20 Erwachsene lasen in Räumlichkeiten der Stadtbibliothek, des Kellertheaters, im Spiegelsaal oder im Schlössli Texte, die sich mit der Magie befassten. Im Zeughaussaal fand parallel dazu ein Kinderprogramm statt. Das Interesse am Anlass war erneut sehr gross.

Gespannt sitzt das Publikum im Dachstock der Bibliothek und wartet auf die nächste Lesung. Monika Meyer Canziani hat sich indes entschieden, nicht einen Text vorzulesen, sondern das norwegische Märchen «Zottelhaube» zu erzählen.

Aufmerksam folgen die Anwesenden der Geschichte der hässlichen Königstochter Zottelhaube, die nicht nur den Kopf ihrer anmutigen Schwester rettet, sondern sich selber in eine grosse Schönheit verwandelt und einen Prinzen heiratet. Unter den Zuhörerinnen und Zuhörern ist Anna Tschumi, die jedes Jahr gerne an der Erzählnacht teilnimmt. Ihr gefällt die Vielfalt der vorgetragenen Texte.

Die Schweizer Erzählnacht hat Tradition und wird jedes Jahr an verschiedenen Orten der Schweiz durchgeführt. Aus Rücksicht auf das Konzert der Bremgarter Stadtmusik fand der Event im Reussstädtchen eine Woche vor den anderen statt.

Die diesjährige Erzählnacht stand unter dem Motto «Magie». Kein einfaches Thema, wie Bea Wehrli, die Leiterin der Stadtbibliothek Bremgarten, bei ihrer Suche nach Vorlesenden erkennen musste. «Es hat einige Zeit in Anspruch genommen, bis alle beisammen waren – es sollen ja nicht immer die gleichen Personen sein.»

Der Aufwand für das Ausrichten der Erzählnacht sei ziemlich gross, räumt Wehrli ein. «Aber das machen ich und das Team gerne. Die Zusammenarbeit mit dem Kellertheater freut mich sehr und auch der Umstand, dass wir Jahr für Jahr mit unserer Erzählnacht wieder zu Gast im Schlössli sein dürfen.»

Volle Stube

Genau die Neugier, einmal in einen Raum des Schlösslis hineinsehen zu können, habe sie bewogen, vor drei Jahren erstmals die Bremgarter Erzählnacht zu besuchen, berichtet Eva Remlinger.

Der Anlass hat ihr so gut gefallen, dass sie seither jedes Jahr kommt. Dieses Mal lauschte sie im Schlössli Fridolin Kurmann, der «Das Manöver» von Wolfdietrich Schnurre vorlas. Kurmann, der als Ersatz kurzfristig eingesprungen war, meinte, er habe einen etwas in Vergessenheit geratenen Autor wieder zu Aufmerksamkeit verhelfen wollen. Ein anderes Auswahlkriterium wandte der Bremgarter Schreiner Giovanni Ming an. Er, der sich intensiv mit der Wirkung von Holz auseinandersetzt, las aus «Die geheime Sprache der Bäume» des österreichischen Holzpioniers Erwin Thoma vor.

Jahr für Jahr organisiert das Team der Stadtbibliothek Bremgarten anlässlich der Erzählnacht auch ein vielseitiges Kinderprogramm im Zeughaussaal. Als eine der Helferinnen engagierte sich dieses Mal auch die 16-jährige Nina. «Ich arbeite eben gerne mit Kindern.» Mitgenommen hatte sie ihren neunjährigen Bruder Sven, dem das Kinderprogramm sehr gefiel. Und last but not least gab es an der Erzählnacht in Bremgarten auch dieses Jahr ein Beizli.