Wohlen

Eine Bio-Zertifizierung kostet zu viel – helfen tut ein Schmetterling

Die Inhaberinnen des Jakaranda-Teelädelis: Melanie Vock und ihre Mutter Eveline Vock-Notter.

Die Inhaberinnen des Jakaranda-Teelädelis: Melanie Vock und ihre Mutter Eveline Vock-Notter.

Die Kosten für ein Biolabel sind für das Wohler Teehaus Jacaranda zu hoch. Die beiden Inhaberinnen wissen sich aber kreativ zu helfen.

Es riecht würzig im Jacaranda. In der kalten, grauen Jahreszeit fühlt man sich wohlig und fast schon weihnachtlich eingehüllt in die feinen Düfte. Das Wohler Teehaus von Eveline Vock-Notter und ihrer Tochter Melanie Vock ist beliebt.

Die Kunden suchen und finden hier alles, vom ostasiatischen Grüntee über Schwarztee-Spezialitäten bis zu Alpenkräutern und Brennnesseltees – und natürlich Mischungen aus allem. Rund 450 Sorten sind es, je nach Jahreszeit anders zusammengestellt. Und selbstverständlich kommen auch die Bio-Kunden nicht zu kurz.

Rund 80 Sorten sind es, die in EU-Bionorm über den Ladentisch gehen. Oder besser gesagt: gingen. Jacaranda verkauft nichts mehr unter dem Bio-Label. Doch keine Sorge: Bio-Kunden müssen sich keinen anderen StammTeeladen suchen. «Wir verkaufen schon noch Bio, nur nicht mehr unter diesem Namen», erklärt Eveline Vock.

Kosten fürs Bio-Label sind realitätsfremd

Im Oktober haben die beiden Teespezialistinnen ein Infoschreiben an ihre Kundschaft verschickt. «Gemäss den Bestimmungen und Verordnungen des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit der Schweiz betreffend die Zertifizierung und Kontrolle der Schweizerischen Bio-Verordnung dürfen wir ohne jährliche Kontrolle keine Bio-Produkte mit dem Bio-Suisse-Label verkaufen», wurde dort erklärt

Das ist allerdings noch nicht das Problem. «Grundsätzlich finden wir solche Kontrollen sehr gut, wir werden ebenfalls etwa viermal pro Jahr vom Lebensmittelinspektorat und verschiedenen anderen Fachstellen kontrolliert. Das gibt uns und unseren Kunden Sicherheit», hält Vock fest. «Und dass wir, wenn es eben gesetzlich so vorgeschrieben wird, das Bio-Zertifikat erwerben, wäre für uns ebenfalls sinnvoll.»

Das Problem ist finanzieller Natur. «Die entstehenden Kosten, um das Bio-Label der Schweiz zu erhalten, sind für unser Teefachgeschäft realitätsfremd», heisst es weiter im Schreiben. Eveline Vock erklärt: «Wir haben uns bei der entsprechenden Stelle informiert. Dort sagte man uns, eine Kontrolle koste rund 800 bis 1000 Franken pro Stunde. Man konnte uns aber nicht sagen, wie lange eine solche Kontrolle dauern würde. So geht das doch nicht.»

Die Mehrkosten sollten sie an die Kundschaft weiterverrechnen, erhielt sie zur Antwort. «Aber in einem so kleinen Laden ist das doch unzumutbar. Ich würde es verstehen, wenn man prozentual zum Umsatz des Geschäfts einen Preis festlegen würde. So hätten auch die kleinen Läden eine Chance.» Ein Mail, das sie an die zuständige Fachstelle der Bio-Inspecta geschickt hat, wurde gar nicht beantwortet. «Wir fühlen uns nicht ernst genommen», sagen Mutter und Tochter.

Kunden haben Verständnis für die Speziallösung

Darum haben sich die beiden Wohlerinnen selbst eine Lösung ausgedacht. «Da wir nicht mehrere tausend Franken für eine Biozertifizierung ausgeben können, haben wir ein eigenes Label erfunden.»

Im Infoschreiben heisst es: «In Zukunft werden wir weiterhin den qualitativ hochstehenden Tee unserer Lieferanten, welche mit nachgewiesenen Bio-Vorschriften der EU zertifiziert sind, in unserem Verkaufsladen sowie im Online-Shop verkaufen, jedoch ohne den Vermerk ‹Bio›. Dafür mit einem von uns intern erstellten Hinweis kennzeichnen (Foto eines Schmetterlings).»

Gerne zeigen sie interessierten Kunden die Originalverpackung und das Bio-Zertifikat des Lieferanten. «Wir haben das mittlerweile vielen Kunden erklärt, alle haben Verständnis für uns.» Ob diese Lösung von Dauer sein wird oder die beiden Frauen bald wieder einen neuen Bio-Anlauf nehmen, können sie noch nicht sagen. Im Moment fahren sie gut mit ihrem Schmetterling. Ausserdem steht Weihnachten vor der Tür – da haben sie genug anderes zu tun.

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