Um es gleich vorweg zu nehmen: Die gut aufgestellte Stadtmusik hat einmal mehr bewiesen, dass sie zu den besten Harmonie-Formationen weit über die Region hinaus gehört. Unter dem Motto «Sonnentanz» präsentierten sie an ihrem Jahreskonzert ein abwechslungsreiches Programm, sieben Nummern waren Arrangements bekannter Komponisten wie Rachmaninow, Bernstein oder Dave Brubeck, die Übertitelung des Konzerts mit «Sonnentanz» blieb allerdings etwas schleierhaft. Vielleicht hat ja der Bandoneon-Solist Michael Zismann, der in seiner Heimat Argentinien dieses höchst virtuose Instrument erlernt hat, dieses Motto beeinflusst. Aber abwechslungsreich wäre dieser Konzertabend im Casino auch ohne Motto dahergekommen, die ausgewählten Programmnummern waren in ihrer Vielfalt eigentlich selbsttragend und stringent.

Niki Wüthrich ist als Dirigent der Stadtmusik längst kein Unbekannter mehr. Er kennt seine Musiker und versteht es, diese Talente zu führen und zu fördern. Die showmässige Einlage zum Beginn des Konzerts (die Stadtmusiker und Stadtmusikerinnen traten im Saal auf und zwängten sich spielend zwischen den gut besetzten Tischreihen durch) kam beim Publikum gut an. Aber die zweite Programmnummer lies aufhorchen, «Colors», des US-amerikanischen Blues-Komponisten und Sängers Bob Margolis, eine Suite von vier Sätzen, begann sehr expressionistisch, der dritte, langsame Satz dieser Komposition aber kam so stimmungsvoll daher, dass jeder Freund der Blasmusik sich heimlich gewünscht hätte, dass dieser Satz als «Dreingabe» nochmals wiederholt würde.

Eine Vielfalt an Nuancen

Er war der grosse Solist an diesem Abend. Michael Zisman mit seinem Bandoneon. Dieses Instrument, das vor allem mit dem Tango in den lateinamerikanischen Kulturen in Verbindung gebracht wird, hat eine eigenartige Geschichte. Erfunden wurde das Instrument nämlich von einem Deutschen. Der Krefelder Musiklehrer Heinrich Band wollte den geläufigen Tonumfang der damals üblichen «Concertinas» erweitern und entwickelte das nach seinem Namen benannte «Bandoneon» mit weit über hundert Tönen.

Klanglich kann ein Solist auf diesem Instrument eine Vielfalt an Nuancen erreichen, das Instrument wurde über Amerika nach Südamerika weitergereicht und ist in der aktuellen Tango-Tradition fest verankert. Der schweizerisch-argentinische Musiker Michael Zisman gehört heute zu den besten Bandoneon-Solisten, und es war eine helle Freude, seiner Virtuosität zu lauschen. Dabei gilt ein Teil dieses Kompliments auch der Bremgarter Stadtmusik, denen es gelang, diesen Könner zu engagieren.

Und etwas fällt immer wieder auf, wenn die Bremgarter Stadtmusik im Casino auftritt. Die Perkussionsgruppe ist stark besetzt, die Klarinetten und Querflöten ebenso. Und die Blechbläser sind exakt in Intonation und Ansatz. Man darf sich jetzt schon freuen auf den nächsten Auftritt der Stadtmusik, mit oder besser noch ohne Polka als Dreingabe.