Wohlen
Ein Jubiläum mit Welturaufführung

Die Trachtengruppe Wohlen kann auf 90 spannende Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken.

Verena Schmidtke
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Probe für die Weltpremiere: Die Trachtengruppe übt mit dem Musikverein Wohlen zum Freiämtermarsch.

Probe für die Weltpremiere: Die Trachtengruppe übt mit dem Musikverein Wohlen zum Freiämtermarsch.

Auf der Bühne des Casinos erklingt der Freiämtermarsch, gespielt vom Wohler Musikverein. Zur bekannten Melodie tanzen die Frauen der Trachtengruppe Wohlen. «Am Samstag präsentieren wir sozusagen die Welturaufführung», erklärt Vereinspräsidentin Elisabeth Zimmermann, «unser Volkstanzleiter Werner Vogel hat zum Marsch eine wunderschöne Choreografie geschrieben.» Zustande gekommen sei das, weil der Musikverein zu ihrem 90-Jahr-Jubiläum musikalisch gratulieren möchte. Daraus entwickelte sich die Idee, eines zusätzlichen gemeinsamen Auftritts am traditionellen Trachte-Obig.

Strenge Regeln

Seit 90 Jahre besteht die Trachtengruppe Wohlen, die Feier hat das passende Motto: «Wir (lassen uns) feiern.» Bis es soweit ist, muss noch einiges organisiert werden. Am Dienstagvormittag besprechen die Vereinspräsidentin und ihre Beisitzerin Vreni Appenzeller verschiedene Details im Casino. «Ja, es ist enorm aufwendig, so einen Abend auszurichten», stimmen die beiden Frauen überein. Aber ihnen liege die Gruppe am Herzen und Spass mache es auch. Beide sind schon viele Jahre engagiert dabei und können Interessantes berichten.

Archivbild: Die Trachtengruppe tanzt vor dem Wohler Strohmuseum.

Archivbild: Die Trachtengruppe tanzt vor dem Wohler Strohmuseum.

zvg

Vreni Appenzeller kommt ursprünglich aus dem Kanton Bern, dort war sie bereits in einer Trachtengruppe. Da das Tanzen sie besonders interessierte, fand sie nach ihrem Umzug in den Aargau bald zur Wohler Gruppe: «1972 wurde ich aufgenommen und im Jahr darauf schon für den Vorstand vorgeschlagen. Erst war ich etwas unsicher, weil wir einen Hof bewirtschafteten und unsere drei Kinder noch klein waren. Der Verein hatte viele Termine, doch mein Mann und ich haben uns gut arrangiert, obwohl auch er bei der Feuerwehr stark engagiert war.»

Zu jener Zeit sei der Verein noch konsequenter gewesen, was Gesang und Tanz anging. Die Mitglieder sollten möglichst in beiden Sparten mitwirken. Bei der Gründung 1928 durch den Lehrer Wiederkehr im Wohler «Rössli» sei es zunächst nur um den Gesang gegangen, der Tanz sei erst später dazugekommen. Strenge Regeln galten damals, wissen die beiden Frauen aus alten Protokollen: Ein Mitglied, das den falschen Schmuck an der Tracht getragen habe, sei nach einigen Unstimmigkeiten sogar ausgetreten.

90 Jahre Kulturgut

So streng sei es längst nicht mehr. Mittlerweile müssen die 24 Mitglieder nicht mehr singen und tanzen. «Wir wissen ja auch, dass es bei vielen zeitlich schwierig ist, beides unter einen Hut zu bekommen», führt Elisabeth Zimmermann aus. Was den Schmuck an den Trachten betrifft, da seien sie vom Trachtenverband angehalten, den jeweils passenden zu tragen. Für die Freiämter Tracht sei eine Brosche aus Stroh vorgesehen.

1986 übernahm Appenzeller den Posten als Präsidentin, den sie bis 2011 mit viel Herzblut ausübte. Seit 2015 ist Zimmermann Präsidentin: «Dabei bin ich seit 1984. Ich habe immer gerne getanzt und hatte mir gerade eine Tracht geschneidert. Die damalige Präsidentin fragte, ob ich nicht Lust hätte, einzutreten.» Mittlerweile tanze ihre Tochter auch mit. Weil in der Gruppe nur Frauen vertreten sind, müsse die Hälfte der zehn tanzenden Mitglieder den Part des Mannes übernehmen. «Also habe ich jeden zweiten Dienstag bei den Proben einen Buben», erläutert die amtierende Präsidentin lachend.

Der Verein engagierte sich immer wieder gerne für Festlichkeiten in Wohlen. Zimmermann und Appenzeller erinnern sich schmunzelnd: «Unsere Beizli durften nicht fehlen, wie etwa beim 800-Jahr-Fest oder beim Jugendfest. Und unsere Fitness-Teller waren legendär.» Sehr beliebt sei zudem das Trachten-Lotto, das aus einer Notsituation heraus entstand: «Der Kindergarten, in dem wir probten, brannte 1972 ab und mit ihm unser gesamtes Notenmaterial. Also kamen wir auf die Idee, ein Lotto zu veranstalten, um Geld einzunehmen.» Aktuell stehe die Planung für den Trachte-Obig im Vordergrund, an dem das 90-Jahr-Jubiläum gebührend mit Tanz und Gesang gefeiert werden soll. Auf die Frage, was die Gruppe ausmache, antworten die beiden Frauen übereinstimmend: «Die Leute, das Zusammensein, wir verstehen uns alle sehr gut. Und natürlich die Pflege unseres Kulturgutes.»

Jubiläumsabend am Samstag, 17. November, 20 Uhr, Casino Wohlen.