Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Rosanna waren der gebürtige Zufiker Dominic Franck und seine Frau Kathrin mit einem bekannten Problem konfrontiert: «Die Wegwerf-Windeln füllen die Mülltonne praktisch allein. Das ist besonders verheerend, weil sie komplett aus Plastik und Kunststoff bestehen», kritisiert der studierte Chemiker.

Allein für den Saugkern müssten bei der Herstellung bis zu 200 Milligramm Erdöl verwendet werden. Und das bei jeder einzelnen Windel. Für ein Kleinkind braucht es täglich mehrere davon, über Jahre hinweg.

«Mit der Zeit summieren sich nicht nur eine grosse Menge Müll, sondern auch hohe ökologische Kosten. Die herkömmliche Windel ist ökologischer Unsinn, Alternativen gibt es jedoch kaum, abgesehen von den ziemlich unpraktischen Stoffwindeln», sagt Dominic Franck. Auch angeblich umweltfreundliche Windeln, die mit dem Eco-Label versehen sind, steckten voll mit Rohöl und Plastik. Das überraschte und verärgerte ihn. Und es weckte gleichzeitig seinen wissenschaftlichen Ehrgeiz.

Überraschende Lösung

Franck stürzte sich in die Recherche und versuchte selbst, Alternativen zu erarbeiten. Er fand eine nachhaltige Lösung, so überraschend wie genial.

Bei seiner Fairwindel besteht der zentrale Saugkern aus modifizierter Kartoffelstärke – ein altbekanntes Mittel, um Flüssigkeit zu binden. Mit seinem Prototyp erreicht er 70 % der Saugkraft der Hochleistungswindeln von Pampers und Co.

«Ein Wert, der völlig ausreicht, um die Windel trocken zu halten», sagt der Tüftler. Auch bei den anderen Bestandteilen der Windel verzichtet er komplett auf umweltschädliche Kunststoffe wie Bleichmittel, Klebemittel und Parfüm. Diese Stoffe schaden nicht nur der Umwelt, sondern womöglich auch dem Kind.

«Sie können allergische Reaktionen hervorrufen oder zu Reizungen und Rötungen führen. Statt dessen benutze ich nachhaltige, kompostierbare Materialien, die ich aus Maisstärke und Laktose herstelle. So bleibt das Produkt komplett frei von Schadstoffen», erklärt Dominic Franck.

Seine Projektidee ist revolutionär und trifft den Nerv zahlreicher anderer junger Eltern, welche die Berge an Plastikmüll leid sind. Natürlich nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz. Francks erklärtes Ziel ist es, die nachhaltigen Windeln auch in seiner Heimat verbreiten zu können.

Zufikon, Cambridge, Berlin

Der 36-jährige Aargauer lebt seit einigen Jahren mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Berlin und arbeitet als Chemiker. Seine Ausbildung hat er komplett in der Schweiz abgeschlossen. Erst die Lehre bei Ciba-Geigy, dann ein Chemiestudium an ZHW und ETH. Mit einem Umweg über Cambridge kam er in seine heutige Wahlheimat Berlin. Dort ist er als Chemiker tätig und an verschiedenen Forschungsprojekten beteiligt.

Mit viel Herzblut und Professionalität treibt Dominic Franck sein Projekt voran. Die nachhaltige Windel ist mittlerweile auf Facebook (FairFamily), Twitter und der Homepage «fairwindel.ch» vertreten. Mit seiner Frau, die ihn als Marketing-Expertin unterstützt, gründete er eine Firma.

Er lancierte eine Elternkampagne, führte Verhandlungen mit Unternehmen und suchte Partner. Beim renommierten Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) hat er den dritten Platz belegt. Die Fairwindel nimmt Fahrt auf. Den Vertrieb planen Dominic Franck und seine Frau über das Internet. 2016 soll es so richtig losgehen.