Vom Schuhmacher über den Wagner bis zum Feuermacher: Zahllose alte, teilweise beinahe in Vergessenheit geratene Handwerkerinnen und Handwerker präsentierten sich am Samstag und Sonntag an diversen Ständen in der Bremgarter Altstadt. Man hatte als Besucher fast das Gefühl, sich statt in die Regionalbahn BDWM in eine Zeitmaschine gesetzt zu haben und einige hundert Jahre zurückgefahren zu sein.

Man spaziert an drei «Wöschwiibern» vorbei, die ihre – heutzutage mit Schmunzeln begutachtete – Unterwäsche der Grösse XXL an die Wäscheleine hängten und dahinter ganz traditionell mit Waschbrett und Öfeli die dreckige Wäsche wieder weiss zu kriegen versuchten. Oder aber man steckte bei der Gewürzhütte die Nase tief , aber nicht zu tief in die Gewürzsäcklein. Cayennnepfeffer, Knoblauchpfeffer oder Dillspitzen gab es da zu riechen.

Feuer machen auf hoher See

Die neugierigen Zuschauer hatten sich auch vor dem Feuermacher-Stand versammelt, wo alte Feuertechniken vorgestellt wurden. Welches Holz eignet sich am besten, wenn man auf hoher See unterwegs ist oder eine Flussüberquerung vor sich hat? Harzhaltiges Holz, erklärte der eine Feuermacher, sei in diesen Fällen die richtige Lösung. Zum Beweis schabte er ein paar feine Streifen davon ab, die er mit einem mittelalterlichen Feuerzeug in Brand setzte.

Selbstverständlich hatten auch Marktschreier und Eckensteher den Weg nach Bremgarten gefunden. Sie schwatzten den Besuchern unermüdlich Heilkräuter gegen allerlei Wehwehchen auf oder erzählten den neuesten Klatsch und Tratsch aus dem Dorf respektive dem Städtchen.

Selber Most pressen

Nicht nur zuschauen, sondern selber Hand anlegen war an manchen Ständen erlaubt. Da mass der eine oder andere Bub an der «Mostpresse» seine Muskelkraft mit beachtlichem Erfolg. Den frisch gepressten Apfelsaft genossen Passanten erfreut.

An einem grossen Zuber, gefüllt mit literweise «Papierbrei», standen Kinder und Erwachsene. Sie schauten dem Papierschöpfer gespannt zu, wie er ein Blatt nach dem anderen hervorzauberte. Etwas weiter hinten war ein Drechsler am Werken. Wie von Zauberhand fräste er aus einem Holzpflock einen währschaften Pilz heraus. Eine erfahrene Kartenleserin sagte einem die Zukunft voraus, ein Goldschmied fertigte wunderschöne Schmuckstücke an, ein Akkordeonmann unterhielt die Besucher pausenlos. Auf Schritt und Tritt begegnete man Alt-Neuem und Spannendem.

Tolle Kulisse und Zigermannli

Das Handy habe er nicht dabei, meinte Bremgartens Stadtammann Raymond Tellenbach, der in passender historischer Kleidung das Marktgeschehen verfolgte. Ihm gefielen besonders die Authentizität des Handwerkermarkts und die vorzügliche Kulisse, die Bremgarten für diesen Grossanlass bietet. Erfreulich sei auch die Begeisterung, mit der die Handwerker ihr Metier vorstellten.

Gast am Altstadtmarkt war der Kanton Glarus. Verständlich, dass das bekannte Zigermannli nicht fehlen durfte. Tatsächlich tauchte es während der Rede des Stadtammanns auf. Es brachte nicht nur Schabziger mit, sondern klopfte auch Sprüche. Das Mannli schwärmte in den höchsten Tönen vom Glarnerland. Kunststück, in seinem echten Leben ist das rührige Zigermannli nämlich nebenamtlicher Tourismus-Chef von Elm.