Villmergen
Ein Freiämter mischt sich als Western-Gauner unter die Engelberger Indianer

Ueli Brunner spielt im Stück «Winnetou I» von Karl May an den Freilichtspielen in Engelberg mit.

Timea Hunkeler
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Für seine Rolle als Gauner im Stück «Winnetou I» galoppiert Ueli Brunner durch die Kulissenstadt Santa Fé in Engelberg. ZVG

Für seine Rolle als Gauner im Stück «Winnetou I» galoppiert Ueli Brunner durch die Kulissenstadt Santa Fé in Engelberg. ZVG

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Auf dem Rücken der Pferde durch die unendliche Weite der Prärie reiten, gefährliche Duelle austragen und gekonnt das Lasso schwingen: Dieser Kindheitstraum wird für Ueli Brunner nun Wirklichkeit. Der 65-Jährige hat eine Rolle als Gauner in einer Bande im Stück «Winnetou I» von Karl May bekommen. Dieses wird im Rahmen der Freilichtspiele in Engelberg zwischen dem 15. Juli und 13. August 26-mal aufgeführt. «Früher wollte ich immer ein Cowboy sein und mein Traum war es, in einem Westernfilm mitzumachen», erinnert er sich zurück.

Brunner sitzt am Tisch im Esszimmer seines Hauses in Villmergen, das Drehbuch und die Schauspielerliste vor sich. Als er im Januar für eine Rolle angefragt wurde, habe er nicht lange überlegen müssen. Im Februar fand die erste Versammlung statt, im März das Vorsprechen. «Zuerst habe ich gedacht, dass ich nur als Reiter eingesetzt werde. Die Organisatoren waren jedoch noch auf der Suche nach Schauspielern für kleinere Rollen», erklärt Brunner, der selbst drei Pferde besitzt. Der engagierte Rentner bietet zudem Kutschenfahrten an und ist OK-Präsident der Springkonkurrenz Wohlen.

Mit «Lady» nach Engelberg

Der Villmerger, der schon lange Western-Fan ist, wird zusammen mit anderen Laien neben professionellen Schauspielern und bekannten Persönlichkeiten wie Sven Furrer oder Christoph Kottenkamp auf der Bühne stehen. «Ich bin wahrscheinlich der Einzige, der noch keine Erfahrung mit Sprechrollen hat. Ich muss im Stück aber auch nicht viel sagen.» Dafür werde er oft auf der Bühne zu sehen sein. «Ich habe viel Präsenzzeit. Insgesamt bin ich bei 44 Szenen und 11 Bildern anwesend», sagt der pensionierte Maurerpolier. Ganz neu in der Branche ist er jedoch nicht. 2012 wirkte der Pferdeliebhaber bereits bei der Freiämter Produktion «mit Chrüüz und Fahne» mit.

Neben seinem Western-Sattel, den er zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen hat, will Brunner auch «Lady», seine Stute, nach Engelberg mitnehmen. «Meine beiden anderen Pferde sind zu alt oder zu gross, um beim Stück mitzumachen. Ich muss abwarten und sehen, wie gut sich Lady schlägt. Da in einigen Szenen auch geschossen wird, müssen die Pferde bei Lärm ruhig bleiben können.» Es sei gut möglich, dass er eines der zwölf Filmpferde reiten müsse. Diese seien erfahrener und kleiner als seine Lady. «Das wäre schon eine Umstellung für mich. Auch das Westernreiten ist eine Herausforderung», gesteht Brunner. Seit er 12 Jahre alt ist, reite er. Das sei auch ein grosser Vorteil gewesen für seine Rolle. «Die anderen Schauspieler müssen das Reiten erst noch lernen.»

Brunner ist gut vorbereitet. Er habe extra das Buch von Karl May gelesen, das als Vorlage für das Stück dient. «Den Film kannte ich natürlich schon. Die Filmmusik ist toll und die Landschaft fand ich immer faszinierend», schwärmt er. «Viele fühlen sich in ihre Jugend zurückversetzt, wenn sie an Winnetou denken. Ich glaube, dass dies ein Grund sein könnte, weshalb die Geschichte noch heute so beliebt ist», sagt er weiter. Für die Kulisse in Engelberg habe er zwei Planwagen gebaut und helfe bei kleinen Änderungen.

Aufführungen vor 2000 Leuten

«Es ist ein grosses Abenteuer für mich», fasst Brunner zusammen. Seit Beginn der Proben am 1. Juni wohne er bei einem Bauer in Engelberg. «Bis zum Spielort sind es nur zehn Minuten Fussweg.» Jetzt, wo es langsam ernst werde, sei er ein wenig nervös. «Wir proben jeden Tag.» Für eine Szene sei sogar ein Stuntman aus Ungarn engagiert worden, der mit den Schauspielern eine Kampfszene einstudiert. Brunner wünscht sich, dass unter den jeweils 2000 Zuschauern pro Aufführung auch einige Freiämter sein werden.