Muri
Ein kleiner Schatz kehrt zurück zur klösterlichen Druckstätte

Das Klostermuseum Muri erhielt ein Büchlein mit Leontius-Liedern geschenkt. Die bisherige Besitzerin Rosmarie Bugelnig kam zu ihrem wie die Jungfrau zum Kind.

JÖRG BAUMANN
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Barbara Reif, Konservatorin des Klostermuseums in Muri, ist stolz auf das Leontius-Büchlein, das im Museum ausgestellt ist.

Barbara Reif, Konservatorin des Klostermuseums in Muri, ist stolz auf das Leontius-Büchlein, das im Museum ausgestellt ist.

Jörg Baumann

Die Murianerin Rosmarie Bugelnig-Moos, Mitarbeiterin im Aufsichtsdienst im Klostermuseum in Muri, hütete lange einen Schatz, dessen Bedeutung sie nicht kannte: Das Büchlein «Geistliches Blumen-Kräntzlein des Glorwürdigen und Wunderthätigen Heil. Martyrers Leontij», 1760 hergestellt in der Klosterdruckerei in Muri. Kürzlich übergab sie das Büchlein dem Museum – zur grossen Freude der Kuratorin Barbara Reif. Denn der Heilige Leontius, dessen Reliquien seit 1647 in der Klosterkirche bestattet sind, geniesst am traditionellen Leontiustag bei den Murianern noch immer grosse Wertschätzung.

Leontius-Lied auch ab Tonband

Das «Blumen-Kräntzlein» beginnt mit dem Bericht über die Translation der Reliquien des Heiligen Leontius von Rom nach Muri. An der Feier waren viele tausend Menschen. Das Büchlein ist vor allem ein Gebetsbuch und gibt auch Anleitungen, wie die Andachten auf alle Tage der Woche einzurichten seien, dann aber auch Ratschläge für die Eltern und Kinder. Es enthält als Kernstück drei Leontius-Lieder. Am Leontiustag 2015 erklang das erste Leontius-Lied, das der Klosterorganist und –musiker Johannes Strobl in unser Notensystem gesetzt hatte. Das Büchlein kann man nun nicht nur in einer Vitrine im Klostermuseum besichtigen. Vielmehr können die Besucher das erste Leontius-Lied auch ab Tonband hören.

Rosmarie Bugelnig kam zum Leontius-Büchlein wie die Jungfrau zum Kind: «Mein verstorbener Mann Herbert war Sakristan in der Klosterkirche. Ältere Pfarrherren schenkten ihm immer wieder geistliche Schriften und Bücher, die sie nicht mehr brauchten. So kam auch das Leontius-Büchlein in seine Hände», berichtet sie. Nebst anderen Büchern wurde auch das Leontius-Büchlein 1760 in der Druckerei des Klosters Muri gedruckt.

Abt Johann Jodok Singisen, 1596 bis zu seinem Tod 1644 im Amt, kaufte für Muri die erste eigene Druckerpresse samt den Lettern. Damit war das Kloster die erste Schweizer Benediktinerabtei, die eine eigene Druckerei besass, schreibt Martin Allemann in der «Posaune», dem Mitteilungsblatt der Vereinigung Freunde der Klosterkirche Muri. Vermutlich regte der Laienbruder Balthasar Schröter von Rudolfstadt (Thüringen) die Anschaffung der Druckerpresse an. Schröter war laut dem 2014 verstorbenen Murianer Historiker Hugo Müller Konvertit.

Im Gegensatz zu den anderen Klosterdruckereien wie Einsiedeln druckte Muri nur für den Eigengebrauch. Während der Helvetik an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert verschwand die Presse in Muri und tauchte später in Zürich wieder auf. 1831 kaufte Muri wieder eine neue Druckerpresse. Diese ging bei der Klosteraufhebung 1841 erneut verloren. In der Klosterdruckerei entstand 1621 als erstes Werk die deutsche Übersetzung der Regeln des Heiligen Benedikt. Fürstabt Placidus Zurlauben (im Amt von 1684 bis 1723) passte die Druckerei, in der etwa 20 Werke entstanden, an die technischen Errungenschaften an.

Rolleisen und Prägestempel

Muri brauchte nicht nur für das Drucken, sondern auch für das Binden der Bücher Fachleute. Neben Br. Balthasar Schröter zeigte P. Nikolaus Keller aus Bremgarten darin besondere Fähigkeiten. Neben den Ordensleuten waren in der Buchbinderei auch Laien beschäftigt. Rolleisen und Prägestempel, die für diese Arbeiten verwendet wurden, sind im Kollegium Sarnen und im Schweizerischen Nationalmuseum aufbewahrt.