Gemeindeschreiber

«Ein Sprung ins kalte Wasser»: 38 Jahre in Jonen statt einmal um die Welt

Amtsmüde ist Arnold Huber überhaupt nicht.

Amtsmüde ist Arnold Huber überhaupt nicht.

Seit 1982 prägt Arnold Huber als Gemeindeschreiber seine Heimatgemeinde. Mit 63 Jahren geht er nun in Pension.

Eigentlich wollte er um seine frühzeitige Pension kein grosses Aufsehen machen. Doch wer 38 Jahre in der gleichen Gemeinde als Gemeindeschreiber tätig war, kann nicht einfach durch die Hintertüre abtreten. Keiner hat die Verwaltung in Jonen derart geprägt wie Arnold Huber.

Nun hat der 63-Jährige sein Amt an Nachfolger Lorenz ­Staubli übergeben. Die Anforderungen und die Aufgaben an einen Gemeindeschreiber sind in all den Jahren laufend gestiegen. Arnold Huber hat sie alle mitgemacht – mit viel Herzblut und Engagement für sein Dorf. «Mit 25 Jahren war mein Amtsantritt damals ein Sprung ins kalte Wasser. Ich brauchte sicher ein Jahr, bis ich nur wusste, welche Formulare es auf der Kanzlei alles gab und wo sie zu finden sind», blickt Arnold Huber auf seine Anfänge zurück.

Er hoffte auf Posten in der ganzen Welt

Dass er den Job in seiner Heimatgemeinde am 1.November 1982 überhaupt antrat, ist der Überzeugungskraft des damaligen Gemeindeammanns Max Staubli zu verdanken. «Es brauchte aber vier Telefonate von ihm, um mich davon zu überzeugen», erklärt Huber. Damals arbeitete er bei der kantonalen Verwaltung in Aarau und hatte nicht im Sinn, einmal Gemeindeschreiber zu werden. «Ich plante eine berufliche Karriere im konsularischen Dienst und hoffte auf Posten in der ganzen Welt», sagt Huber.

Jobangebote anderer Gemeinden lehnte er ab

Doch es kam alles anders – aber nicht schlechter. Statt Washington, Paris oder Peking hiess sein Arbeitsort in den vergangenen 38 Jahren stets Jonen. Dort, wo er schon die KV-Lehre auf der Verwaltung gemacht hatte. Bereut hat er es nie. «Es ist mit keinem anderen Beruf zu vergleichen», sagt Huber, der Jobangebote anderer Gemeinden und Städte immer ablehnte. Als er begann, war Jonen ein Dorf mit 800 Einwohnern, davon rund 60 Bauern. Mittlerweile hat sich die Einwohnerzahl fast verdreifacht und es gibt nur noch etwa zehn Haupterwerbsbauern.

Huber war Anlaufstelle für zig Anliegen und Fragen der Jonerinnen und Joner, auch oft in seiner Freizeit beim Spazieren am Wochenende. «Dass der Gemeindeschreiber im Dorf wohnt, ist keine Bedingung, aber ein gewaltiger Vorteil. Auch wenn das heute viele, vor allem junge Berufskollegen, ganz anders sehen», sagt Huber. Er liebte seine Arbeit, hat sich mit ihr identifiziert. Weit über das Minimum hinaus. «Es braucht Organisationstalent, menschliche Zurückhaltung, politisches Flair, Belastbarkeit, Ehrlichkeit, Fairness und nicht zuletzt Humor, um in dieser Aufgabe nicht unterzugehen», beschreibt Huber die Anforderungen an einen Gemeindeschreiber. In den 38 Jahren als Leiter der Joner Verwaltung durfte er sechs Gemeindeammännern und 21 Gemeinderäten «dienen».

Auch persönlich hat ihn seine Arbeit geprägt

Den Umgang mit seinen Vorgesetzten empfand Huber stets als angenehm. «Die Räte hatten immer einen weitreichenden Blick in die Zukunft der Dorfentwicklung. Das prägte auch mich. Ich lebe in der Gegenwart und in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit», sagt Huber.

Ein Lob möchte er seinem Verwaltungsteam aussprechen, das fachlich und menschlich eine tolle Arbeit leiste. Sieben Angestellte und zwei Lernende teilen sich die aktuell 480 Stellenprozente. Sein Büro, übrigens die ganzen 38 Jahre das gleiche, hat er letzte Woche entrümpelt. Im Laufe der übernächsten Woche sagt Huber endgültig Adieu. Für seinen Nachfolger möchte er aber auch in Zukunft bei Fragen zur Verfügung stehen. «Die Devise ‹Nach mir die Sintflut› entspräche nicht meiner Art.» Zwei Geschäfte hätte er in seiner Laufbahn gerne noch zu Ende begleitet: die Gesamtrevision der Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland sowie die Sondernutzungsplanung «Im Feld». Dies bleibt ihm nun verwehrt. «Das ist schade», meint Huber.

Nun tauscht er Bürostuhl gegen Chauffeursitz

Nicht nur sein ganzes Berufsleben hat sich Huber für Jonen eingesetzt, sondern auch in der Freizeit war er engagierter Bürger. Bis 2012 musizierte er während 39 Jahren im Musikverein, ist dort Ehrenpräsident und war auch acht Jahre Kirchenpflegemitglied. «Ohne die Unterstützung meiner Frau Irene und meiner Kinder im Hintergrund wäre dies nicht möglich gewesen», sagt Huber. Den Entschluss, schon mit 63 aufzuhören, fällte er bereits vor über einem Jahr. «Ich bin überhaupt nicht amtsmüde, es passt einfach zum jetzigen Zeitpunkt», erklärt er.

Von 100 auf 0 wird Huber aber nicht aus dem Berufsleben aussteigen. «Ich muss noch etwas machen, das mich körperlich und geistig aktiv hält.» Deshalb wird er sein bisheriges Hobby ausbauen. Huber ist nämlich seit acht Jahren an vier bis fünf Tagen monatlich als Postautochauffeur im Einsatz. Dies möchte er auf rund ein Dutzend Tage erweitern.

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