Bremgarten
Ein Leben für den Sport – und das alles auf vier Rädern

Die Waltenschwiler Rennrollstuhl-Leichtathletin Patricia Keller erlebte bei den Paralympics in London 2012 ihr sportliches Karriere-Highlight. Im St. Josef erzählte die 23-Jährige von ihrem Leben auf vier Rädern.

Dean Fuss
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Organisator Manfred Breitschmid bedankt sich bei der Rennrollstuhl-Leichtathletin Patricia Keller für ihr Referat im St. Josef.

Organisator Manfred Breitschmid bedankt sich bei der Rennrollstuhl-Leichtathletin Patricia Keller für ihr Referat im St. Josef.

Dean Fuss

Voller Selbstvertrauen referiert Patricia Keller über ihr Leben im Rollstuhl.

Gebannt lauschen die Zuhörerinnen und Zuhörer im voll besetzten Saal des Restaurants Jojo der St. Josef-Stiftung der jungen Waltenschwilerin. Sie sitzt im Rollstuhl, seit sie mit einem offenen Rücken geboren wurde.

Rund ein Jahr ist es her, seit die 23-jährige Rennrollstuhl-Leichtathletin als Teilnehmerin an den Paralympischen Spielen in London ihren bisherigen Karrierehöhepunkt erlebte.

Noch heute schwärmt Keller vom grandiosen Erlebnis. Ihre Augen funkeln verzückt, wenn sie berichtet, wie es war, vor einer Kulisse von 80 000 Zuschauern aufzulaufen.

Den Auftritt auf der ganz grossen Bühne hat sich Keller hart erarbeitet: Nach ihrer Lehre als Detailhandels-Fachfrau im Volg in Waltenschwil nahm sie sich eine Auszeit für einen dreimonatigen Neuseeland-Aufenthalt und für intensives Training für die Wettkämpfe in London.

Rund 20 Stunden Training die Woche

Gerne würde Keller nun neben dem Sport wieder 50 bis 60 Prozent arbeiten. Die Jobsuche gestaltet sich aber wegen ihres Handicaps als nicht ganz einfach.

Deshalb hat Keller momentan viel Zeit fürs Training. Fünf bis sieben Mal pro Woche, insgesamt rund 20 Stunden, trainiert sie im Paraplegiker-Zentrum in Nottwil.
Mit dem Zug reist sie jeweils aus ihrem Elternhaus ins Luzernische. Das gehe gut, da die meisten Bahnhöfe rollstuhlgängig seien.

Zwischen Waltenschwil und Nottwil sei einzig der Bahnhof Wohlen problematisch: «Die Perrons sind dort noch nicht auf die Niederflurzüge angepasst.» Beim Ein- und Aussteigen benötige sie dort Hilfe, um den Absatz zu meistern.

Fremde um Unterstützung zu Fragen braucht Überwindung. Umso mehr, als Keller selber viel Wert auf ihre Eigenständigkeit legt.

Bereits als 15-Jährige wohnte sie in einem Internat im Kanton Thurgau, wo sie eine Sportschule besuchte. Fernab von ihren Eltern war sie auf sich alleine gestellt und lernte für sich selbst zu sorgen, was ihr schon früher sehr wichtig war: «Schliesslich will man nicht immer Mami oder Papi dabeihaben müssen.»

Diese Einstellung kommt ihr heute sowohl im Sport als auch im Privatleben zugute. So werde sie von ihren Kollegen überall in den Ausgang «mitgeschleipft». Vielleicht ja auch in knapp drei Wochen, wenn Keller ihren 24. Geburtstag feiert.