Sarmenstorf
Ein Tüftler aus Sarmenstorf glaubt an seine grosse Chance

Der 48-jährige Jörg Zowalla will ein Reparatursystem für Kunststoffteile auf den Markt bringen. Mit dem System sollen harzgetränkte Glasfasermaterialien einfach, sauber und zuverlässig verarbeitet werden können.

Jörg Baumann
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Der technisch versierte Jörg Zowalla hat das Patent für sein neuartiges Produkt angemeldet und rechnet sich gute Marktchancen aus. BA

Der technisch versierte Jörg Zowalla hat das Patent für sein neuartiges Produkt angemeldet und rechnet sich gute Marktchancen aus. BA

Bootsbauer, Autospengler und Flugzeugbauer sollen sich die Hände bei der Arbeit nicht mehr schmutzig machen, wenn sie ein Boot, ein Auto oder ein Flugzeug aus Kunststoff reparieren. Dafür will Jörg Zowalla (48) sorgen.

Der Metallflugzeugbauer und Maschinenbautechniker aus Sarmenstorf erfand ein System, mit dem harzgetränkte Glasfasermaterialien einfach, sauber und zuverlässig verarbeitet werden können.

Eine wirklich saubere Sache

Bisher waren Reparaturen von Kunststoffteilen an Flugzeugen eine einzige Plage. «Das Harz, womit man die Teile fest mit der Flugzeugzelle verbinden muss, blieb auch an den Händen und an den Kleidern hängen. Damit will ich aufräumen», sagt Jörg Zowalla, der lange in der Flugzeugindustrie arbeitete.

Zowallas Erfindung ist so einfach wie genial: Er verpackt die vorfabrizierte Fasermatte in verschieden grossen Formaten in zwei Kunststofffolien. «So ist das Auftragen der Matte auf das beschädigte Teil praktisch ein Kinderspiel», sagt er und zeigt den Prototyp seines Composite Handling Systems in die Kamera.

Auch kann das Material problemlos bei Raumtemperatur aufbewahrt werden, ohne dass es verdirbt. «Das ist kein überteuertes Produkt aus der Hightechbranche, sondern ein preisgünstiges aus der Hand eines Handwerkers. Deshalb ist es auch einfach anzuwenden», sagt er.

Energie und Geld gebraucht

Zowalla hat in seiner Freizeit viel Energie und Geld in seine Erfindung gesteckt. «Ich habe das Patent für mein Produkt angemeldet – mit Erfolg», erklärt er. «Was jetzt noch fehlt: Ich muss es auf den Markt bringen.»

Münchner und gelernter Metallflugzeugbauer

Jörg Zowalla (Jahrgang 1965) wuchs in München auf. Seine Lehre machte er als Metallflugzeugbauer bei den Dornier-Flugzeugwerken. Danach bildete er sich zum staatlich geprüften Maschinenbautechniker weiter. Er arbeitete bei verschiedenen Luftfahrtunternehmen in Deutschland und der Schweiz. Seit 2008 gehört er als technischer Mitarbeiter zu einem kleinen Team im Start-up-Unternehmen Waterjet Technologies AG in Windisch. Die Firma bietet Lösungen und Dienstleistungen im Bereich Abtragen, Bearbeiten und Schneiden technischer Materialien mit Wasserstrahlen an. Jörg Zowalla lebt seit 2002 in der Schweiz und seit 2010 mit seiner Familie in Sarmenstorf. (BA)

Einen ersten Schritt dafür unternahm Zowalla an der 41. Internationalen Erfindermesse in Genf, wo er das Produkt dem Publikum präsentierte. In Genf wurde Zowalla so richtig bewusst, «dass ich ein Einzelkämpfer bin und leider über kein funktionierendes Netzwerk verfüge, bisher jedenfalls noch nicht.»

Aber an seinen Stand kamen viele Leute, unter anderen auch ein Sportler. Der Mann gehört der Schweizer Rodlernationalmannschaft an, die an den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi starten will. Der Rodler fand Zowallas Erfindung interessant.

«Denn ich konnte ihn davon überzeugen, dass mit meinem System Schäden an einem Rodelschlitten, der ja aus Kunststofffasern besteht, schnell und einfach repariert werden können.» Auch ein NZZ-Journalist fand in seinem Bericht über die Erfindermesse, über den er den vielsagenden Titel «Marktplatz der Tüftler» setzte, wohlwollende Worte für Zowallas Präsentation.

Zowalla reichte es an der Messe nicht für eine Auszeichnung, auf die er insgeheim gehofft hatte, sondern «nur zu einer Teilnahmebestätigung». «Die fünf Tage, die ich in Genf verbrachte, waren dennoch lehrreich», erklärt der Erfinder aus Sarmenstorf.

Ein Produkt mit Zukunftschancen

Jörg Zowalla hat einen Verkaufsberatungskurs besucht und weiss nun ein wenig mehr darüber, «wie ich mein Produkt unter die Leute bringen könnte.» Dafür gibt es mehr als einen Anwendungsbereich.

«Für mich steht fest, dass mein System im Flugzeugbau, aber auch im Automobilbau angewendet werden kann. Denn das Auto der Zukunft muss noch leichter werden, damit es möglichst wenig Energie verbraucht.»

Auch die Bootsbauer hätten auf eine Methode gewartet, mit der sie Kunststoffboote problemlos und schnell reparieren könnten, ist Zowalla überzeugt. Einen grossen Markt sieht er schliesslich in der Windenergiebranche.

«Ein Blitzschlag oder ein Vogel kann ein Rotorblatt einer Windturbine beschädigen. Mit meinem System kann das Blatt rasch geflickt werden. Die Windturbine kann so schneller wieder ans Netz gehen. Lange Standzeiten, die viel Geld kosten, bleiben aus. Das ist doch eine vorteilhafte Sache.»

An familiärer moralischer Unterstützung für seine Erfindung fehlt es Jörg Zowalla nicht: «Ehefrau Eveline stärkt mir den Rücken, und auch meine Tochter findet das Treiben ihres Papis toll, auch wenn sie erst vier Jahre alt ist.»

Der grosse Durchbruch freilich ist dem Erfinder noch nicht geglückt. Aber dennoch glaubt Zowalla daran, dass seine Idee eine reelle Chance hat, vom Markt akzeptiert zu werden – «wenn nicht heute, dann halt morgen.»

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