Sins
Ein lauter, brodelnder Guggen-Kessel in Sinser Schulhaus

Wer behauptet, nur Luzerner Fasnächtler könnten gepflegten Krach machen, der sollte sich im Freiamt weiterbilden. Sieben Guggenmusik-Gruppen aus Sins und Umgebung liessen die Schulhauswände erzittern und lockten zahlreiche Zuschauer auf den Platz.

Cornelia Bisch
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Gäste aus Villmergen: Die teuflischen Drachen der Gugge Tinitus. cb

Gäste aus Villmergen: Die teuflischen Drachen der Gugge Tinitus. cb

Die heissen Rhythmen fuhren dem Volk in die Glieder, sodass es sich bald einträchtig im Takt wiegte, oder – sofern Alter und Fitness es zuliessen – wild herumhopste.

Zum Sinser Monsterkonzert hatte die lokale Guggenmusik Rüüsstalschränzer eingeladen, die ganz nach ihrem diesjährigen Motto «Back to the Sixties» mit dem unvergesslichen Evergreen «Crocodile Rock» den fulminanten Schlusspunkt setzte.

Oldies und Schweizer Volksmusik

Auch die übrigen Guggen warteten mit Oldies und Ohrwürmern auf, wie etwa dem mitreissenden «What a feeling» oder der Ballade «Über den Wolken». Moderne Hits waren auch vertreten, samt und sonders fasnächtlich arrangiert mit viel Rhythmus und Geschmetter, wie sich das für veritable Guggenmusik gehört. Dabei ging schon mal ein Drumstick in die Brüche, doch man förderte aus versteckten Beintaschen im facettenreichen Guggenkleid rasch Reserve zutage. Ein sehr gelungenes Medley aus bekannten Schweizer Volksliedern präsentierte die Guggenmusik Duumesugger aus Mellingen.

Noch mehr Abwechslung ins turbulente Geschehen brachten Pauken-Choreografien, die teilweise fast akrobatische Ausmasse annahmen. So drehten sich die Guggen mit den enormen Instrumenten vor dem Bauch wild tanzend im Kreis oder knieten auf den Boden, während sie ohne Unterlass und mit Feuereifer auf die Pauken einhämmerten. Mit etwas weniger Gewicht bewegten sich attraktive Perkussionistinnen mit roten Rasseln anmutig im Takt.

Krieger und Fabelwesen

Ebenso kontrastreich wie die Musik nahm sich die Verkleidung aus. Als wilde Wikinger erschienen die jüngsten im Bunde, die Rüütifäger aus Oberrüti. Die Gruppe Tinitus aus Villmergen hatte das Motiv teuflisch rot-schwarzer Drachen gewählt, wobei die Tambourmajorin mit einer listigen Lämpchenkette am Kragensaum das Tüpfelchen aufs i setzte.

Die Stracciatellos aus Steinhausen punkteten mit eleganten Astronauten-Outfits und die Sinser Väntilwörger hiessen in strahlendem Gelb die Frühlingssonne willkommen. Die
Familienguggenmusik Konfettipfuser aus Auw hatte sich zum 15-jährigen Bestehen neue Kostüme in schrillen Grüntönen zum Thema «Elfen und Trolle» angeschafft. Im blauen Eskimokleid mit Eisbär als Tambourmajor traten die Duumesugger auf.

Ein schrill buntes Farben- und Klanggemisch entstand, als man sich nach den Einzeldarbietungen zum Schluss gemeinsam auf und um die Holztribüne drängte, um einige weitere kakofonische Takte unisono über den Platz zu schmettern. Die Fortsetzung des Abends fand in der reich dekorierten Turnhalle beim Guggenball der Z-Fighters statt.