Muri

Ein Hauch von Paris in der Pflegi

Sogar eigene Models konnte das Pflegeheim in Muri an seiner Modeschau mit Verkauf aufbieten.

Die Beschreibung seines blau-weiss gestreiften T-Shirts übernimmt Robert Leuenberger kurzerhand selbst: «Der Stoff ist sehr angenehm zu tragen. Ausserdem hat es praktische Taschen.» Er ist eines der vier hauseigenen Models der Modeschau vom Donnerstagnachmittag in der Pflegi Muri.

Seine Präsentation überzeugt. «Bravo», schallt es aus dem begeisterten Publikum. Moderator und Verkäufer Ernst Spichiger ist ebenfalls beeindruckt: «Soll ich Sie engagieren?» Leuenberger zeigt sich nicht abgeneigt: «Darüber können wir reden.»

Präsentation mit Rollator

Auch die anderen Models erhalten viel Applaus für ihre Auftritte. Als Ida Koch ihre Kombination aus Bluse und Hose gekonnt lässig zeigt, erklärt Antonela Spichiger, Inhaberin von Mode Homeservice und Mitorganisatorin: «Wir beide könnten direkt nach Paris gehen.»

Geschickt navigiert kurz darauf Anna Maria Karli ihren Rollator durch die Tischreihen und präsentiert dabei einen gemusterten Pullover in Pastellfarben, kombiniert mit einem hellblauen Jupe. Auf die Frage, wie sie dazu kam, an der Schau teilzunehmen, antwortet sie: «Weil es mir Freude macht.» Aufgeregt sei sie nicht, erklärt sie kurz vor der Veranstaltung.

Der Rollator sei vielleicht eine kleine Herausforderung, aber kein grosses Problem. Über die Bedeutung der Mode für sie persönlich sagt sie: «Ich habe Freude an schönen Kleidern, aber das Interesse kam bei mir erst in späteren Jahren. Ich habe immer in Büros gearbeitet, da genügte formelle Kleidung.» Besonders gern trage sie nun hübsche Blusen. «Am Verkauf habe ich mir auch schon etwas Schönes ausgesucht», fügt die 88-Jährige lächelnd hinzu.

Gummizug als Verkaufsschlager

Geschäftig geht es schon vor der Modeschau in der Singisenstube der Pflegi zu. Eine Pflegerin stellt lachend fest: «Hier ist also die Einkaufsstrasse.»

Sandra Portman, Kulturverantwortliche der Pflegi Muri, und Antonela Spichiger organisieren die Veranstaltung zum zweiten Mal. «Die erste Schau kam im letzten Jahr so gut an, dass wir dieses Jahr sowohl einen Frühlings- als auch einen Herbstanlass geplant haben», teilen sie mit. «Besonders beliebt im Verkauf sind Hosen mit Gummizug», weiss Spichiger. «Für viele Senioren ist es wichtig, Kleidung leicht an- und ausziehen zu können.» Gutes Material, das knitter- und bügelfrei ist, komme ebenfalls gut an. Die Mode solle bequem und praktisch sein, aber dabei gut aussehen.

Solche Veranstaltungen in Senioren- und Pflegeheimen führt ihr Team fast jeden Tag durch. Die Inhaberin betont: «Es ist uns auch ein Anliegen, den Bewohnern eine Freude zu machen. Bei so einem Verkauf haben die Besucher grosses Interesse daran, die Kleidung anzuschauen und anzuprobieren.» Dann eilt sie weiter, um ein Herren-Model einzukleiden. Der im Rollstuhl sitzende Alexander Machan entscheidet sich nach kurzer Beratung für eine orangefarbene Strickjacke, die er wenig später auf dem Catwalk vorführt.

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