Wohlen

Ein gutes Ergebnis, aber nicht gut genug: Für die nächsten Vorhaben braucht die Gemeinde mehr Geld

Gemeindeammann Arsène Perroud und Finanzministerin Ariane Gregor bei der Präsentation der Jahresrechnung.

Gemeindeammann Arsène Perroud und Finanzministerin Ariane Gregor bei der Präsentation der Jahresrechnung.

Die Wohler Rechnung des vergangenen Jahres gibt dem Gemeinderat zu denken – der hohe Investitionsbedarf verlangt nach mehr Finanzmitteln.

«Ist die Wohler Rechnung 2017 nun gut, ist sie bloss mittelmässig oder ist sie sogar schlecht?», fragte Finanzministerin Ariane Gregor an der traditionellen Medienkonferenz zum Thema. Es komme ganz darauf an, aus welchem Winkel man sie betrachte und welche Schlüsse man daraus ziehe, fuhr die Gemeinderätin weiter.

Die nackten Zahlen überzeugen: Mit 2,3 Mio. Franken ist der Ertragsüberschuss um 1,8 Mio Franken höher als budgetiert. Er liegt nur knapp unter dem Ergebnis des Vorjahres, das mit einem Überschuss von 2,4 Mio. Franken ebenfalls deutlich über dem Voranschlag gelegen hat.

Hohe Ausgabendisziplin

Erfreulich ist auch die hohe Ausgabendisziplin. In Wohlen sind im vergangenen Jahr 737 000 Franken weniger ausgegeben worden als budgetiert. Das hat einerseits mit den anhaltenden Sparbemühungen zu tun, anderseits auch damit, dass geplante Ausgaben, aus verschiedenen Gründen, nicht getätigt werden mussten.

Weniger erfreulich ist, dass die – weitgehend unbeeinflussbaren – Kosten im Sozialbereich weiter gestiegen sind. Und, dass Wohlen von den im vergangenen Jahr investierten rund 15 Mio. Franken lediglich 23% selber hat finanzieren können. Die Nettoschulden sind auf 21 Mio. Franken gestiegen, die Zinslast macht trotz günstigem Umfeld mittlerweile rund anderthalb Steuerprozente aus.

Steuerfusserhöhung ein Thema

«Wir leben auf Pump», hielt Ariane Gregor fest und sagte weiter: «Nach der Rechnung ist vor dem Budget. Das Resultat aus dem Vorjahr ist schön und gut, aber es ist nicht gut genug, um das zu finanzieren, was wir in nächster Zeit vorhaben.»

«Wir brauchen mehr Geld», sagte die neue Finanzministerin. Das, was schon ihre beiden Vorgänger in den letzten Jahren wiederholt gesagt haben. Gemeindeammann Arsène Perroud verdeutlichte: «Wohlen hat kein Ausgabenproblem, Wohlen hat ein Ertragsproblem.» Das zeigt die Statistik deutlich: Im Kanton liegt die durchschnittliche Steuerkraft pro Einwohner bei 2543 Franken. In Wohlen hat sich die Steuerkraft im letzten Jahr zwar leicht verbessert – um drei Franken, von 2111 Franken 2016, auf 2114 Franken – im Vergleich ist sie aber nach wie vor tief.

Für Arsène Perroud ist klar: «Wir müssen und wollen den Pro-Kopf-Steuerertrag erhöhen. Das ist ein erklärtes Ziel des Gemeinderats. Aber kurz- und mittelfristig können wir die Einnahmenseite nur mit einer Steuererhöhung verbessern. Etwas anderes zu behaupten, hiesse, dem Bürger Sand in die Augen zu streuen.

Sparen heisst verzichten

Ginge es denn nicht auch mit noch mehr Sparen? «Sicher könnte man versuchen, den Finanzhaushalt mit einem weiteren Leistungsabbau zu sanieren. Doch das wäre mit schmerzlichen Einschnitten für die Bevölkerung verbunden. Wir leben in Wohlen ja nicht auf zu grossem Fuss», sagte Gregor dazu.

«In der Vergangenheit sind vielfach werterhaltende Investitionen hinausgeschoben worden, um das Budget zu entlasten. Die Vergangenheit hat jedoch klar gezeigt, wohin das führt», erklärte Gemeindeammann Perroud.

Ein Beispiel sei die Badi. 2001 war deren Sanierung auf 6 Mio. Franken veranschlagt, jetzt kostet sie mit rund 12 Mio. Franken das Doppelte. «Sicher kann man die beiden Projekte nicht 1:1 miteinander vergleichen», sagte Perroud, «doch das Beispiel zeigt unmissverständlich, dass mit Hinausschieben von Investitionen nicht zu sparen ist.»

Im Gegenteil: Die Sparübungen der Vergangenheit hätten zu einem Investitionsstau geführt: «Es gibt Investitionen in den Unterhalt, die können wir einfach nicht mehr hinausschieben. Denn auch Flachdächer haben ein Ablaufdatum», betonte der Ammann.

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