Bünzen
Ein tragischer Todesfall und eine geplatzte Hochzeit

Die Theatergruppe feierte mit dem Freilichtspiel «Die Stickerin und der Fergger» am Freitagabend Premiere. Diese war bereits seit Wochen ausverkauft und begeisterte das Publikum.

BARBARA HAGMANN
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Die Fabrikarbeiter lassen sich die Lohnkürzungen nicht bieten und verhandeln mit dem Fabrikantensohn Fridolin Hagmann. Barbara Hagmann

Die Fabrikarbeiter lassen sich die Lohnkürzungen nicht bieten und verhandeln mit dem Fabrikantensohn Fridolin Hagmann. Barbara Hagmann

Eine malerische Idylle: Kohlrabi und saftig grüner Salat wachsen in den Vorgärten und warten darauf, taufrisch geerntet zu werden. Der Dorfbrunnen plätschert friedvoll vor sich hin und die Vorstadthäuser sind bescheiden aber dennoch einladend. Was sich hinter den Mauern, genauer gesagt im Leben der Bewohner abspielt, ist hingegen von tragischer Natur. Die Armut ist gross und der tägliche Kampf ums Überleben wird zum Lebensmittelpunkt.

Mit Ross und Wagen wird gezügelt
13 Bilder
Auf dem Dorfplatz wird über die Ungerechtigkeit in der Fabrik diskutiert
Der Fergger Schläpfer verhandelt mit Jakob Roth die Ratenzahlungen für seine Stickmaschine
Das kleine Vorstadthaus wird für 2 250 Franken versteigert
Lydia Roth glaubt, dass sie sich mit dem Hauskauf finanziell übernommen haben
Die Fabrikarbeiter lassen sich die Taggeldkürzungen nicht bieten und verhandeln mit dem Fabrikantensohn Fridolin Hagmann
Das Leben von Lydia Roth gerät durch den Tod ihres Ehemannes aus den Fugen
Das ganze Dorf trauert um Jakob Roth
Das ganze Dorf trauert um Jakob Roth
Mit Ross und Wagen wird gezügelt
Die Frauen vom Dorf erfahren, dass die Aufträge für die Heimarbeiter immer weniger werden
Des einen Leid ist des anderen Freud, das Fabrikantenehepaar erfreut sich eines sorgenfreien Lebens
Der Kommissar hat Neuigkeiten zum Tod von Jakob Roth

Mit Ross und Wagen wird gezügelt

Barbara Hagmann

Mit dem Bühnenstück «Die Stickerin und der Fergger» katapultiert die Theatergruppe Bünzen ihr Publikum hundert Jahre zurück in die Vergangenheit. In eine Zeit, in der Selbstverwirklichung keinen Platz hatte und es einzig und allein darum ging, die hungrigen Mäuler zu Hause zu stopfen.

Fabrikarbeiter und Heimarbeiter

Das Stück spielt in der Ostschweiz und erzählt die Geschichte von Jakob Roth. Der talentierte Sticker fasst den Mut und verlässt die Stickfabrik. Fortan versucht er, seine Familie als Heimarbeiter über Wasser zu halten. Als er bei der Versteigerung einer Stickmaschine von Fergger Erwin Schläpfer – einem Zwischenhändler – überboten wird, nimmt Roths finanzielle Misere ihren Lauf.

Er kauft die Stickmaschine auf Abzahlung und wird von Schläpfer finanziell abhängig. Der Ausweg, sich eine günstigere Stickmaschine anzuschaffen, endet im Leichenwagen. Die Witwe Lydia Roth lässt sich durch diesen Schicksalsschlag nicht entmutigen und beschliesst, sich selbst als Stickerin zu versuchen. Dabei wird sie von Katharina Suter, der Verlobten des Fabrikantensohnes Fridolin Hagmann, unterstützt. Letzterer äussert sich jedoch missbilligend zur wohltätigen Ader seiner Verlobten, worauf die gemeinsamen Zukunftspläne ins Wanken geraten.

Ein Stück Freiämter Geschichte

Mit dem Freilichtspiel «Die Stickerin und der Fergger» erinnert die Theatergruppe an die Freiämter Strohindustrie. Gezeichnet von zwei Weltkriegen und einer Wirtschaftskrise war die Bevölkerung neben ihrer Selbstversorgung auf ein Nebeneinkommen durch die Strohindustrie angewiesen.

Ausverkaufte Premiere

Bereits Wochen im Voraus war die Premiere ausverkauft. Die Darbietung stiess beim Publikum auf grosse Begeisterung und wurde mit stehender Ovation belohnt. «Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt. Vor allem an die Trauerzüge mit Pferd und Kutsche kann ich mich sehr gut erinnern», meinte etwa Alice Vogel aus Widen.

Die Wetterprognose stimmte glücklicherweise nicht: Es blieb während der ganzen Aufführung trocken. Mit wärmenden Wolldecken, die kurz vor Beginn grosszügig verteilt wurden, trotzte das Publikum der Kälte.

Regisseur Geri Müller war mit der Leistung seines Ensembles zufrieden: «Alles verlief wie geplant. Einzig der Trauerzug zog sich wegen einer kleinen technischen Panne in die Länge», räumte er ein. Beim Publikum blieb diese vermeintliche Panne unbemerkt. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Theatergruppe die Schauspiel- und Improvisationskunst beherrscht. Das Freilichtspiel «Die Stickerin und der Fergger» ist noch bis zum 14. September bei der ARA Bünzen zu sehen. Infos und Ticketreservationen: www.theater-buenzen.ch

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