Wohlen
Ein Sonnenkraftwerk und ein neues Hallendach in einem

Auf der 320 Meter langen und 80 Meter breiten Industriehalle der Ferrowohlen AG entsteht eine riesige Solaranlage. Die Energiegenossenschaft ADEV will die Anlage schon in zwei Monaten ans Netz anschliessen.

Fabian Hägler
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Projektleiter Heinrich Studer und Praktikantin Bettina Steinmann mit einem von 11 800 Solarmodulen, die bis Ende September auf der Industriehalle der Ferrowohlen AG montiert werden.

Projektleiter Heinrich Studer und Praktikantin Bettina Steinmann mit einem von 11 800 Solarmodulen, die bis Ende September auf der Industriehalle der Ferrowohlen AG montiert werden.

Chris Iseli

Mit der Baubewilligung hat die ADEV Gruppe aus Liestal grünes Licht für den Bau ihrer 2,8-Megawatt-Solarstromanlage erhalten. Auf dem Dach der Industriehalle der Ferrowohlen AG wird bis Ende September die grösste dachintegrierte Anlage der Schweiz erstellt. Die Energiegenossenschaft ADEV will die 25 000 Quadratmeter grosse Anlage schon in zwei Monaten ans Netz anschliessen.

Das Hallendach ist undicht und aufwändige Sanierungsarbeiten stehen an. Bei der Planung stellte sich die Ferrowohlen AG die Frage, ob anstelle eines neuen Dachs nicht gleich eine Solarstromanlage gebaut werden könnte, die Dachhaut und Stromproduzent in einem ist. «Die ADEV hat in enger Zusammenarbeit mit der Solventure GmbH in Wettingen diese Herausforderung angenommen und eine neue optimierte Lösung entwickelt, die beiden Anforderungen gerecht wird», erklärt Projektleiter Heinrich Studer.

Solarmodule auf dem ganzen Dach

Diese liegt laut einer Mitteilung des Unternehmens in einer wartungsfreundlichen «Ost-West-Aufständerung mit kristallinen Modulen». Etwas einfacher ausgedrückt: Auf der ganzen Halle werden Solarmodule angeordnet, die aber nicht direkt auf die Dachfläche montiert, sondern in einem flachen Winkel von 13 Grad gegeneinander aufgestellt werden (siehe Bildmitte). «Die Planungsarbeit ist abgeschlossen, die Aluprofile für die Aufständerung sind bereit, die Installationsarbeiten können beginnen», freut sich Andres Appenzeller, Geschäftsleiter bei der ADEV-Gruppe.

Beim Fototermin auf dem Dach zeigt sich: Die Dimensionen der Halle sind riesig. 320 Meter lang und 80 Meter breit ist das Dach, auf einer kleinen Fläche sind schon Solarmodule montiert. «Insgesamt werden wir 11 800 Panels verbauen», sagt Projektleiter Studer. Zuvor müssen aber die Punkte für die Halterungen genau vermessen, die Modulständer montiert und die Elektrokabel verlegt werden. «Die erste Modullieferung erfolgt am 20. August, damit wir rechtzeitig fertig werden, müssen wir pro Tag rund 500 Module einbauen», rechnet Studer vor.

Mehr Strom als angenommen

Die ursprünglichen Pläne einer Dünnschichtanlage wurden geändert, nachdem die Produktionslinie für diese Module im Tessin geschlossen wurde. Dies hat zur Folge, dass die Anlage deutlich mehr Strom liefern wird, als angenommen. «Die kristallinen Module, die wir nun verwenden, sind zwar etwas teurer und schwerer, ihr Wirkungsgrad ist aber auch besser», erklärt Studer.

Jährlich wird die Anlage rund 2,5 Millionen Kilowattstunden Strom liefern. «Die Gestehungskosten betragen unter 30 Rappen pro Kilowattstunde», erklärt Studer. Der Strom wird direkt ins Netz der IBW Energie AG in Wohlen eingespeist. «Die nötigen Leitungen der Mittelspannung pünktlich fertigzustellen, ist laut Studer eine grosse Herausforderung.

St. Gallen zahlt Öko-Mehrwert

Der Solarstrom vom Ferrodach wird zum Marktwert vergütet. Den ökologischen Mehrwert finanzieren die Stadtwerke St. Gallen. «Leider konnte kein Aargauer Energieversorger für eine Liefervereinbarung von jährlich 2,5 Mio. kWh Solarstrom gewonnen werden», bedauert Studer. In St. Gallen enthalte der Strommix einen Anteil an Solarenergie, deshalb sei dort ein Bedürfnis vorhanden.

«Dank der vorbildlichen Strategie der St. Galler Stadtwerke können wir diesen Schritt zur Energiewende umsetzen», erklärt Studer. Doch er hält fest, solche Individuallösungen sollten die Notwendigkeit einer gesamtschweizerischen Vergütungslösung nicht relativieren. «Die Bundespolitik bleibt in der Pflicht: Erst wenn die kostendeckende Einspeisevergütung in grossen Schritten freigegeben wird, kann sich das Potenzial der
erneuerbaren Energien entfalten.»

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