Muri
Ein Freiämter Buch, das richtig süchtig macht

Der Badener Historiker Bruno Meier hat die umfassende Geschichte des Klosters Muri spannend aufbereitet. Zusammen mit Fotografin Marlen Tinner legt er ein 60 Seiten dickes Werk vor, das sich spannend und leicht liest.

Jörg Baumann
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Präsentieren stolz die neue Publikation: Die Fotografin Marlen Tinner und der Autor Bruno Meier vor dem Kloster. WU

Präsentieren stolz die neue Publikation: Die Fotografin Marlen Tinner und der Autor Bruno Meier vor dem Kloster. WU

170 Jahre nach dem verhängnisvollen Sturm von 1841 auf das Kloster Muri erscheint die erste umfassende Klostergeschichte der Neuzeit. Der Badener Historiker Bruno Meier und die Fotografin Marlen Tinner legen ein Buch vor, das spannend und leicht zu lesen ist. Es umfasst nur 60 Seiten Text, dafür aber 185 farbige Bilder, die das Kloster in einem ungewöhnlichen Licht zeigen.

Vorstufe für weitere Forschungen

«Neuen Lesestoff» versprach Martin Egli, Präsident der Vereinigung der Freunde der Klosterkirche Muri, an der Vernissage. Die Klosterfreunde gehören mit der Stiftung Murikultur, dem Lions-Club Freiamt und vielen anderen Gönnern zu den Förderern des Buches. Für Urs Pilgrim, Präsident von Murikultur, war klar: «Lesen kann süchtig machen. Machen Sie sich auf eine schlaflose Nacht gefasst.» Mit Bruno Meier habe man einen Autor gefunden, der sich ausgesprochen gut in der Schweizer und der Aargauer Geschichte auskenne.

«Das ist ein schönes Aargauer Buch mit viel Erkenntnisgewinn», konstatierte Hans Ulrich Glarner, Leiter der kantonalen Abteilung Kultur. Das Buch rege sicher zu neuen historischen Auseinandersetzungen mit der Murianer Klostergeschichte an. Es lege die «publizistische Startpiste» zur grossen, weiter ausgreifenden Geschichtsforschung an, die im Blick auf den 1000. Geburtstag des Klosters im Jahr 2027 begonnen habe. So entstehe in den nächsten Jahren Schritt um Schritt eine teils bekannte, teils vermutlich neue Sicht auf «die höchst abwechslungsreiche Geschichte dieses bedeutenden Ortes», so Peter Hägler, Leiter der historischen Sammlung Murensia und Geschäftsleiter der Stiftung Kloster Muri.

Schon einmal eingetaucht

Schon einmal, bei seinem Buch über die Habsburger, tauchte der Autor Bruno Meier in die Frühgeschichte des von den Habsburgern im 11. Jahrhundert gegründeten Klosters Muri ein. Diese Materialien nützten Meier bei seinem neuesten Wurf. Den Gründungsakt werde man wohl nicht mehr «neu erfinden oder positionieren» können, bekannte Meier. Verschiedene Phasen, nur nicht das 18. Jahrhundert, seien aber gut dokumentiert: so auch die Zeit der Reformation, die den Klöstern allgemein hart zugesetzt habe. Unter Abt Laurenz von Heidegg habe sich das Kloster dannzumal gewissermassen als Chorherrenstift verstanden, in das sich die Mönche eingekauft und Haushälterinnen angestellt hätten. Die Frauen seien manchmal «auch mehr» als nur Haushälterinnen gewesen, «was aber völlig normal war», meinte Meier vielsagend.

Ein Abt sei sogar abgesetzt worden, teilte der Autor mit. Unter Abt Placidus Zurlauben stieg das Kloster zur Fürstabtei von Habsburger Gnaden auf. «Der Titel war gekauft», erläuterte Meier. Zurlauben liess als eine seiner grossen Taten den Barock-Neubau der Klosterkirche bauen, so wie er noch heute dasteht.

Aufhebung juristisch illegal

Beim Bau des Lehmann-Klostertrakts, der Ende des 18. Jahrhunderts in die Französische Revolution fiel, zeichnete sich der Niedergang des Klosters ab. Die Gründe für die Aufhebung im Jahr 1841 seien schwierig zu werten, betonte Meier. «Sie war juristisch nicht legal. Sie ist aber als machtpolitisch motivierter Akt zu erklären. Denn der junge liberale Staat Aargau wollte die Schule und den grossen Grundbesitz in seine Hände bekommen.» Für Schuldzuweisungen gebe es keinen Raum mehr.

Das Buch «Kloster Muri – Geschichte und Gegenwart der Benediktinerabtei» ist für 58 Franken beim Verlag hier+jetzt in Baden und in den Buchhandlungen erhältlich.