Widen
Ein Freiämter fährt mit dem ehemaligen Rennwagen von Legende Jo Siffert

Peter Studer ist seit gut 30 Jahren mit dem Rennfahrer-Virus infiziert. Er fährt historische Rennwagen. Bei einem handelt es sich um einen Lotus 24, mit dem die Rennsportlegende Jo Siffert 1962 beim GP von Belgien seinen Einstand in der Formel 1 gab.

Ruedi Burkart
Merken
Drucken
Teilen
Architekt Peter Studer lebt ein rasantes Leben mit historischen Rennwagen.

Architekt Peter Studer lebt ein rasantes Leben mit historischen Rennwagen.

Bevor die Formel 1 in den 1980er-Jahren langsam, aber sicher «vercomputerisiert» wurde, waren die Rennfahrer gleichzeitig Mechaniker und tollkühne Schwerarbeiter in ihren überhitzten Cockpits. Nicht selten endeten die wilden Ritte in den schnellen Kisten auf den Betonpisten in Tragödien.

Jo Siffert und Ronnie Peterson starben, Clay Regazzoni landete im Rollstuhl und Niki Lauda schwebte nach einem Feuerinferno tagelang in Lebensgefahr. Das sind nur vier von zahlreichen Piloten, die in den «wilden Jahren» der Formel 1 schwere Unfälle hatten. «Damals, in den 60er- und 70er-Jahren, verunglückte fast jedes Wochenende ein Fahrer tödlich», sagt Peter Studer.

Jo Siffert Joseph «Jo» Siffert ist der wohl charismatischste Schweizer Formel-1-Rennfahrer aller Zeiten. Der gebürtige Freiburger fuhr von 1962 bis 1971 insgesamt 96 Formel-1-Rennen und gewann deren zwei. Beim nicht zur WM zählenden Victory Race am 24. Oktober 1971 in Brands Hatch (England) verunglückte Siffert im Alter von 35 Jahren tödlich. Bei seiner Beerdigung säumten 50 000 Menschen die Strassen Freiburgs. (rubu.)

Jo Siffert Joseph «Jo» Siffert ist der wohl charismatischste Schweizer Formel-1-Rennfahrer aller Zeiten. Der gebürtige Freiburger fuhr von 1962 bis 1971 insgesamt 96 Formel-1-Rennen und gewann deren zwei. Beim nicht zur WM zählenden Victory Race am 24. Oktober 1971 in Brands Hatch (England) verunglückte Siffert im Alter von 35 Jahren tödlich. Bei seiner Beerdigung säumten 50 000 Menschen die Strassen Freiburgs. (rubu.)

Keystone

Der 60-jährige Inhaber eines Architekturbüros aus Widen ist seit knapp 30 Jahren mit dem Rennfahrer-Virus infiziert. Er besitzt und fährt verschiedene Autos der Kategorie «Historische Rennwagen». Also Autos, die vor Jahrzehnten einmal «richtige» WM-Rennen fuhren. «Damals waren die Autos noch mechanische Meisterleistungen, es musste im Cockpit richtig gearbeitet werden. Das gefällt mir», so Studer.

Siffert in Rot, Studer in Grün

Den grössten Erfolg feierte der zweifache Familienvater letzte Saison: Kategoriensieg in der Rennserie der Fahrzeuge der Jahrgänge 1962 bis 1966. Speziell daran: Studer bretterte mit jenem Lotus 24 über die Rennpisten von Dijon, Pau und Zandvoort, mit dem der unvergessene Jo Siffert im Jahr 1962 beim GP von Belgien seinen Einstand in der Formel 1 gegeben hatte – und damit gleich auf den zehnten Rang fuhr.

«Ja, es ist Sifferts Wagen. Aber er hatte damals einen anderen Motor montiert, zudem war der Lotus rot lackiert»,», präzisiert Studer. Der legendäre Schweizer Formel-1-Pilot fuhr vor 50 Jahren mit einer 8-Zylinder-Maschine.

Danach folgte quasi ein «Downsizing» auf einen 4-Zylinder. Und nun präsentiert sich das Schmuckstück wieder so, wie es vor Sifferts Zeit war, auch farblich. «Nur wenige Sachen sind am Auto anders als vor 50 Jahren», so Studer. Ein Sicherheitstank wurde eingebaut, ein Feuerlöscher ist mit an Bord. «Und die Kleidung ist natürlich funktionaler als damals.»

Dass Studer vor eineinhalb Jahren den geschichtsträchtigen Boliden erwerben konnte, war ein glücklicher Zufall. «Ein Rennfahrerkollege aus Deutschland besass den Lotus. Ich bat ihn, falls er ihn verkaufen wollte, zuerst an mich zu denken.»

Im Sommer 2012 war es so weit. Studer bekam den Zuschlag und erstand die Trouvaille. Über den Preis schweigt Studer mit einem Lächeln. «Es ist aber so, dass ich vorgängig einige meiner anderen Autos verkaufen musste.»

Apropos Finanzen: Weil Studer selber ein begeisterter Schrauber ist, spart er sich die Kosten für einen Mechaniker. «Ich mache alles selber», sagt er, «nur den Motor rühre ich nicht an.» Da wendet er sich jeweils an seinen Freund und Lotus-Spezialisten Bruno Schaffner aus dem zürcherischen Birmensdorf.

Unterstützt von seinen drei Frauen

Damit Studer auf den Rennstrecken dieser Welt Höchstleistungen bringen kann, muss es auch familiär stimmen. Seine Frau Doris und die beiden Töchter Stefanie und Francesca begleiten ihren Ehemann und Vater so oft es zeitlich drinliegt an die Rennen. «Diese moralische Unterstützung ist ein elementarer Bestandteil meines Erfolgs», so der Wider.

Jetzt, wo die Saison zu Ende ist, kann er sich ein wenig mehr um seine Liebsten kümmern. Am ersten Wochenende im Mai 2014 gehts dann wieder mit Vollgas los. Nach dem Start am GP Mutschellen folgt eine Woche später einer der Saison-Höhepunkte: Dann wird Studer nämlich am Historic-Race in Monte Carlo an den Start gehen.