Aktive Grossräte oder politisches Freiämter Urgestein, ehemalige Gemeinderäte und aktuelle, Genossen oder rechts Gelagerte, sie alle kamen an den Stammtisch von Landammann Urs Hofmann. Im Gasthaus Löwen in Sins, bei Erich und Barbara Huwyler, war sofort der letzte Platz rund um den Aargauer Spitzenpolitiker besetzt. Hofmann verspricht, sich an diesen Stammtischen den Fragen und Anliegen aus der Bevölkerung zu stellen. Es gab einige aus dem oberen Freiamt.

Selbstverständlich war viel linke Politprominenz – im Freiamt relativ überschaubar – nach Sins gereist: SP-Grossrat Flurin Burkart aus Waltenschwil sass am runden Stammtisch, SP-Grossrat Thomas Leitch aus Wohlen gleich am Nebentisch, umgeben von Parteikolleginnen und -kollegen. Selbstverständlich war die «rote Alice» (Bissegger) aus Benzenschwil, wie sie früher als Grossrätin im «schwarzen Erdteil» auch genannt wurde, anwesend, Bezirksparteipräsident Christoph Fricker und die Murianer Präsidentin Doris Gasser gleich an der Tischecke, weitere Genossinnen und Genossen im angeregten Gespräch.

Doch auch Politiker anderer Couleur waren zahlreich vertreten, zum Beispiel mit SVP-Grossrat Daniel Urech gleich am Nebentisch, an einem weiteren Tisch der Sinser Gemeindeammann Josef Huwiler (FDP), selbstverständlich eine grosse CVP-Vertretung, beispielsweise mit der Sinser Gemeinderätin Yvonne Notter-Hertlein, mit dem früheren Auwer Gemeindeammann Paul Leu oder mit Jakob Peterhans, «Südstaatler», ehemaliger Grossrat, ehemaliger Gemeindeammann von Sins und Unternehmer. Der schreibende Alt-Bauer «habö», Hans Bösch aus Alikon, tauchte in alter Frische auf, und sogar der Dauerkandidat für Regierungsrat, Ständerat oder weitere politische Ämter, Pius Lischer, schaute rein, diesmal ohne Kapitänsmütze. Und noch viele mehr. Sie alle aufzuführen, würde den Rahmen bei weitem sprengen.

Frotzeleien und ernste Gespräche

«Der Teufel liegt im Detail», sagt Urs Hofmann, der Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres, und zum dritten Mal Landammann des Kantons Aargau, über den Rand seines Weissbier-Glases hinweg. Um was es geht, ist schwer verständlich, nicht etwa, weil es komplizierte politische Materie wäre, sondern weil der Lärmpegel durch die angeregten Diskussionen hoch ist. Es werden alte Erinnerungen ausgetauscht, Anekdoten machen die Runde, es wird viel gelacht.

Selbstverständlich ist die Zersiedelungs-Initiative, über die wir am 10. Februar abstimmen, ein Gesprächsthema. «Sins ist ja gebaut», frotzelt Hofmann in Richtung Jakob Peterhans, «hier sagt man, der Peterhans hat alles gebaut, muesch also ned jommere.» Dieser pariert schlagfertig und mit erhobenem Zeigefinger. «Wie früener», lacht der Landammann, «wersch eigentlich nie älter?»

So geht es hin und her, Erwin Berger, ehemaliger Grossrat und Gemeindeammann von Boswil, fühlt sich sichtlich wohl in dieser Runde. Breit sind die Themen, die auch ernsthaft auf den Tisch kommen: der Boswiler Gemeindeammann und sein (ehemaliger) Gemeindeschreiber genauso wie die Jagd im Freiamt oder die gebeutelte Landwirtschaft, das Steuergefälle zwischen den Gemeinden genauso wie der stetig zunehmende Individualverkehr.

Hofmann, Begründer des Landammann-Stammtisches, wechselt nach einer Weile den Tisch. «Was habt ihr für Sorgen im Freiamt», fragt er, der hier im Oberfreiamt den Ton trifft und «schon weiss, dass ihr froh seid, wenn Aarau möglichst weit weg ist», in die Runde. Er hat ein offenes Ohr, beantwortet Fragen mit Sachverstand und oft auch mit Humor und zeigt sich als Landammann ohne Berührungsängste.

Glücklich zeigt sich Gery Keller von Gastro Aargau über den Anlass. «Urs Hofmann führte den Landammann-Stammtisch ein, dieser Anlass wird in Gastro-Kreisen sehr geschätzt», unterstreicht er. «Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Spitzenpolitiker die Zeit nehmen, in die Beiz zu kommen und sich den Fragen des Volkes zu stellen.» Deshalb offeriert Gastro Aargau das erste Getränk und einen Imbiss, der sich als veritable Bratwurst mit Nüdeli herausstellt. Hinter dem Tresen und zwischen den Leuten verrichtet das Personal routiniert einen intensiven Job. Auch die anderen Gäste, die nicht wegen des Landammann im «Löwen» sitzen, kommen nicht zu kurz. Dem Wirteehepaar Erich und Barbara Huwyler ist es sichtlich wohl in der Rolle der Gastgeber.