Beinwil

Ein Schulprojekt aus grosser Leidenschaft – für bis zu 70 Jugendliche

Projektleiter Jörg Hillinger, Projektentwickler Kai Isemann und Stiftungsbeirat Daniel Stekhoven (von links) besprechen Möglichkeiten der Nutzung.

Projektleiter Jörg Hillinger, Projektentwickler Kai Isemann und Stiftungsbeirat Daniel Stekhoven (von links) besprechen Möglichkeiten der Nutzung.

Es gibt nicht viele Möglichkeiten, die alte Mühle in Winterschwil zu erhalten und zu nutzen, sagt Kai Isemann. In der alten Mühle in Winterschwil wird eine Montessori-Schule für die Oberstufe konkret geplant.

 «Eine Luxus-Wohngemeinschaft von ein paar gut betuchten Leuten könnte ich mir vorstellen, aber sicher besser eignet sich die Liegenschaft für eine Montessori-Schule», sagt Kai Isemann. Er ist eine der treibenden Kräfte, in den 400-jährigen Gebäulichkeiten eine solche Schule zu realisieren. Bis heute ist das Schulkonzept der Montessori-Erdkinder-Pädagogik in der Schweiz nur für Kinder bis 12 Jahre verfügbar. Mit der Gründung der Montessori-Erdkinder- Schweiz-Stiftung sind nun er, zusammen mit weiteren Stiftungsratsmitgliedern und Projektleiter Jörg Hilliger daran, dies mit einer ersten Schule in Winterschwil für Jugendliche ab 12 bis 18 Jahren zu ändern. Isemann ist guter Dinge: «Wenn jemand sagt, etwas geht nicht, dann fordert mich das heraus. Meistens geht es doch», sagt der Mann, der sich – «hauptsächlich, aber nicht nur» – leidenschaftlich der Entwicklung spannender Nutzungskonzepte für denkmalgeschützte Bausubstanz und deren Revitalisierung widmet. Die alte Mühle kommt ihm da gerade gelegen.

«Da», sagt er und zeigt auf den ehemaligen Schweinestall, «hätten wir gerne die Küche und den Essraum eingebaut. Aber diese Nutzungsänderung hat in diesem denkmalgeschützten Objekt keine Chance. Kein Grund für den Projektentwickler, den Kopf hängen zu lassen. Im oberhalb stehenden grossen Schopf sieht er die Möglichkeit, Ateliers und eine grosszügige Aula zu realisieren. Inwieweit dies umgesetzt werden kann, ist derzeit in Abklärung. Die Realisierung von Schulräumen sei auch in der nebenan liegenden Sägerei möglich: «Die Montessori-Pädagogik braucht nicht die gewohnten Klassenzimmer». Das Wohnhaus bliebe Wohnhaus und Aufenthaltsort für die Schülerinnen und Schüler.

Bis gegen 70 Schüler

Die Stiftung geht von 40 Tagesschülern und maximal 26 im Internat aus. «Die baulichen, gesetzlichen Anforderungen zur Führung der Schule – von getrennten Toiletten bis zu genügendem Licht – sind auf dieser historischen Liegenschaft zu erfüllen, ohne etwas zu zerstören», betont Isemann. Auch der Brandschutz stelle keine unlösbare Aufgabe dar. Noch ist zwar alles in der Projektphase, die Vorstellungen aber sind sehr konkret. Im besten Fall soll die Schule ab 2021 den Betrieb aufnehmen können, teilweise allerdings noch in Provisorien in der Umgebung.

«Die ganze Fertigstellung könnte, wenn alles gut läuft, auf 2022 erfolgen», erklärt Hilliger. Die Gesamtkosten veranschlagt Isemann auf rund 10 Mio. Franken; die Liegenschaft mit rund 14'000 Quadratmeter Land, Wald, eigener Wasserquelle, Sägerei, Mühle und Ölpresse ist für 4,2 Mio. Franken zum Verkauf ausgeschrieben. 

Mit den Schülern entwickeln

Die Stiftung stellt den Jugendlichen nicht einfach eine schöne, fertige Anlage hin. Die alte Mühle in Winterschwil könnte sich zusammen mit den Schülerinnen und Schülern entwickeln und neues Leben erhalten, glaubt Isemann. «Sie sind vielleicht in einem gewissen Rahmen an der sanften Sanierung beteiligt, sie züchten vielleicht wieder Fische oder können Eier aus der Hühnerhaltung an Demeter-Läden verkaufen». Ideen gibt es viele, die Jugendlichen sollen sie aber primär selber und unter Einbezug der Menschen im Weiler und der unmittelbaren Umgebung entwickeln, was zur Montessori-Pädagogik passt, die auch Gemeinschaftsarbeit und praktische Betätigung neben dem theoretischen Schulstoff hochhält. Unbestreitbar ist für Isemann, dass die Liegenschaft das Potenzial hat, neben den land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten Ateliers für künstlerische Tätigkeiten, Musik und Theater sowie Werkstätten für Holzbearbeitung und Handarbeit zu bieten.

Sanft und nachhaltig

Isemann ist der Überzeugung, dass historische Gebäulichkeiten nur sanft, dafür nachhaltig zu sanieren sind. Dafür setzt er lokale Baumaterialien ein und pflegt traditionelles Handwerk. «Es gibt sie noch, die Handwerker, die das können.» Er verweist auf die erfolgreiche Sanierung und den Ausbau für den Schulbetrieb der Remise Schloss Glarisegg oder auf die Realisierung von vier eigenständigen Hausteilen in einem über 200-jährigen Bauernhaus in Gutenswil.

Klar ist ihm und der Führung der Montessori-Erdkinder-Schweiz-Stiftung auch, dass in der Bevölkerung viele Fragen und vielleicht auch Befürchtungen angesichts rund 70 Kindern im ruhigen Weiler Winterschwil auftauchen können. Mit transparenter Information sollen diese ausgeräumt werden.

Und schliesslich ist er zuversichtlich, die benötigten finanziellen Mittel aufzutreiben. «Geld ist vorhanden, und es gibt die Leute, die nicht auf die kurzfristige, schnelle Rendite aus sind, sondern sich gerne für langfristige und nachhaltige Investitionen mit dennoch gutem Ertrag interessieren.»

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Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

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