Frontalkollision. Ein Weichenantrieb hat versagt und so die komplette Modellbahnanlage zum Stillstand gebracht. Was im wirklichen Leben fatale Folgen gehabt hätte, nimmt man beim Verein «Faszination Eisenbahn» mit Humor.

Präsident Philipp Keller kniet irgendwo zwischen den Gleisen und versucht, die Weichen manuell zu stellen. Während er mit der linken Hand die zwei kollidierten Züge auf ein anderes Gleis versetzt, hält er mit der rechten Hand sein Smartphone.

Fertig oder nicht: Spass machten die Modellanlagen allemal.

Fertig oder nicht: Spass machten die Modellanlagen allemal.

Er gibt damit Anweisungen an einen Kollegen, der wenige Meter neben ihm in der Schaltzentrale hockt. Eine äusserst unterhaltsame Szene für die zahlreichen Besucher, die danebenstehen.

Vollkommene Unvollkommenheit

Wer eine fertige und funktionierende Modellanlage erwartet hatte, eine bis ins letzte Detail perfekte Miniaturwelt oder ein genaues Abbild des Schweizer Alpenpanoramas, der wurde enttäuscht.

Hinter den historischen Mauern der alten Ballyfabrik soll zwar all das entstehen, zu erkennen ist davon aber momentan noch nicht viel. Ein Besuch beim Tag der offenen Tür des Vereins «Faszination Eisenbahn» hat sich dennoch gelohnt. Zum ersten Mal überhaupt war nämlich die Modellanlage, an welcher die Vereinsmitglieder seit rund sechs Jahren arbeiten, öffentlich zugänglich.

Mit der Spur H0 im Innen- und der Spur G im Aussenbereich soll dereinst in Dottikon eine der grössten Modellbahnanlagen der Schweiz entstehen. Und zum Glück ist sie noch nicht fertig. Es war die Rohheit und die Unvollkommenheit der Anlage, welche den gestrigen Anlass so spannend machten.

Noch funktionieren nicht alle Weichen, noch fahren nicht alle Züge und noch ist die Elektronik nicht hinter einer Berglandschaft aus Gips und Styropor verschwunden. Erst diese Unfertigkeit ermöglichte einen profunden Einblick in die technische Funktionsweise der Modelleisenbahn.

«Unterdessen haben wir wohl etwa einen Fünftel der Anlage fertig», erzählt Präsident Keller, nachdem er die defekte Weiche wieder gerichtet hat. «Wir haben uns hohe Ziele gesetzt, ansonsten wäre es ja langweilig.» Bereits jetzt würden in der Anlage weit über 200'000 Franken stecken. Und da dürfte noch so einiges dazukommen.

Die Bahnen begeistern

Nicht nur zur Modellbahnanlage wurden gestern in der Ballyfabrik die Türen geöffnet, auch der Slotracing-Verein begrüsste das altersmässig sehr durchmischte Publikum.

Ergänzt wurde das Rahmenprogramm zudem mit einer Modellbahnbörse und einer Festwirtschaft, wo man auf das spannende Projekt des Vereins und die entstehende Anlage anstossen konnte. Und traut man den begeisterten Voten der Besucher, so kann man davon ausgehen, dass der Verein gestern doch das eine oder andere neue Mitglied gewonnen hat.