Der Frühlingsanfang könnte kaum schöner sein. Die Sonne strahlt, die Vögel zwitschern, die Temperaturen klettern höher und höher. Jetzt will man hinaus, egal ob zu Fuss oder mit dem Fahrrad, Hauptsache raus. Gerade der Wald ist ein beliebter Ort für Spaziergänger, Jogger, Velofahrer und Reiter.

Doch nicht immer verhalten sich alle im Wald so, sie es sollten. Viele wissen vielleicht gar nicht so genau, was man darf und was nicht? Meistens erkennt man mit gesundem Menschenverstand bereits die wichtigsten Eckpunkte. Für alles andere gibt es seit wenigen Monaten einen Wald-Knigge, der nicht nur spannend zu lesen ist, sondern auch mit Cartoons auf humorvolle Art in ein wichtiges Thema einführt.

Wie es sich für gute Gastgeber gehört, begrüssen die zahlreichen Waldbewohner im Knigge ihre Besucher höchstpersönlich. Cartoonist Max Spring lässt Hirsch, Fuchs und Hase freundlich lächelnd ein Willkommensschild hochhalten, im kurzen Text darunter wird darum gebeten, die Bestimmungen einzuhalten. Das ist im Grunde gar nicht so schwer. Die Arbeitsgemeinschaft für den Wald hat zehn Verhaltenstipps erarbeitet – und sie hat im Wald-Knigge auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet.

Stattdessen steckt in den Illustrationen eine grosse Prise Humor. Sehr aussagekräftig ist beispielsweise die Seite, auf der sich erschrockene kleine Tiere nicht vor einem riesigen Menschenfuss verstecken können. Dies soll darauf hinweisen, dass Spaziergänger auf den Wegen bleiben sollten.

Viel sollte selbstverständlich sein

Wer sich am besten in den Freiämter Wäldern auskennt, das sind die Revierförster. «Waldgebiete sind häufig Privatbesitz, dennoch darf sich jeder dort aufhalten. Dabei sollten einige Regeln eingehalten werden», erklärt Oberförster Anton Bürgi. Zusammen mit Revierförster Leonz Küng und ihren Mitarbeitern ist er für den Forstbetrieb Wagenrain zuständig.

Auch der Revierförster von Muri, Beat Bossert, bestätigt: «Der Wald-Knigge ist eine gute Sache. Obwohl vieles selbstverständlich sein sollte, ist es hilfreich, einige Regeln festzuhalten.» Ein sehr wichtiges Gebot sei, die Waldwege nicht zu verlassen. «Im Frühjahr, wenn es viele Jungtiere gibt, ist das besonders wichtig», so Bürgi. Leider seien vor allem Mountainbiker gerne im unwegsamen Waldgelände unterwegs.

Küng sagt dazu: «So wird das Wild aufgescheucht, das gefällt gerade den Jägern nicht. Ausserdem behindern uns Leute abseits der Wege bei unserer Arbeit im Forst. Die Absperrungen sollten unbedingt respektiert werden.» Schliesslich soll niemand von einem fallenden Baum getroffen werden. Zum Thema Bäume erklären die Förster noch, wie gefährlich es sei, sich bei Wind und Sturm im Wald aufzuhalten. Leonz Küng führt aus: «Selbst wenn es nur leicht windet, können Äste herabfallen.»

Nachts wirds problematisch

An sich ist es schön, wenn viele Leute Freude an der Natur haben. «Manchmal ist es allerdings schwierig, dass der Wald so beliebt ist», erläutert Beat Bossert, der auch Jagdaufseher ist. «Problematisch ist es, wenn Leute sich in der Dämmerung oder nachts im Wald aufhalten. Jogger nutzen ja gern Stirnlampen, aber so ein Verhalten stört die Tiere in ihrer Nachtruhe.» Auch Geocaching sei im Wald nicht unproblematisch. Diese Schnitzeljagd via GPS ist im Murianer Forst erlaubt. «Wir haben dafür aber Auflagen erstellt, es darf nur am Tag und an den Waldwegen stattfinden», so der Revierförster.

Als beliebter Aufenthaltsort hat der Wald mit einem weiteren Problem zu kämpfen. Alle drei Förster attestieren übereinstimmend, dass Müll ein grosses Ärgernis und leider allgegenwärtig sei. Bossert berichtet: «Feuerstellen und Waldhütten sind beliebte Plätze, aber wie die manchmal hinterlassen werden, das ist nicht gut.» Leider seien nicht alle Waldbesucher bereit, ihre Fehler einzusehen. «Belehrungen sind manchmal schwierig», hält Küng fest.

Dennoch seien Gäste im Wald immer willkommen. Die Förster befinden: «Der Wald-Knigge ist eine gute Aktion und gut gemacht. Es wäre schön, wenn er viele Leute erreichen würde.»