Betritt man den kleinen Laden an der Marktstrasse 17, fühlt man sich vom ersten Moment an wie in einer warmen, gemütlichen Stube. In dem mit Holz ausgekleideten Raum stehen und hängen unzählige bunte Wollknäuel und Stoffbahnen, glänzende Fäden und Knöpfe. Auf den Gestellen im Raum verteilt sind handgemachte Kleidungsstücke wie Socken, Jacken oder Mützen, die einen inspirieren und dazu anregen, sofort selber loszulegen und ein eigenes Werk zu erschaffen.

«Früher hat man gestrickt, weil das Produkt günstiger war, als wenn man es im Laden gekauft hätte» erklärt Heidi Keller, seit 30 Jahren Inhaberin vom «Stoff und Wullehüsli» in Muri. Doch in Katalogen oder Modegeschäften kann man maschinell hergestellte Kleider kaufen, die aussehen, als wären sie selbst gestrickt, und dazu auch noch billiger sind als die Wolle.

Weshalb sollte man dann heute noch stricken? «Heute ist es ein Hobby, das vielen Menschen zur Erholung dient. Zudem können eigene, individuelle Kleider entworfen werden, sodass die Strickerinnen oder Näher nicht dasselbe tragen müssen wie zehn andere auch.» Das Spezielle an der Arbeit mit Wolle oder Stoff sei, dass man die verschiedenen – vor allem natürlichen – Materialien zu ganz persönlichen Gegenständen verarbeiten könne. Zurzeit seien vor allem Dinge für den Hausgebrauch modern, wie zum Beispiel Kissen. «Aber auch Babysachen werden momentan gerne gemacht», fügt Keller hinzu. Aber auch gestrickte Kleidung bleibt weiterhin angesagt, wie die Modezeitschriften beweisen.

Laufkundschaft dank guter Lage

Seit 30 Jahren führt Heidi Keller das «Stoff und Wullehüsli» schon, genau genommen seit dem 4. Dezember 1986. Ihr handwerkliches Geschick hat sie schon früh entdeckt. Von klein auf haben ihr die kreativen Handarbeiten Spass gemacht und daraus hat sich eine Leidenschaft entwickelt. Ihr ist der Kundenkontakt sehr wichtig und ihre persönliche Kundenberatung wird geschätzt und hält die Leute davon ab, die Wolle bei den Grossverteilern zu kaufen. «Eine grössere Konkurrenz ist das Internet», erzählt Keller. Für viele Leute sei es bequemer, die Materialien von zu Hause aus zu bestellen, und Tipps und Tricks finde man auch im Netz.

Der Vorteil des Ladens ist jedoch seine sehr gute Lage. Zwischen dem Alterszentrum und einem grossen Parkplatz, wo täglich viele Menschen vorbei gehen, finden immer wieder neue Kunden den Weg in den Laden. Auch die farbenfrohen Fotos auf der Facebook-Seite und die originell gestaltete Website machen auf den Laden aufmerksam und locken Menschen an.

Ein Hobby ohne Altersgrenze

«Dieses Hobby wird von beiden Geschlechtern und von allen Altersklassen ausgeübt. Zwar gibt es eher selten Männer, die nähen oder stricken, aber es gibt sie. Die meisten beginnen dann mit der Handarbeit, wenn sie Kinder haben, und von da an gibt es keine Altersgrenze», weiss Heidi Keller. Leider müssten aber viele ältere Leute der Gesundheit wegen ihr Hobby zurückstellen oder ganz aufgeben.

Heidi Keller sagt: «Viele bekommen im Alter zittrige Hände oder Schmerzen in den Gelenken.» Auch in ihren Näh- und Strickkursen sind die Altersgruppen völlig gemischt. Doch könne man beobachten, dass es nur sehr wenige Leute gibt, die die ganze Bandbreite von Stricken über Häkeln bis hin zum Nähen beherrschen. «Die meisten konzentrieren sich auf einen Bereich. Doch egal ob sie stricken, nähen oder häkeln, bei ihnen allen steht die Liebe zur Kreativität im
Vordergrund.»