Fischbach-Göslikon
Ein Kalb hält im Bremgarterwald nicht nur die Polizei auf Trab

Seit Samstag streunt ein junger Stier durch den Wohler Wald – am Sonntag wurde er zuletzt gesehen. Sechs Polizisten versuchten ihn einzufangen, doch das Tier ist flinker und verwirrter, als es Bauer Anton Stenz erwartet hätte.

Andrea Weibel
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Sechs Polizisten von der Regional- und der Kantonspolizei hatten den vier Monate alten Jungstier am Sonntag eingekesselt. Doch das Tier entwischte dennoch und rannte
tiefer in den Wohler Wald hinein. Später wurde es nochmals nahe der Wohler Ortsgrenze entdeckt, doch wieder mussten die Polizisten vor dem flinken 150-Kilo-Kälbchen kapitulieren. Seither wurde der Ausreisser, der aus seinem Stall in Fischbach-Göslikon entlaufen ist, nicht mehr gesehen.

Dass die Polizei einem Kälbchen nachjagt, ist nicht alltäglich. «Automobilisten haben das Tier entdeckt und Meldung erstattet», erklärte Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei, gestern auf
Anfrage. «Für uns steht der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Zwar ist das Kalb selbst nicht gefährlich, aber es könnte auf die dicht befahrene Strasse laufen und einen Unfall verursachen.»

Das Kalb ist aus der Munimast von Anton Stenz in Fischbach-Göslikon entflohen. «Es muss erschrocken oder so übermütig gewesen sein, dass es über eine etwa meterhohe Absperrung aus dem Stall
gesprungen ist», beschreibt der Landwirt. «Das ist auch schon vorgekommen, aber normalerweise kommen die Kälber bald wieder zurück oder wir können sie rasch einfangen. Sie gehen normalerweise nur so weit, dass sie den Stall noch riechen können.»

Diesmal habe er zweimal versucht, es zurück in den Stall zu jagen. Doch das Kälbchen rannte in den nahen Wald und verschwand. «Wir haben es im ganzen Dorf bis an die Reuss hinunter gesucht.» Doch der junge Muni hatte die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen und war in den Wohler Wald gelaufen.»

«Normalerweise sind meine Muneli zahm, sodass ich sie streicheln kann», so Stenz. «Aber dieses Tier muss die Orientierung vollkommen verloren haben und so verwirrt sein, dass es ständig wegrennt. Das habe ich in den 30 Jahren, die ich jetzt schon Bauer bin, noch nie erlebt.» Anton Stenz hofft nun, dass das Kälbchen zutraulicher wird, sobald es Hunger bekommt. «Vielleicht läuft es dann irgendwelchen Fussgängern nach, die sich dann bei mir melden können.»

Dass das Kälbchen eine Gefahr für Passanten ist, glaubt auch Stenz nicht. Und auch für das Tier selbst sollte keine Gefahr bestehen, so der Landwirt. «Jetzt, wo der Schnee weg ist, findet es bestimmt genügend Nahrung im Wald. Verhungern wird es jedenfalls nicht.» Er hofft, dass er sein Kalb bald wieder sicher im Stall hat.

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