Brockenstuben

Ein Paradies für Schatzsucher: Diese Besonderheiten lagern in Freiämter Brockis

Im ganzen Freiamt verteilt, finden sich allerlei kurlige Besonderheiten. Zwar spüren die Brockenstuben die Konkurrenz aus dem Internet, sie wissen aber auch die Vorteile der neuen Technologien zu nutzen.

Ein 70 Jahre alter Schrank mit handgeschnitzten Ornamenten, seltene Briefmarken und Postkarten oder elektronische Flipperkästen, die man noch aus alten Bars und Pubs kennt – in den Freiämter Brockenhäusern schlummern viele Kostbarkeiten und warten darauf, von Schatzsuchern entdeckt zu werden. Solche wertvollen Gegenstände finde man aber, wenn man sie gezielt suche, eher selten, wie Beatrix Salerno von der Brockenstube an der Bünz in Wohlen erklärt. «In einem Brockenhaus sollte man sich beim Durchgehen Zeit nehmen. Wenn man ein Auge dafür hat, findet man hier ganz spezielle Sachen», rät sie. In der seit über 50 Jahre bestehenden Brockenstube am Bünzweg wären das Designerradios, spezielle Stühle oder Gegenstände aus Kupfer. «Bei uns gibt es Sachen, die man sonst nicht findet», so Salerno. Aus diesem Grund bleibe wohl auch die Kundschaft trotz Internet nicht fern.

Von der Brocki bis nach Mexiko

Dass Leute vermehrt ihre alten Möbel und andere Gegenstände selber verkaufen, bemerken auch Patrick Schaerz und seine Frau Monika, die das Brockitare in Boswil bereits seit 16 Jahren führen. «Das Internet bringt aber auch Vorteile mit sich», betont Schaerz. So führen die beiden auch eine Website, auf der ihre Kunden Einzelstücke aus dem Brockenhaus erwerben können. Es wurde sogar schon das eine oder andere Möbel ins Ausland verkauft. «Ein Biedermeier-Sofa ist von uns bis in die Tschechei gereist. Der Kunde hat das Möbel zuvor nie live gesehen, sondern hat es übers Internet bestellt», erzählt Schaerz. Ein Sessel sei mit einem Freiämter Auswanderer sogar bis nach Mexiko gegangen.

Neben solch speziellen Möbeln findet man in der Brockitare auch Elektromechanisches, wie alte Musikautomaten oder einen Flipperkasten. «Das sind für viele Leute schöne Jugenderinnerungen.» Ganz speziell ist das Hinterteil eines Autos, das gefüllt mit Musikplatten die Wand neben der Kasse schmückt und das Patrick Schaerz auch vermissen würde. Es haben schon einige probiert, ihm dieses abzukaufen. «Dafür müsste mir jemand einen wirklich guten Preis bieten. Das hat bisher noch niemand geschafft», lacht er.

Angst um die Zukunft

Leider haben nicht alle Brockenstuben im Freiamt das Glück, nach wie vor auf Kundschaft zählen zu können. Angelika Wernli aus Wohlen hat Angst um die Zukunft ihres Geschäfts: «Ich weiss nicht, was ich machen würde, wenn ich schliessen müsste.» Im vergangenen Jahr habe sie mit ihren Einnahmen nicht einmal die Lokalmiete bezahlen können. Wernli gibt sich Mühe, mit verschiedenen Angeboten wieder Kunden anzulocken. «Im Sommer können Leute jeweils am letzten Samstag im Monat einen eigenen Stand bei uns auf dem Parkplatz aufstellen. Gemeinsam grillieren wir dann noch.»

In ihrem Geschäft an der Zentralstrasse 64 in Wohlen findet man fast alles, auch aussergewöhnliches, wenn man sich die Zeit nimmt. So bemerkt man die schrullige Fasnachtspuppe die mit ihrem bunten Gewand erst beim zweiten Mal hinschauen. Im oberen Stockwerk bietet Wernli auch Möbel an. Dafür arbeite sie hin und wieder mit Keles Teyfik, bekannt als Teo, zusammen. Ihm gehört das Brockenhaus Kian in Wohlen. «Wenn er Möbel erhält, die bei ihm kein Platz mehr haben, bringt er sie mir», erzählt Wernli.

Keles Teyfik führt sein Geschäft bereits seit 10 Jahren. Ihm ist es wichtig, dass seine Kunden ihm vertrauen: «Ich verkaufe nichts, das ich nicht selber mit nach Hause nehmen würde.» So findet man in seinem Brockenhaus beispielsweise keine Bettwäsche, dafür viele alte Designermöbel. «Dieser Schrank ist über 70-jährig und steht schon seit drei Jahren bei mir.»

Keine Reue

Ein besonderes Möbelstück steht auch bei Eveline Wittwer im Brockenhaus Sarmenstorf. Eine alte Vitrine mit Holzverzierungen. «Ich finde, sie spricht einen extrem an und sie ist auch sehr aufwendig verarbeitet», sagt Wittwer über den Schatz, der schon seit drei Jahren bei ihr steht. Wehmütig würde sie allerdings nicht werden, sollte jemand die Vitrine kaufen. «Wenn ich weiss, dass etwas an einen guten Ort kommt, reut mich kaum etwas.»

Wir haben nur einige der vielen Freiämter Brockenstuben besucht. Wer weiss, was in der Region sonst noch zu finden ist.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1