Wohlen

Ein neuer Sozialdienst, weil Armut ist mehr als ein leeres Portemonnaie

Hanspeter Stierli (links), Alessandra Schaefer, Martin Uhr und Regula Kuhn stellten den Sozialdienst vor. Jörg Baumann

Hanspeter Stierli (links), Alessandra Schaefer, Martin Uhr und Regula Kuhn stellten den Sozialdienst vor. Jörg Baumann

Fachleute informierten über den geplanten Aufbau eines Kirchlichen Regionalen Sozialdienstes der katholischen Pfarreien Wohlen, Hägglingen, Fischbach-Göslikon und Niederwil und stiessen mit der Idee auf ein gutes Echo.

Der geplante Kirchliche Regionale Sozialdienst der katholischen Pfarreien Wohlen, Hägglingen, Fischbach-Göslikon und Niederwil stiess am Info-Abend in Wohlen auf ein gutes Echo: «Nur der Name ist ein Zungenbrecher. Eine einfachere Bezeichnung wäre besser», monierte ein Wohler Kirchgemeindemitglied. Gut kam die Idee an, dass die Caritas Aargau als kompetente Partnerin mit im Boot ist. Der Sozialdienst sei «ein Liebesdienst am Nächsten», sagte Pastoralassistent Hans-Peter Stierli aus Wohlen. Er zitierte als Zeugen den französischen Bischof Gaillot: «Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.»

Not nicht direkt sichtbar

«Die Armut ist mehr als ein leeres Portemonnaie», erklärte Regula Kuhn, Co-Leiterin von Caritas Aargau. Über 100'000 Aargauerinnen und Aargauer lebten in prekären Verhältnissen, ohne dass sie unbedingt Sozialhilfe bezögen. «Diese Not ist nicht direkt sichtbar.» Der Sozialdienst sei keine Konkurrenz zum Sozialamt und zum Staat. Vielmehr wolle er als Gesprächspartner und Ratgeber für Menschen auftreten, die am Rand der Gesellschaft mit ihrer fehlenden Arbeitskraft, Potenz als Konsumenten und ihrer Stimmkraft überflüssig geworden seien.

Der Sozialdienst sei nicht dafür da, primär Geld zu verteilen, wurde verschiedentlich betont. Er biete den Ratsuchenden aber Zeit für ein Gespräch und den Kontakt zu Fachstellen an. Die bestehende Freiwilligenarbeit in der Kirche werde dadurch nicht tangiert, sagte Hans-Peter Stierli. Der Dienst sei als Zusatzangebot zu verstehen, betonte Martin Uhr, Vizepräsident der katholischen Kirchenpflege Wohlen. Die Reformierte Kirchgemeinde Wohlen sei angefragt worden, ob sie sich am Projekt beteiligen wolle. Doch habe diese signalisiert, dass sie ihre Prioritäten anders gesetzt habe. Die katholische Kirchgemeinde Wohlen würde für den Dienst drei Steuerprozente einsetzen, der Steuerfuss muss nicht erhöht werden.

Region Mutschellen läuft gut

Bereits gut angelaufen ist der Sozialdienst für die Region Mutschellen in Berikon. Stellenleiterin Alessandra Schaefer berichtete, dass sie auch schon von der Spitex auf Notlagen hingewiesen worden sei. Sie versteht ihren Auftrag bewusst über die konfessionellen Grenzen hinweg und hat auch einen Meeting-Point für immigrierte Frauen aufgebaut. Zwei Lehrerinnen erteilen ihnen Deutschunterricht. Direkt spürbar seien auf dem Mutschellen die hohen Mietzinse. Zu diesem Thema habe sie ein Podiumsgespräch durchgeführt, sagte Schaefer. Regula Kuhn machte darauf aufmerksam, dass man den Umgang mit «Passanten» regeln müsse, die beim Sozialdienst Geld abholen möchten. «Gute Sozialarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass man manchmal auch Nein sagen muss.»

Entscheide: Die Kirchgemeinden entscheiden wie folgt über das Projekt: Hägglingen am 15. November, Göslikon am 22. November, Niederwil und Wohlen am 24. November.

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