Region
Eine Anleitung für den Waldbesuch – was die Freiämter Förster vom neuen Wald-Knigge halten

20 Organisationen aus der Schweiz haben gemeinsam den Wald-Knigge erstellt und darin zehn Tipps für einen respektvollen Waldbesuch zusammengestellt. Im neuen Wald-Knigge werden die Regeln auf humorvolle Weise erklärt – die Freiämter Förster freut das.

Verena Schmidtke
Merken
Drucken
Teilen
Auf humorvolle Weise will der Wald-Knigge die Regeln aufzeigen. Verena Schmidtke

Auf humorvolle Weise will der Wald-Knigge die Regeln aufzeigen. Verena Schmidtke

Verena Schmidtke

Der Frühlingsanfang könnte kaum schöner sein. Die Sonne strahlt, die Vögel zwitschern, die Temperaturen klettern höher und höher. Jetzt will man hinaus, egal ob zu Fuss oder mit dem Fahrrad, Hauptsache raus. Gerade der Wald ist ein beliebter Ort für Spaziergänger, Jogger, Velofahrer und Reiter.

Doch nicht immer verhalten sich alle im Wald so, sie es sollten. Viele wissen vielleicht gar nicht so genau, was man darf und was nicht? Meistens erkennt man mit gesundem Menschenverstand bereits die wichtigsten Eckpunkte. Für alles andere gibt es seit wenigen Monaten einen Wald-Knigge, der nicht nur spannend zu lesen ist, sondern auch mit Cartoons auf humorvolle Art in ein wichtiges Thema einführt.

Revierförster im Forstbetrieb Wagenrain Leonz Küng: «Wenn die Leute abseits der Wege gehen, scheuchen sie das Wild auf. Ausserdem behindern sie uns bei unserer Arbeit im Forst.»

Revierförster im Forstbetrieb Wagenrain Leonz Küng: «Wenn die Leute abseits der Wege gehen, scheuchen sie das Wild auf. Ausserdem behindern sie uns bei unserer Arbeit im Forst.»

Wolfgang Rytz

Wie es sich für gute Gastgeber gehört, begrüssen die zahlreichen Waldbewohner im Knigge ihre Besucher höchstpersönlich. Cartoonist Max Spring lässt Hirsch, Fuchs und Hase freundlich lächelnd ein Willkommensschild hochhalten, im kurzen Text darunter wird darum gebeten, die Bestimmungen einzuhalten. Das ist im Grunde gar nicht so schwer. Die Arbeitsgemeinschaft für den Wald hat zehn Verhaltenstipps erarbeitet – und sie hat im Wald-Knigge auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet.

Stattdessen steckt in den Illustrationen eine grosse Prise Humor. Sehr aussagekräftig ist beispielsweise die Seite, auf der sich erschrockene kleine Tiere nicht vor einem riesigen Menschenfuss verstecken können. Dies soll darauf hinweisen, dass Spaziergänger auf den Wegen bleiben sollten.

Viel sollte selbstverständlich sein

Wer sich am besten in den Freiämter Wäldern auskennt, das sind die Revierförster. «Waldgebiete sind häufig Privatbesitz, dennoch darf sich jeder dort aufhalten. Dabei sollten einige Regeln eingehalten werden», erklärt Oberförster Anton Bürgi. Zusammen mit Revierförster Leonz Küng und ihren Mitarbeitern ist er für den Forstbetrieb Wagenrain zuständig.

«Wir geniessen die Langsamkeit»

Die Arbeitsgemeinschaft für den Wald konnte 20 Schweizer Organisationen dafür gewinnen, zehn Tipps für respektvolles Verhalten im Wald zu erarbeiten. Dabei ist ein humorvoller Wegweiser herausgekommen. Ziel ist es, Konflikte zwischen Waldbesuchern, Waldeigentümern und Ökosystem zu entschärfen. Hier sind fünf Beispiele:

- Wir geniessen die Ruhe und Langsamkeit. Im Wald gilt ein generelles Fahrverbot für Motorfahrzeuge. Für Fahrräder und Pferde gelten je nach Kanton unterschiedliche Richtlinien.

