Muri

Ein Staatsmann schrieb Geschichte: Vor 100 Jahren wurde der Politiker Leo Weber geboren

Ein Porträt von Leo Weber, der heute 100 Jahre alt würde.

Ein Porträt von Leo Weber, der heute 100 Jahre alt würde.

Einer der bekanntesten Freiämter CVP-Politiker könnte am Mittwoch seinen 100. Geburtstag feiern: Leo Weber aus Muri. Er bekleidete fast alle Ämter des Staats. Nur Gemeindeammann und Bundesrat war er nie.

Dafür aber nach Rechtsstudien in Freiburg, Lausanne und Bern erst Gerichtsschreiber am Bezirksgericht Muri, danach aargauischer Staatsanwalt, Regierungs- und Nationalrat. Schon als Student und bei den Jungkonservativen fiel Leo Weber als scharfsinniger Debattierer und schneller Denker auf. Der junge Advokat kam 1961 in die Politik, eine Amtsperiode als Grossrat und von 1965 bis 1976 als Regierungsrat.

Sein Gegenspieler innerhalb der CVP, der spätere Bundesrichter Carl Hans Brunschwiler (Wohlen), bescheinigte, dass sie auch nach der Wahl von Weber beste Freunde geblieben seien. Mehr noch: Brunschwiler blieb als Sekretär der Justizdirektor und Webers engster Mitarbeiter. Diese Konstellation stellte die Weichen fürs Verwaltungsgericht und die längst fällige Regierungs- und Verwaltungsreform. Weber stand von 1965 bis 1969 dem Justiz- und Polizeidepartement und bis 1976 dem Finanzdepartement vor. Als Schweizer Premiere brachte er als Finanzminister das erste Regierungsprogramm und den Finanzplan über die Bühne.

1973 bis 1980 gehörte Weber dem aargauischen Verfassungsrat an. Ihm schien der Verfassungsentwurf aber zu kompliziert und zu schwer verständlich. Deshalb zog er sich zurück. Er hatte aber doch die Grösse, die Verfassung nicht zu torpedieren. Weber sei als Politiker ein Realist und Praktiker mit dem Sinn für das Machbare gewesen, sagt sein damaliger Fraktionskollege im Verfassungsrat, der Schriftsteller Pirmin Meier.

Weber beendete seine politische Tätigkeit als Nationalrat, in dem er bis 1987 arbeitete. Er präsidierte die erste nationalrätliche Kommission für die Mehrwertsteuer.

Grosser Einsatz für die Kultur und das Kloster

In seinem Muri setzte er sich mit unerschöpflich scheinenden Kräften für das 1841 aufgehobene Kloster ein. Nach der Eröffnung des Benediktinerhospizes, 1957, schwebte ihm vor, in Muri ein Priorat zu etablieren. Als Kirchenpflegepräsident war die Wiederauferstehung des Klosters Muri seine Mission. Doch wäre es unschicklich gewesen, Muri-Gries aufzuheben und die Patres wieder nach Muri im Freiamt zu schicken. Seine Meisterleistung war 1969 die Gründung der Kulturstiftung St.Martin und 1970 dank der guten Beziehungen zum Haus Habsburg der Vertrag über die Errichtung der Familiengruft in Muri.

Kurz vor seinem 75. Geburtstag verstarb Leo Weber am 26.  Februar 1995 in seinen Ferien in Melchsee-Frutt. Sein Leben war aktiv gewesen und stets der Allgemeinheit verpflichtet.

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