Waltenschwil
Ein Viertel-Jahrhundert in der Gemeindeverwaltung, dabei wollte er nur zwei drei Jahre bleiben

Seit 25 Jahren ist Frank Koch auf der Gemeindeverwaltung Waltenschwil tätig – seit 10 als Gemeindeschreiber. Dabei wollte der 48-jährige Waltenschwiler einst nur vorübergehend in seinem Lehrbetrieb bleiben. Wie er die Zeit erlebt hat und was er am meisten vermisst.

Andrea Weibel
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Gemeindeschreiber Frank Koch ist genau so lange im Gemeindehaus Waltenschwil tätig, wie dieses steht: Seit 25 Jahren gefällt ihm das Arbeitsklima hier. Andrea Weibel

Gemeindeschreiber Frank Koch ist genau so lange im Gemeindehaus Waltenschwil tätig, wie dieses steht: Seit 25 Jahren gefällt ihm das Arbeitsklima hier. Andrea Weibel

Andrea Weibel

«Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt» – dieses geflügelte Wort kennt Gemeindeschreiber Frank Koch bestens. Als er 1992 eine Stelle in seinem alten Lehrbetrieb, der Gemeindeverwaltung Waltenschwil, angenommen hat, war er noch jung und wollte nur 2, 3 Jahre etwas Geld verdienen, um dann zu schauen, wohin sein Weg ihn führen würde. Das ist mittlerweile 25 Jahre her. Und Frank Koch ist noch immer auf der Gemeinde. Doch er ist nicht etwa verbittert deswegen. Im Gegenteil: «Ich wäre sicher nicht so lange geblieben, wenn es mir hier nicht gefallen würde», sagt er mit einem solchen Lachen, dass selbst die letzten Zweifel aus dem Weg geräumt werden.

Schönes und weniger Schönes

Nach so vielen Jahren gehört man quasi zum Inventar. Bei Koch ist dieser Satz gar nicht so abwegig, denn er ist genauso lang im Gemeindehaus tätig, wie dieses im heutigen Zustand bereits steht. «Als ich hier angefangen habe, mussten wir noch etwa eine Woche drüben in der alten Militärunterkunft arbeiten, während das Gemeindehaus aufgestockt wurde, dann konnten wir einziehen.» Es gefällt ihm sehr in dem hellen Gebäude – und das noch nach all den Jahren. Dabei merkt der 48-jährige Ehemann und zweifache Vater gar nicht, wie die Zeit vergeht: «Ich konnte kaum fassen, dass ich seit 25 Jahren hier bin. Aber es läuft halt immer viel.» Heute arbeitet er vor allem im Büro, hat aber auch viel Kontakt mit Gemeinderat und Bevölkerung. «Manchmal gibt es schöne Begegnungen, manchmal weniger schöne. Wenn wir zum Beispiel die Formalitäten für eine Beerdigung gemeinsam mit den Hinterbliebenen durchgehen müssen, ist das oft eine schwierige Angelegenheit. Aber auch das mache ich gerne, das Wohl der Einwohner liegt mir am Herzen. Und es ist eben unsere Aufgabe.»

Daneben spricht er oft mit den Asylbewerbern, die einmal pro Woche ihr Geld auf der Gemeinde abholen müssen. «Häufig können sie etwa so gut englisch wie ich, aber irgendwie verstehen wir uns immer», sagt er schmunzelnd. Generell habe der Anteil an Sozialfällen deutlich zugenommen.

Er hat viele Freunde verheiratet

Einen Teil seines Jobs, den der in Waltenschwil aufgewachsene Koch sehr gern gemacht hat, musste er 2004 leider abgeben: «Früher durften wir Gemeindeschreiber noch Paare verheiraten. Das hat mir immer sehr gefallen. Ich habe über 100 Trauungen durchgeführt.» Laut lachend fügt der ehemalige Handballer und heutige Juniorentrainer hinzu: «Ich habe den halben Handball-Verein Wohlen verheiratet.» Denn auch von anderen Gemeinden seien seine Freunde gerne nach Waltenschwil zum Heiraten gekommen. «Ich konnte mich lange rühmen, dass noch keine Ehe, die ich geschlossen habe, wieder geschieden worden ist. Das ist leider nicht mehr so.»

Eine andere Aufgabe, die er jedoch gerne abgegeben hat, ist das Begleiten der Polizei bei häuslicher Gewalt: «Da musste früher noch jemand von der Gemeinde dabei sein. Da sieht man manchmal sehr schlimme Dinge, die man nicht erwartet hätte. Ich bin froh, muss heute niemand von uns mehr mit der Polizei mit.»

Verständnis und Humor

Rühmen mag sich der Gemeindeschreiber, der seit zehn Jahren im Amt ist und verschiedene Bauten wie das neue Schulhaus mitplanen durfte, selbst nicht. «Es ist schön: In kleinen Gemeinden kann man als Gemeindeschreiber noch viel mitdiskutieren und sieht nachher die Veränderungen. Aber ich bin nicht verantwortlich, sondern unterstütze nur den Gemeinderat.» Viel Verständnis und gesunder Menschenverstand, aber auch eine Prise Humor scheinen seine Hauptwerkzeuge zu sein, die er täglich braucht, um seine 21 Mitarbeiter und die gesamte Kanzlei gut zu führen. Würde er den Job nochmals wählen? «Da ich handwerklich nicht sehr begabt bin, müsste ich wohl wieder in diese Richtung gehen», lacht er und erklärt: «Nein, die positiven Seiten meines Berufs überwiegen deutlich. Ich denke schon, dass ich nochmals denselben Beruf wählen würde.»