- Wir beschädigen und hinterlassen nichts. Der Wald mit Bänken und weiteren Einrichtungen ist fremdes Eigentum. Wir hinterlassen keinen Abfall und beschädigen nichts.

- Wir achten auf die Forstarbeit. Waldpflege und -bewirtschaftung können für Profis und Waldbesuchende Gefahren bergen. Anweisungen und Absperrungen müssen immer eingehalten werden.

- Wir halten Hunde unter Kontrolle. Die Anwesenheit von Hunden bedeutet Stress und Gefahr für Wildtiere. Während der Brut- und Setzzeit gilt meistenorts die Leinenpflicht.

- Wir sammeln und pflücken nach Mass. Das Gesetz erlaubt das Sammeln von nicht geschützten Pflanzen, Pilzen und Früchten, aber auch von Ästen oder Zapfen. Wir beachten lokale Vorschriften und halten Mass.

Der Wald-Knigge kann auf der Website www.waldknigge.ch kostenlos und in mehreren Sprachen heruntergeladen werden. Die deutsche Version finden Sie am Ende des Artikels.

Auch der Revierförster von Muri, Beat Bossert, bestätigt: «Der Wald-Knigge ist eine gute Sache. Obwohl vieles selbstverständlich sein sollte, ist es hilfreich, einige Regeln festzuhalten.» Ein sehr wichtiges Gebot sei, die Waldwege nicht zu verlassen. «Im Frühjahr, wenn es viele Jungtiere gibt, ist das besonders wichtig», so Bürgi. Leider seien vor allem Mountainbiker gerne im unwegsamen Waldgelände unterwegs.

Küng sagt dazu: «So wird das Wild aufgescheucht, das gefällt gerade den Jägern nicht. Ausserdem behindern uns Leute abseits der Wege bei unserer Arbeit im Forst. Die Absperrungen sollten unbedingt respektiert werden.» Schliesslich soll niemand von einem fallenden Baum getroffen werden. Zum Thema Bäume erklären die Förster noch, wie gefährlich es sei, sich bei Wind und Sturm im Wald aufzuhalten. Leonz Küng führt aus: «Selbst wenn es nur leicht windet, können Äste herabfallen.»

Nachts wirds problematisch

An sich ist es schön, wenn viele Leute Freude an der Natur haben. «Manchmal ist es allerdings schwierig, dass der Wald so beliebt ist», erläutert Beat Bossert, der auch Jagdaufseher ist. «Problematisch ist es, wenn Leute sich in der Dämmerung oder nachts im Wald aufhalten. Jogger nutzen ja gern Stirnlampen, aber so ein Verhalten stört die Tiere in ihrer Nachtruhe.» Auch Geocaching sei im Wald nicht unproblematisch. Diese Schnitzeljagd via GPS ist im Murianer Forst erlaubt. «Wir haben dafür aber Auflagen erstellt, es darf nur am Tag und an den Waldwegen stattfinden», so der Revierförster.

Als beliebter Aufenthaltsort hat der Wald mit einem weiteren Problem zu kämpfen. Alle drei Förster attestieren übereinstimmend, dass Müll ein grosses Ärgernis und leider allgegenwärtig sei. Bossert berichtet: «Feuerstellen und Waldhütten sind beliebte Plätze, aber wie die manchmal hinterlassen werden, das ist nicht gut.» Leider seien nicht alle Waldbesucher bereit, ihre Fehler einzusehen. «Belehrungen sind manchmal schwierig», hält Küng fest.

Dennoch seien Gäste im Wald immer willkommen. Die Förster befinden: «Der Wald-Knigge ist eine gute Aktion und gut gemacht. Es wäre schön, wenn er viele Leute erreichen würde.»

Zur Verfügung gestellt