vorschriften streng geworden», sagt Balmer. «Möglicherweise schreckt diese Kombination jüngere Berufsleute ab, in die Selbstständigkeit einzusteigen.» Trotz hoher Arbeitsbelastung und enormer zeitlicher Präsenz hat das Ehepaar ihr Geschäft während 36 Jahren gerne geführt. Mit der Schliessung des Betriebes werden einige Mitarbeitende, vor allem im Teilzeitbereich, ebenfalls aufhören zu arbeiten. Für die anderen hat Balmer keine Befürchtungen: «Für die meisten wird es kein Problem sein, einen neuen Job zu finden – so gut, wie sie sind.»

Endlich Zeit für sich, endlich keine Verpflichtungen mehr – Balmers freuen sich auf die Zeit danach, obwohl oder gerade weil sie noch nicht ganz im Pensionsalter sind. Befürchtungen, ohne ihr Geschäft in ein Loch zu fallen, haben beide nicht. «Es geht ein Lebensabschnitt zu Ende, das ist normal. Und wir freuen uns auf den kommenden», unterstreicht Pius Balmer, leidenschaftlicher Jäger, der ab Herbst vermehrt in seinem Jagdrevier anzutreffen sein wird. Und abgesehen davon: «Wir sind seit 42 Jahren zusammen, wir kommen miteinander gut zuschlage», lachen sie.