Wohlen

Ein trauriger 6. Dezember: Der Samichlaus kommt dieses Jahr nicht zu den Kindern nach Hause

Bild: Andrea Weibel (8.12.2019)

Kein Chlausauszug in Wohlen dieses Jahr.

Bild: Andrea Weibel (8.12.2019)

Wegen Corona mussten auch Kinder dieses Jahr auf vieles verzichten. Aber das werden sie kaum verstehen: Selbst der Samichlaus darf sie kommenden Dezember nicht besuchen. Ein Chlausbesuch mit Abstand und Maske wäre nicht das Gleiche, heisst es dazu.

Dieses Jahr werden die Kinder vergebens auf den Mann mit dem Goldenen Buch und seine Schmutzli warten. Er wird nicht kommen. Was wird man ihnen sagen? Dass er sich wegen Corona sozial distanzieren muss? Oder dass er sich selbst draussen im Wald mit Corona angesteckt hat und in Quarantäne bleibt? Oder gar, dass er nicht kommen kann, weil der bärtige alte Mann natürlich zur Risikogruppe gehört?
Es ist, wie es ist: In Wohlen wird es 2020 keinen Samichlaus geben. Am Donnerstag hat das der Verein St. Niklaus öffentlich gemacht. In 14 Punkten führten Brauchtumsleiter un «Chlausvater» Röfe Wüst und Präsident Peter Locher im Gsellehüsli neben der Kirche aus, warum es schlicht unzumutbar wäre, den Anlass durchzuführen. Der Entschluss sei nach gründlicher Beratung und Abwägung aller Möglichkeiten gefallen.

Familienbesuche mit Distanz wären nicht das Gleiche

Es scheitert bereits an den Vorbereitungen: Die 60 Kinder, die sich als Schmutzli schminken, müssten aus der Chappelehofgarage in verschiedene Räume aufgeteilt werden, 1,5 Meter Abstand halten, und jeder Schminkraum müsste nach jeder Benützung mindestens zehn Minuten gelüftet werden. Dazu bräuchte es jede Menge Desinfektionsspender. Wüst sagte: «Nicht zu vergessen, dass eine fachgerechte Reinigung der Räume notwendig wäre. Sowohl nach dem Schminken als auch nach dem Abschminken.»
Die Schminkfrauen müssten für ihre Arbeit mit dem Samichlaus Masken und Handschuhe tragen, und das Schminkmaterial dürfte nicht für mehrere Personen verwendet werden. «Ein weiteres Problem ist: Gardobiere und Schminkfrauen sind vom Alter her in der Risikogruppe», merkte der Brauchtumsleiter an.
Mit all diesen Punkten haben die Hausbesuche noch nicht einmal angefangen. «Beim Familienbesuch darf nur mit Abstand kommuniziert werden», informierte der Vereinsvorstand. «Es gäbe auch kein Händeschütteln bei der Begrüssung oder bei der Verabschiedung.» Dabei ist das Händeschütteln mit dem Samichlaus doch zentral, wenn die Kinder ihm versprechen, im nächsten Jahr brav zu sein. Das bedauerliche Fazit des Vereins: «Die Familienfeier müsste auf Distanz erfolgen. Auf diese Weise kann keine feierliche und stimmungsvolle Atmosphäre entstehen, so wie man es von uns kennt.»
Ein weiterer heikler Punkt seien die verschiedenen Familien, die der Samichlaus nacheinander besuche. «Wie sieht dieses Schutzkonzept aus?», fragen sich Peter Locher und Röfe Wüst.

Der Samichlaus wird sich im November online melden

Zum Schluss muss auch der beliebte Chlausauszug vor der Kirche ausfallen – dieses Jahr ausgerechnet am 6. Dezember. Der Verein begründet: «Die kantonale Bewilligung für den Chlausauszug wird mit der Aufforderung verknüpft, ein Schutzkonzept für die weit über 2000 Besucher vorzulegen. Diese Bewilligung könnte sehr kurzfristig entzogen werden, wenn die Infektionszahlen steigen. Allfällige Kosten gehen voll und ganz zu Lasten des Veranstalters.»
Auch müsste bei der Chlausmesse Abstand gehalten werden, oder, wenn sie über 100 Besucher zählen würde, Masken getragen und die Kontaktdaten aller erhoben werden. «Bis das alles erledigt ist, ist die Messe vorbei», hielt Wüst resigniert fest.
«Wir sehen uns nicht nur in der Verantwortung für die Beteiligten, sondern auch für all unsere Besucherinnen und Besucher», betonten die beiden Vorstandsmitglieder des Vereins. Aber sie versprachen: «Der St. Nikolaus wird sich im November auf unserer Website www.stnikolaus-wohlen.ch melden und persönlich vermutlich in einer Videobotschaft erklären, warum er dieses Jahr keine Besuche macht.»
Röfe Wüst und Peter Locher wirkten bedrückt nach der Bekanntgabe. «Es ist einfach schade, dass wir den Kindern dieses Erlebnis dieses Jahr nicht bieten können.» Dennoch wollen sie mit den übrigen Vereinsmitgliedern positiv auf das nächste Jahr hoffen. «Da freuen wir uns auf die Chlausaktion 2021 und auf die Jubiläumsaktion zu unserem 80. Brauchtumsjahr.»

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