Unterlunkhofen
Ein Wunderkerzli sorgte für Tränen

Auch eine brennende Jacke hat die schönen Erinnerungen von Annerös Keller an vergangene Weihnachten nicht getrübt.

Melanie Burgener
Merken
Drucken
Teilen
Annerös Keller (68) aus Unterlunkhofen findet viele Geschenke an Weihnachten unnötig – Besuche seien viel schöner.

Annerös Keller (68) aus Unterlunkhofen findet viele Geschenke an Weihnachten unnötig – Besuche seien viel schöner.

Melanie Burgener

Obwohl Annerös Keller als Kind nie gefragt wurde, was sie sich zu Weihnachten wünschte, hatte sie immer ein Päckchen unter dem Christbaum. «Jedes Jahr, kurz vor Weihnachten, war mein wunderschönes Bäbi, das ich so gern hatte, verschwunden. An Heiligabend fand ich es dann unter dem Tannenbaum ganz neu eingekleidet, denn meine Mutter hat ihm jedes Jahr neue Kleider genäht», mag sich Keller erinnern. Sie weiss ebenfalls noch, wie gross die Freude war an den neuen Bäbikleidern und den neuen Schürzen, die ihre Mutter für sie und ihre Schwester genäht hatte.

«Auch ohne grosse Geschenke hatte ich immer schöne Weihnachten», erzählt die 68-Jährige. Und das hält sie bis heute so. Denn neben dem Rummel in der Adventszeit macht sich Keller auch aus Geschenken nicht viel. Die Unterlunkhoferin besucht in dieser Zeit lieber Verwandte, denen es gesundheitlich nicht gut gehe. «Ich finde es aber auch wichtig, dass wir unter dem Jahr aneinander denken, nicht nur zu dieser Zeit», erzählt sie nachdenklich. Mit einem ihrer Enkel gehe sie zum Beispiel nach Weihnachten nach Deutschland. «Er darf sich dort einen Pullover kaufen, den er so gerne mag und den man in der ganzen Schweiz nirgends erhält. Danach werde ich ihn noch zum Mittagessen einladen», verrät Keller ihren Plan.

Ein Gedicht vor dem Festmahl

Auch wenn ihr Geschenke nie sehr wichtig waren, muss sie bis heute schmunzeln, wenn sie daran zurückdenkt, wie ihre drei Geschwister und sie am 24. Dezember probierten, durch das Schlüsselloch der verschlossenen Türe hinter dem Wohnzimmer den geschmückten Tannenbaum zu erspähen.

Nach der Bescherung musste jedes der Kinder ein auswendiggelerntes Gedicht aufsagen. Danach gab es das Festmahl: Schinken und Kartoffelsalat. «Dazu hat Mutter immer einen grossen Zopf gebacken. Zum Dessert gab es dann einen Kuchen, den sie in der Mitte aufgeschnitten, mit einer Creme gefüllt und zum Schluss mit Schokolade überzogen hatte. Die meisten Zutaten, die sie dafür brauchte, konnte sie zum Glück direkt von unserem Hof nehmen», mag sich die Unterlunkhoferin besinnen. Um den Kuchen herum seien immer Marzipankerzen gestanden. Um diese zu kaufen, sei ihre Mutter jedes Jahr nach Bremgarten gefahren.

Wie Vater Weihnachten rettete

Unkompliziert blieben die Weihnachtsfeste der Familie Keller auch, als alle drei Geschwister erwachsen waren und Annerös und ihr Mann Cyrill Keller selber vier Kinder hatten. «Wir haben alle gemeinsam bei meiner Mutter, etwas weiter vorne im Dorf, gegessen. Wir mussten sogar noch eigene Stühle mitbringen, damit wir alle einen Platz zum Sitzen hatten», lacht Keller. Nach dem Essen sei ihr Mann dann nach Hause gegangen und habe die Geschenke unter den Christbaum gelegt, damit für die Bescherung, die dann in ihrem Haus stattgefunden habe, alles bereit war.

In einem Jahr habe es aber eine böse Überraschung gegeben. «Ein Wunderkerzli, das am Baum hing, ist heruntergefallen, direkt auf das Päckchen meines Sohnes, der in diesem Jahr eine neue Skijacke bekam. Es hat sich durch das Papier gebrannt und ein grosses Loch in der neuen Jacke verursacht. Mein Sohn hat den ganzen Abend geweint. Und es hat furchtbar gestunken», erzählt Keller.

Tränen habe es auch gegeben, als ihr jüngster Sohn sich in einem Jahr ein Modellflugzeug gewünscht habe. «Er durfte sich immer ein teureres Geschenk aussuchen, da er am 26. Dezember Geburtstag hat. In einem Jahr hat er ein Flugzeug erhalten. Als ich dachte, er schlafe schon, hat er sich stattdessen runtergeschlichen und das Päckchen geholt. Er hat es gleich ausgepackt und den Flieger sofort auseinandergeschraubt. Plötzlich ist er weinend zu mir gekommen, denn er konnte die Teile nicht wieder zusammenflicken.» Zum Glück konnte sein Vater das Flugzeug reparieren und so das Weihnachtsfest retten.