Muri
Ein Historiker aus Villmergen übernimmt das Pfarreiarchiv

Damit sind alle glücklich: Die katholische Kirchgemeinde hat für die Führung des Pfarreiarchivs einen Historiker gewinnen können, und der pensionierte Kanti-Lehrer Josef Kunz hat eine neue Aufgabe, die wie für ihn geschaffen ist.

Eddy Schambron
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Der Klosterschlüssel auf dem roten Kissen: Walter Mattmüller (links) übergibt das Pfarreiarchiv an Josef Kunz; im Hintergrund Madeleine Sennrich (links) und Maria Wüest von der Kirchenpflege. ES

Der Klosterschlüssel auf dem roten Kissen: Walter Mattmüller (links) übergibt das Pfarreiarchiv an Josef Kunz; im Hintergrund Madeleine Sennrich (links) und Maria Wüest von der Kirchenpflege. ES

Eddy Schambron

«Das ist ein Glücksfall», stellten gestern Maria Wüest, Vizepräsidentin der Kirchenpflege, und Madeleine Sennrich, in der Kirchenpflege für das Personal zuständig, fest. Kunz übernimmt die Nachfolge von Walter Mattmüller, der diese Aufgabe altershalber abgeben wollte.

Mattmüller führte das Archiv seit 1999. Durch seine Arbeit habe er bis tief ins 16. Jahrhundert der Kirchgemeinde und auch der Gemeinde Muri gesehen. «Das war sehr eindrücklich.»

Ein wesentlicher Teil seiner Arbeit bestand auch darin zu entscheiden, welche Akten würdig und wichtig sind, um im Archiv Aufnahme zu finden. Im Jahr 2000 erarbeitete Mattmüller zudem eine Dokumentation, welche die wesentlichsten Akten und Dokumente auflistet. Diese wird seinem Nachfolger den Einstieg in die Tätigkeit wesentlich erleichtern.

«Mir ist die Aufgabe ans Herz gewachsen», sagte Mattmüller bei der symbolischen Schlüsselübergabe an Kunz. Er lobte auch die gute Zusammenarbeit mit dem Pfarreisekretariat und dem Pfarrer.

Josef Kunz studierte Geschichte und Geografie an den Universitäten Innsbruck und Bern und ist «mit dem Thema Kirche vertraut», wie er selber sagt. Er doktorierte nämlich an der Uni Bern zum Thema «Stellungnahmen der Schweizer Bischöfe von 1850 bis 1920 zum Liberalismus, Sozialismus und zur Arbeiterbewegung».

Zwölf Jahre war er in der Erwachsenenbildung tätig, davon sechs Jahre im Leitungsteam des Bildungszentrums Probstei Wislikofen. Danach unterrichtete er über 20 Jahre an der Kantonsschule Wohlen und publizierte Artikel zu aktuellen, historisch-politischen und gesellschaftlichen Themen in Zeitungen und Fachzeitungen.

Kunz hat bereits einige Vorstellungen, was seine neue Arbeit betrifft. «Ich kann mich dabei auf die gute Vorarbeit von Walter Mattmüller abstützen und möchte mich unter anderem neu der Digitalisierung von Dokumenten widmen», blickt er voraus.

Dabei kann er auf gute Kontakte mit dem Staatsarchiv zurückgreifen. «Das Staatsarchiv wünscht sich eine Aufarbeitung aller Pfarreiarchive.»

Wertvolle Dokumente aus dem 14. und 15. Jahrhundert, «die man sicherheitshalber nur mit Handschuhen anfasst» und die noch unberührt im Pfarreiarchiv Muri schlummern, will er sichten und auswerten.

«Ich kann mir zudem eine gewisse Recherchearbeit vorstellen.» Ebenfalls stellt er in Aussicht, aus dieser Forschungsarbeit «vielleicht den einen oder anderen Artikel über die Kirchgemeinde Muri zu verfassen.»