Hermetschwil-Staffeln
Ein Visionär und ein Zürcher Ägypter brachten den Dorfladen in Schwung

Der Dorfladen in Hermetschwil-Staffeln steht auf eigenen Beinen und verdankt dies dem Präsidenten der Genossenschaft Elektra und dem Ladenbetreiber Hatem Badawy. Der Ägypter betreibt sein Geschäft mit Leidenschaft und verzichte gar auf Ferien.

Robert Benz
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Dorfladen-Pächter Hatem Badawy (links) hat gerechnet: Falls alle Hermetschwiler im Dorf einkaufen, könnte er sich sogar Ferien leisten. Dass der Laden überhaupt im Dorf bleibt, ist der Initiative von Elektra-Präsident Markus Wey (rechts) und der Unterstützung von Erich Stöckli zu verdanken. (ROB)

Dorfladen-Pächter Hatem Badawy (links) hat gerechnet: Falls alle Hermetschwiler im Dorf einkaufen, könnte er sich sogar Ferien leisten. Dass der Laden überhaupt im Dorf bleibt, ist der Initiative von Elektra-Präsident Markus Wey (rechts) und der Unterstützung von Erich Stöckli zu verdanken. (ROB)

Aargauer Zeitung

Dorfläden in Kleingemeinden haben einen schweren Stand. Ohne Steuergelder könnten die meisten kaum überleben. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Hermetschwil-Staffeln. Unlängst mit Bremgarten fusioniert, wollte die Gemeinde kein Präjudiz schaffen und den Dorfladen nicht speziell unterstützen. Doch für Markus Wey, Präsident der Genossenschaft Elektra, war es völlig unvorstellbar, den Dorfladen einfach aufzugeben. «Ein Dorfladen bedeutet ein Stück Lebensqualität», so Wey.

Unter Weys Führung beschloss die Genossenschaft, das Ladenlokal zu kaufen. Den Dorfladen über Strom quer zu finanzieren, kam aber zu keinem Zeitpunkt infrage. Ganz im Gegenteil: Wey gab die Devise aus, der Betrieb müsse selbsttragend sein und der Pächter eine Miete für die Ladenfläche bezahlen.

Zwei Männer, zwei Träume

Markus Wey ist ein Mann der Ideen. Er sah nicht in erster Linie die finanziellen Schwierigkeiten, die auf Eigentümer und Betreiber warteten, sondern wollte den Dorfladen unbedingt erhalten und die guten Voraussetzungen nutzen: Parkplätze vor dem Lokal, eine grosse Verkaufsfläche, ein Bistrot und die Möglichkeit, eine Postagentur zu integrieren. «Dank dieser Mischung kann der Umsatz hochgehalten werden», wusste Wey und initiierte das Projekt. Trotzdem war der Anfang schwieriger als gedacht.

Weys Traum, dass ein Hermetschwiler den Dorfladen führt, ging nicht in Erfüllung. Zudem erwies sich der erste Pächter als Fehlbesetzung. Trotz der guten Voraussetzungen war von Anfang an klar, dass der Dorfladen keine Goldgrube sein würde. Ein Glück daher, dass der zweite Mann der richtige war: Hatem Badawy. Der Ägypter wohnt zwar nicht in Hermetschwil, sondern in Opfikon-Glattbrugg, doch die 25-minütige Fahrt ins Freiamt nimmt er gerne unter die Räder. Seine Ansprüche für den neuen Job waren bescheiden. «Für mich geht hier ein Traum in Erfüllung. Ich wollte schon immer einen eigenen Lebensmittelladen führen.»

Er kennt schon fast das ganze Dorf

Wie sehr er das will, zeigt sich daran, dass er auf Ferien praktisch komplett verzichtet. Aber auch das sei «kein Problem», so Badawy, weil er sich als Ägypter sowieso nicht gewohnt sei, Ferien zu machen. Früher waren es drei bis vier Tage im Jahr. Wie viele es heute sind, weiss er nicht. Der Dorfladen in Hermetschwil zumindest ist täglich geöffnet und kommt immer besser in Schwung. Badawy versteht sein Geschäft, er war Filialleiter bei Aldi und weiss, worauf es ankommt. «Qualität und Auswahl müssen stimmen, und der persönliche Kontakt ist ganz wichtig.» Er kenne bereits die meisten Namen seiner Kunden und erfülle auch Extrawünsche gerne. Wenn jemand etwas Spezielles brauche, kaufe er das ein.

Wey sieht das genau so: Die Qualität müsse stimmen und überhaupt brauche er niemandem etwas zu beweisen. Der Dorfladen habe sich längst zum Dorfzentrum gemausert, speziell, wenn am Dienstagabend die Pendler nach getaner Arbeit bei Badawy noch ein Bier trinken. Das hat sich so eingebürgert.