Es war reiner Zufall: Auf einer seiner Reisen wurde der Wohler Gemeinderat Bruno Breitschmid in Dresden von einer Dame auf das Strohmuseum in Wohlen angesprochen. «Sie sei», erklärte mir die Dame, «nach Wohlen gefahren, um sich im Strohmuseum Informationen für die Restaurationen einer Tapete in einem Dresdner Schlössli zu beschaffen.»

Bruno Breitschmid hat in der Folge nicht der Hafer, sondern das Stroh gestochen. Gibt es Verbindungen zwischen der Strohindustrie in Wohlen und Kulturgütern in Dresden? Haben die Wohler Strohbarone auch dort Handel mit ihren Produkten getrieben? Er will deshalb bald wieder nach Dresden reisen und Nachforschungen unternehmen.

Weltweit einmaliges Kunstwerk

Auf seiner letzten Reise hat er vorerst das Fasanenschlösschen in Moritzburg bei Dresden besucht. «Es ist ein wunderschönes Gebäude in einer herrlichen Landschaft», schwärmt er und ist stolz, dass dort jetzt vielleicht auch ein Stück Wohlen, oder zumindest ein Zeugnis der Freiämter Strohindustrie hängt.

Im Fasanenschlösschen gibt es eine Strohtapete, die weltweit als einmalige Wandbespannung gilt. «Wir haben für die Restauration Schweizer Stroh benützt. Es war das einzige, das unseren Zwecken diente, weil es entsprechend abgelagert und nachgedunkelt war. Dieser Rohstoff liess sich sehr gut mit der historischen Tapete vereinbaren», erklärte Margitta Hensel, Kuratorin des Museums der Aargauer Zeitung. Sie war es auch, die Bruno Breitschmid in Dresden auf das Wohler Museum angesprochen hat.

Die Geheimnisse erforschen

Die Wohler Strohindustrie ist die bekannteste überhaupt. Nicht umsonst sprach man früher von «Klein Paris», wenn man Wohlen meinte. Noch sind nicht alle Verbindungen erforscht, welche die Unternehmer aus dem Mekka der Strohhut-Mode weltweit pflegten.

«Die Strohindustrie verbirgt noch einige Geheimnisse», ist Bruno Breitschmid, dessen Vater dort tätig war, überzeugt. Er möchte sich auf seinen künftigen Reisen jetzt auch diesem Thema widmen: «Wo trieben die Strohbarone Handel?

Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit anderen Städten?» Laut dem Wohler Gemeinderat zeigen neue Forschungen, dass die Industrie weiter verbreitet war, als man sich gemeinhin vorstellt. «Die Spuren führen auch nach Dresden. So ist es möglich, dass das 80-jährige Stroh, welches die Restauratorinnen bei der Sanierung der Tapete im Fasanenschlösschen verwendet haben, seinen Ursprung in Wohlen hat.» Im nächsten Frühling will er dieser Frage nachgehen.