Coronavirus

Eine Aargauerin arbeitet auf einer Husky-Farm in Lappland: «In Nordschweden bleiben die Deutschen aus»

Die Bettwilerin Nadine Steiner arbeitet noch bis am 22. April auf einer Husky-Farm in Nordschweden. Von der Coronakrise spürt sie im hohen Norden wenig.

Wenn sie aus dem Fenster schaut, liegt da Schnee, so weit das Auge reicht. «Wir haben heisse 4 Grad», sagt Nadine Steiner lachend im Videointerview. Die 25-jährige Bettwilerin arbeitet seit Anfang September auf einer Huskyfarm in Nordschweden. Weder vom heissen Schweizer Frühling noch von der Coronakrise bekommt sie viel mit.

«Hier sind die Häuser so weit auseinander, dass die soziale Isolierung sowieso gegeben ist. Unsere nächsten Nachbarn sind etwa einen halben Kilometer entfernt», berichtet sie. Das Einzige, was die «Cold Nose Huskies»-Farm im winzigen Dörfchen Gargnäs, das sogar noch kleiner sei als Bettwil, merkt, ist das Ausbleiben der Deutschen. «Etwa 100 Kilometer von hier, in Arjeplog, befindet sich eine Auto-Eis-Teststrecke, wo häufig deutsche Autohersteller zu Gast sind.

Schnee, Sonnenschein und schier unendliche Weiten: So erlebt Nadine Steiner Schweden

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Immer sonntags bieten wir dort Touren an. Doch seit einem Monat wurden die alle abgesagt. Ebenso die mehrtägigen Touren, von denen eine am kommenden Wochenende hätte stattfinden sollen, und die Hundeschlittenrennen, für die ein Team der Husky-Farm trainiert. Wir hatten vergangene Woche nur eine einzige Tour, die Gäste waren Schweden», so Steiner. Das ist in Schweden noch möglich, die Pandemie-Einschränkungen sind dort viel weniger streng als im Rest Europas.

Sie hatte überhaupt keine Erfahrung mit Schlittenhunden

Die Tochter des Wirtepaars Steiner, das den Bettwiler «Bauernhof» führt, hatte vor dem 4. September 2019 kaum je mit Schlittenhunden zu tun. «Als ich etwa neun Jahre alt war, haben wir eine Ministrantenreise zu einem Huskyfahrer gemacht, dort hat meine Faszination begonnen», erinnert sie sich und lacht. «Ich hätte immer gern einen Hund gehabt, aber mit dem Restaurant daheim ging das eben nicht.»

Sie hat die KV-Lehre auf der Gemeinde Meisterschwanden absolviert, die Passerelle gemacht und danach begonnen, Tiermedizin zu studieren. «Ich habe dann aber gemerkt, dass das nicht das Richtige ist für mich.» Also schwenkte sie um und absolvierte stattdessen die Hotelfachschule. Dazwischen war sie oft auf Reisen und zum Arbeiten im Ausland. «Auf einer Huskyfarm zu arbeiten, war schon lange mein Traum.»

Es hat sich gelohnt: «Am Anfang hatte ich überhaupt keine Ahnung. Ich musste den Kot der Hunde zusammennehmen und dabei natürlich all die rund 80 Huskies jeden Tag streicheln. Die Namen lernte ich mittels einer selbst geschriebenen Liste und einem Plan der Zwinger», erzählt sie gut gelaunt.

Heute kann sie allein mit dem Hundeschlitten, dem Quad oder dem Kart und einem Gespann aus 8 bis 12 Hunden durch die Schwedische Landschaft fahren und sogar Gäste führen. «Eine wunderschöne Erfahrung. Alles ist so weit, man sieht Elche und Rentiere und natürlich die Nordlichter. Ich bin sehr froh, dass ich das gemacht habe.»

«Das schlimmste Erlebnis war, als zwei Hunde verschwanden»

Am 22. April wird Nadine Steiner jedoch bereits wieder die Heimreise antreten - falls die Flugzeuge dann fliegen, wie sie stirnrunzelnd anfügt. «Es war eine sehr schöne Zeit hier, aber vor allem während der Fasnacht habe ich die Schweiz sehr vermisst», sagt das Mitglied der Murianer Stiefeliryter-Gugge. Eine Freundin habe ihr ein Fasnachtspäckli mit Konfetti und Luftschlangen geschickt, damit sie die Fasnacht nicht ganz verpasse, lacht sie. Ausserdem habe sie eine Liste mit Gerichten, die sie daheim wieder essen wolle, angeführt von Fondue, Tischgrill und einem Erdbeertiramisu.

«Ich habe hier viele tolle Momente erlebt und viel gelernt. Das schlimmste Erlebnis war, als mir beim Saubermachen des Zwingers zwei junge Hunde entwischt sind und einfach verschwanden», sagt sie und scheint fast zu weinen. Stundenlang habe sie sie gesucht. «Das schönste Erlebnis passierte etwa vier Stunden später, als ich die Suche aufgegeben hatte und sie auf einmal wieder in den Hof gerannt kamen», fügt sie lachend an.

Auch die Fahrten mit den Gästen gefallen ihr. Dabei sei einmal ein Mann namens Yannick mitgefahren, nach dem Nachnamen habe sie ihn leider nicht gefragt. «Ich erzählte, dass ich Schweizerin sei, und er wollte wissen, wo genau ich denn herkomme. Ich sagte, das kenne er sowieso nicht, es sei winzig und heisse Bettwil. Da lachte er und sagte, sein Vater habe da ein Haus. Manchmal ist es unglaublich, wie klein die Welt ist.»

Sie wird den hohen Norden und die vielen Hunde, allen voran ihren Lieblingshund Poacher, sicher vermissen. Wenn es sich ergäbe, würde sie gern wiedermal hier arbeiten. Allerdings nur noch monatsweise, denn sie erhält als Freiwillige nicht viel mehr als Kost und Logis. «Dennoch hat sich das für mich mehr als gelohnt.» Und was sie nun ganz sicher weiss: Irgendwann wird sie ihren eigenen Hund haben - vielleicht ja einen Husky.

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