Hägglingen/Senegal
«Ein Traum ist wahr geworden» - im Herbst eröffnet der Kindergarten

Marielle Furter aus Hägglingen hat ihr grosses Kindergartenprojekt in Senegal verwirklicht. Im Oktober feiert das Dorf Niaguis mit den Kindern das neue Gebäude.

Lukas Schumacher
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Ziel erreicht: Marielle Furter mit einer Foto des stattlichen Kindergartengebäudes. sl

Ziel erreicht: Marielle Furter mit einer Foto des stattlichen Kindergartengebäudes. sl

Lukas Schumacher

Marielle Furter und der Unterstützungsverein Villmergen haben es geschafft. Am 17. Oktober wird im kleinen Dorf Niaguis im Süden von Senegal ein neuer Kindergarten eingeweiht. Der stattliche, solide Neubau mit Betonfundament und Bausteinen entstand in kurzer Zeit. «Im Januar wurde der Grundstein gelegt», erzählt die Freiämter Kindergärtnerin und Tanztherapeutin, «im Mai ging die Bauerei richtig los.» Das auch optisch ansprechende Kindergartengebäude weist drei Klassenzimmer für rund 80 Kinder auf, einen Gymnastik- und Musikraum, sanitäre Anlagen sowie eine Küche mit Essraum. «Ein Wunschtraum, der lange mit grossen Fragezeichen behaftet war, ist auf wunderbare Weise Realität geworden», fasst Furter zusammen.

«Sämtliche Türen aufgegangen»

Der zügigen Bauphase in Niaguis, die kurz vor der Fertigstellung steht, ging eine langwierige Prozedur voraus. Marielle Furter führte vor Ort vielerlei Verhandlungen und Gespräche, trieb Planung und Bewilligungsverfahren voran, redete bei der Auswahl der Baufirma mit. «Ich habe das ganze Drumherum bis zum Baustart etwas unterschätzt», erzählt die Freiämterin, die derzeit bei ihrer Mutter in Hägglingen weilt. Glücklicherweise seien ihr Experten, die mit den Verhältnissen im westafrikanischen Land vertraut sind, mit Rat und Tat und Tat zur Seite gestanden, «sodass letztlich sämtliche Türen aufgegangen sind.»

Ohne gesicherte Finanzierung wäre der neue Kindergarten ein Traum geblieben. Marielle Furter und ihr Unterstützungsverein mit Sitz in Villmergen brachten nicht weniger als 100 000 Franken zusammen. Sie sei sehr dankbar für «diese grandiose, unerwartet hohe Summe». Das viele Geld reiche auch aus, um alle Räume kindergerecht mit neuem Mobiliar auszustatten. Ein Teil des Geldes stammt aus Mitgliederbeiträgen und Unterstützungsgeldern des Vereins, ein zweiter Teil aus Spenden von Privatpersonen und ein dritter Teil aus Aktivitäten im Aargau wie Spaghettiessen, Basar oder Geschichtenerzählen.

2012

weilte Marielle Furter ferienhalber erstamls in Senegal. «Ich habe schon damals gespürt, dass ich hier einige Jahre leben möchte.» 2013 und 2014 zog es sie erneut einige Wochen in den Süden des westafrikanischen Landes. Im Dorf Niaguis, das rund 1700 Einwohner zählt, fiel ihr der erbärmliche und viel zu kleine Kindergartenraum auf. Sie beschloss, wenn immer möglich zu helfen und Gleichgesinnte zu finden. (SL)

«Ich werde Staatsangestellte»

Marielle Furter wird den neuen Kindergarten leiten, daneben Weiterbildungen für die Kindergärtnerinnen durchführen und selber auch einen Tag pro Woche mit den Kindern arbeiten. «Ich werde quasi Staatsangestellte im Bildungssektor, denn in Senegal werden die Kindergärtnerinnen und Lehrpersonen direkt vom Staat entlöhnt.» Umgerechnet 200 bis 300 Franken monatlich werde sie vermutlich erhalten, was zum Leben hier ausreiche. Fest steht, dass der Unterstützungsverein Villmergen (www.kindergardens4senegal.org) die Betriebs- und Unterhaltskosten des neuen Kindergartens sowie dessen Strom- und Wasserkosten bezahlen wird.

Rund fünf Jahre möchte die 51-jährige Kindergärtnerin und Tanztherapeutin im westafrikanischen Land verbringen. Ob Marielle Furter danach eine endgültige Auswanderin wird – ihre Schriften befinden sich nach wie vor in der Gemeinde Hägglingen –, weiss die reisefreudige Freiämterin heute noch nicht. Vielleicht unternehmen sie und der Unterstützungsverein schon bald einen Anlauf für ein zweites Kindergartenprojekt in Senegal. «Die Räume der Kindergärtler in zwei kleineren Nachbardörfern von Niaguis sind in einem katastrophalen, verbesserungswürdigen Zustand.»

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