Muri
«Ein Regenbecken ist kein Güllenloch»

An der Gmeind in Muri wurde das neue Regenrückhaltebecken für 2,65 Mio. Franken genehmigt. Weil aber viele nicht wissen, was das genau ist, informiert die Gemeinde nun.

Andrea Weibel
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Gemeindevizepräsidentin Milly Stöckli mit Leiter Bau und Planung Heinz Fischlin im Rückhaltebecken Katzbach. aw

Gemeindevizepräsidentin Milly Stöckli mit Leiter Bau und Planung Heinz Fischlin im Rückhaltebecken Katzbach. aw

Mit 74 Ja- zu 70 Nein-Stimmen genehmigten die Murianer das neue Regenrückhaltebecken beim Tennisplatz vor einer Woche äusserst knapp. «Dass es Gegenstimmen geben würde, war mir bewusst, doch dass es so knapp ausgehen würde, hätte ich nicht erwartet», so Gemeindevizepräsidentin Milly Stöckli. Sie führt das darauf zurück, dass viele Einwohner gar nicht genau wüssten, was ein Regenrückhaltebecken überhaupt sei. Ein Redner stiftete zusätzlich Verwirrung, als er das Becken mit einem Güllenloch verglich. Gegen diese Falschinformationen und die Ratlosigkeit geht die Gemeinde vor.

«Das einzige, was ein Rückhaltebecken und ein Güllenloch gemeinsam haben, sind die viereckige Form und die Betonwände», stellt Stöckli klar. Bauverwalter Heinz Fischlin erklärt: «Das Problem bei Hochwassern ist, dass die Kläranlage das viele Mischwasser gar nicht fassen kann. So ergibt sich ein Rückstau, der die Keller der umliegenden Gebäude überfluten und grosse Schäden anrichten kann. Davor schützt das Regenbecken.»

Das unterirdische Becken dient zur Vorreinigung des gesamten Wassers. Erst wird der Dreck, vor allem Fäkalien, der sich am Boden absetzt, vom Wasser getrennt, indem das saubere Wasser über eine Mauer fliesst, während der Dreck vor der Mauer aufgehalten wird. Danach werden die schwimmenden Verunreinigungen, zum Beispiel Toilettenpapier, abgesondert, indem das saubere Wasser unter einer schwimmenden Tauchwand hindurchgedrückt wird, während die Abfälle oben aufgehalten werden. All die Verunreinigungen, also das Dreckwasser, werden zur Abwasserreinigungsanlage (ARA) geleitet. Das Sauberwasser hingegen fliesst in den Bach – im Fall des Regenbeckens Tennisplatz in die Bünz.

Platz ist überlegt gewählt

«Die Gemeinde ist verpflichtet, solche Lösungen umzusetzen», sagt Stöckli. Denn die Gebäudeversicherung bezahlt bei einer Überflutung des Kellers nur den ersten Fall, danach müsste die Gemeinde dafür aufkommen. Auch der Standort beim Tennisplatz sei überlegt gewählt worden. «Man hätte die Anlage auch weiter unten an der Bünz planen können, aber dort hätten wir künftiges Bauland verbauen müssen. Ausserdem wäre es teurer gewesen, denn unter dem Tennisplatz besteht bereits ein Regenentlastungsbecken, dessen Leitungen wir direkt verwenden können.» Das Becken wird unterirdisch und somit unsichtbar auf einer Fläche von 40 mal 9 Metern unter zwei Tennisplätzen verbaut. Einzig das Betriebsgebäude wird sichtbar sein, dort befinden sich Zugang und Steuerung, die fast vollautomatisch sämtliche Vorgänge regelt.

Teuer wegen Bahntrassee

Die 2,65 Millionen kommen aber nicht allein durch das Regenbecken zustande, hält der Bauverwalter fest. «Das Becken ist standortgebunden: Es muss beim Hauptsammelkanal und in Bachnähe gebaut werden. Da sich die möglichen Bauplätze daher alle entlang der Bahnlinie befinden, müssen wir dort erst Spundwände zur Sicherung der Baugrube einbauen.» Das Trassee darf bei solchen Arbeiten um höchstens einen Millimeter verschoben werden, deswegen wäre ein Bau ohne Spundwände unmöglich. «Ausserdem müssen die zwei Tennisplätze rückgebaut und anschliessend wieder erstellt werden.»

Stöckli ist froh, haben die Murianer das Becken angenommen. «Sonst wäre uns keine andere Möglichkeit geblieben, als im Sommer nochmals eines zu projektieren. Wir brauchen ein Regenbecken, das schreibt der Kanton vor.»

Um die Einwohner genauer über die Arbeitsweise eines Regenrückhaltebeckens zu informieren, lädt die Gemeinde im März zu einem Tag der offenen Tür im Regenbecken Katzbach ein.